DVD-Kritik: Die grandiose italienische Krimiserie „Romanzo Criminale – Staffel 1“

Ich würde diese Besprechung gerne mit dem Satz „’Romanzo Criminale‘ ist die beste italienische Serie seit…“ beginnen, aber die einzige italienische Serie, die mir jetzt einfällt, ist „Allein gegen die Mafia“ und meine Erinnerung daran ist sehr schwammig.

Wobei der Vergleich mit „Allein gegen die Mafia“ gar nicht so schlecht ist. Denn in „Romanzo Criminale“ geht es um die drei römischen Kleingangster Pietro, der „Libanese“ (Francesco Montanari), Freddo (Vinicio Marchioni) und Dandi (Alessandro Roja), die 1977 beschließen, zusammen zu arbeiten. Damals gab es in Rom viele kleine Gangsterbanden, die sich mit kleinen Coups über Wasser hielten. Die Mafia und andere OK-Gruppen ließen Rom links liegen.

Der Libanese, so etwas wie der Kopf der entstehenden Bande, kann die anderen Verbrecher überzeugen, bei der Entführung eines Barons zusammen zu arbeiten. Die Kooperation zwischen den auf ihrer Autonomie bedachten Bandenmitgliedern, gestaltet sich schwierig. Aber als sie das Lösegeld vor sich haben, sind sie begeistert. So viel Geld haben sie noch nie gesehen. Der Libanese schlägt ihnen vor, die Beute nicht auszugeben, sondern in künftige gemeinsame Coups zu investieren. Sie stimmen zu und in den nächsten Folgen der brutalen TV-Serie „Romanzo Criminale“ erleben wir ihren Aufstieg und auch die ersten Zerfallserscheinungen.

Kommissar Scialoja (Marco Bocci) ist ihnen dabei von Anfang an auf der Spur. Denn zufällig sah er bei einer Observation, dass die eigentlich verfeindeten Bandenführer Pietro und Freddo anscheinend gemeinsam einen Coup durchziehen. Scialoja glaubt, dass er den Beginn einer neuen Form von Gangstertum für Rom sieht. Er verfolgt sie so unerbittlich, wie es ihm innerhalb einer korrupten Polizei und eines Staates, der auch mit Verbrechern zusammen arbeitet, möglich ist. Denn seine Vorgesetzten glauben ihm zunächst nicht.

Das ist großes Kino, das das Herz des Genrejunkies erfreut und, wie schon die Hollywood-Gangsterfilme aus den dreißiger Jahren und die italienischen Polit-Thriller der siebziger Jahre basiert die Geschichte von „Romanzo Criminale“ auf Tatsachen. Im Pressetext steht dazu:

„Romanzo Criminale“ rekapituliert den Aufstieg und Fall einer römischen Verbrecherbande namens „Banda Della Magliana“. Die Gang existierte tatsächlich und war vor allem zwischen 1977 und 1983 aktiv. Sie zeichnete sich verantwortlich für zahlreiche Banküberfälle, Überfälle auf Geldtransporter, Drogen- und Waffenhandel, Glücksspiel und Prostitution, später auch Entführungen, Bombenanschläge. Operationsgebiet war zunächst Rom, dann das gesamte italienische Territorium. Aus den Anfängen einer Bande von Kleinkriminellen entwickelte sich mit der Zeit eine der einflussreichsten und gefährlichsten Gruppierungen Organisierter Kriminalität Italiens, mit Querverbindungen zur Mafia, zur Camorra, aber auch zum italienischen Geheimdienst und diversen Geheimlogen.

Den Sprung von Kleinkriminellen zu Gangstern großen Kalibers leistete die „Banda“ mit der Entführung eines Grafen Ende der 70er-Jahre – gleichzeitig auch der Beginn einer Reihe lukrativer Entführungsfälle für die Verbrecherbande. Anfang der 80er-Jahre war die „Banda“ auch in politisch motivierten, kriminellen Taten verwickelt und erhielt damit eine neue Dimension. Zu den spektakulärsten Aktionen gehörte die versuchte Erpressung der Bank des Vatikans!

Der Niedergang der „Banda Della Magliana“ wurde eingeleitet mit den ersten Geständnissen eines Bandenmitgliedes 1983. In der Folge kam es zu Rachefeldzügen innerhalb der Gang, die Mitglieder bekämpften sich gegenseitig. Der letzte Boss der Bande wurde 1992 im südamerikanischen Caracas festgenommen. Dank seiner Geständnisse konnten die „Banda Della Magliana“ schließlich endgültig bekämpft und insgesamt 55 Bandenmitglieder hinter Gitter gebracht werden.

Romanzo Criminale“ basiert auf dem gleichnamigem Roman von Giancarlo De Cataldo, der bereits 2005 von Michele Placido („Allein gegen die Mafia“) verfilmt wurde. Drei Jahre später folgte die deutliche längere TV-Version und die erste „Romanzo Criminale“-Staffel (von zwei) zeichnet über elf Stunden ein reichhaltiges und stimmiges Bild der damaligen Zeit und der damaligen Probleme der italienischen Gesellschaft und des Staates, wie der auch in der Serie angesprochenen Entführung von Aldo Moro, und der Verflechtungen zwischen Staat, Geheimdiensten und Verbrechern, die sich fröhlich und ohne erkennbare Skrupel gegen linke Bewegungen und linke Terroristen vereinigten. So wird die Verbrecherbande vom Geheimdienst um Hilfe bei der Suche nach Aldo Moro gebeten. Für sie wird ihre Hilfe auch das Ticket zum Schutz des Staates vor polizeilichen Ermittlungen, die ihre Geschäfte stören könnten. Das ist so zynisch, wie wahr.

Auch in der Ausstattung, der Kleidung, den Frisuren, den Autos, der Bildgestaltung und den Farben werden die siebziger Jahre und der Stil der damaligen Filme heraufbeschworen. Allerdings – und das fällt immer dann auf, wenn man sich wieder einen der damaligen Filme ansieht – ist die Kameraarbeit mit dem derzeit trendigen Dokumentarfilmstil, die oft gewählten Bildausschnitte und, vor allem die Schnittfrequenz up to date.

Romanzo Criminale“ ist das, was „Im Angesicht des Verbrechens“ gerne gewesen wäre.

Am Ende der ersten Staffel, die mit dem Tod von einem der Verbrecher endet, ist die Neugier auf die zweite und auch letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ geweckt. Sie erscheint Anfang Dezember.

Romanzo Criminale (Romanzo Criminale, Italien 2008)

Regie: Stefano Sollima

Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Vaelnti, Paolo Marchesini

LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)

mit Francesco Montanari, Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi

DVD

Edel

Bild: 19:9 (PAL)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 661 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Romanzo Criminale“ und über Giancarlo De Cataldo

Krimi-Couch über Giancarlo De Cataldo

 

 

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