Neu im Kino/Filmkritik: Die mexikanische Seite des Drogenkrieges: „Miss Bala“

Laura Guerrero (Stephanie Sigman) ist eine junge Frau aus dem Armenviertel von Baja, Mexiko. Sie will Schönheitskönigin werden und so reich und berühmt werden.

Miss Bala“ erzählt ihre Geschichte und wie ihr Traum sich auf eine ganz andere Weise erfüllt, als sie es sich erträumte. Denn in einer halbseidenen Disco beobachtet sie, wie eine Gangsterbande ein Massaker, vor allem an anderen Gangstern, veranstaltet. Laura kann entkommen und als sie am nächsten Tag zur Polizei gehen will, übergibt der Polizist sie an den Gangsterboss Lino Valdez (Noe Hernández), der für das Massaker verantwortlich ist. Er frisst einen Narren an ihr und, anstatt sie umzubringen, ebnet er ihr den Weg in den Schönheitswettbewerb. Außerdem muss sie für ihn kleinere kriminelle Aufträge, auch in den USA, übernehmen.

Miss Bala“ ist auch das Gegenstück zu Oliver Stones „Savages“. Denn Regisseur Gerardo Naranjo erzählt die mexikanische Sicht des Drogenkrieges und wie eine Frau zwischen die Fronten von konkurrierenden Verbrecherbanden und Polizei gerät. Hier sind die Mexikaner nicht mehr, wie bei Oliver Stone, nur eine von Bande von skrupellos-bestialisch stinkreichen Drogenhändlern, sondern arme Menschen, die in einer von Verbrecherbanden dominierten Gesellschaft überleben wollen, während Verbrecher und Polizisten rücksichtslos um die Herrschaft im Land kämpfen. Auch der Gangsterboss, der Laura hilft ist kein Monster, sondern ein Firmenchef eines kleineren Unternehmens, der in schmutzig-verschwitzen Klamotten an vorderster Front steht, langfristig denkt, seine Mitarbeiter und Investitionen schützt und von der Polizei gejagt wird. Glamourös ist das nicht.

Auch von der Machart ist „Miss Bala“ das Gegenstück zu „Savages“. Wo Oliver Stone zwischen den zahlreichen Handlungssträngen hin- und herspringt, eine Erzählerin die Geschichte aus dem Off erzählen lasst, das ganze mit einem sarkastischen Humor (der vor allem aus Don Winslows grandiosem Roman „Zeit der Rache“ kommt) würzt und oft schneidet, schneidet Naranjo kaum. Fast alle Szenen kommen mit wenigen Schnitten, teils sogar ohne Schnitte, aus. Deshalb und weil Naranjo immer bei seiner Protagonistin bleibt, ist „Miss Bala“ manchmal auch etwas zäh. Denn während Laura langsam begreift, in was für einen Schlamassel sie geraten ist, wissen wir Zuschauer das schon lange.

Auch in den Actionszenen bleibt Naranjo bei ihr, zeigt ihre Reaktionen, wie sie versucht im Kugelhagel zu überleben, sich versteckt, und der Kampf läuft auf der Tonspur oder im Bildhintergrund ab. So entwickeln die Kampfszenen eine, im Vergleich zu den derzeit in Actionfilmen so modischen Schnittgewittern, ganz eigene Intensität, die wirklich das Gefühl vermitteln hilflos in einen Krieg geraten zu sein.

Miss Bala“ zeigt eindrucksvoll die andere Seite des „war on drugs“.

Miss Bala (Miss Bala, Mexiko 2011)

Regie: Gerardo Naranjo

Drehbuch: Gerardo Naranjo, Mauricio Katz

mit Stephanie Sigman, Noe Hernández, James Russo, José Yenque

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miss Bala“

Metacritic über „Miss Bala“

Rotten Tomatoes über „Miss Bala“

Wikipedia über „Miss Bala“

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One Response to Neu im Kino/Filmkritik: Die mexikanische Seite des Drogenkrieges: „Miss Bala“

  1. Harry sagt:

    Hi,
    bis dato noch nie von dem Film gehört. Wurde soeben auf die „Haben“-Liste gesetzt.
    Gruß
    Harry

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