Neu im Kino/Filmkritik: „Dredd“ ist nichts für Weicheier

In Mega City One, einer gigantischen Metropole, sorgen die Judges für Recht und Ordnung. Dabei sind sie oft Polizist, Ankläger, Richter und Vollstrecker in Personalunion. An einem normalen Arbeitstag soll Judge Dredd (Karl Urban) Cassandra Anderson (Olivia Thirlby), eine neue Rekrutin, die einerseits die Eingangsprüfung knapp nicht bestanden hat, aber andererseits ein Medium ist (sie kann Gedanken lesen), auf ihre Tauglichkeit im Einsatz prüfen.

Als in dem zweihundert Stockwerke hohem Wohnblock Peach Trees (eigentlich eine kleine, in die falsche Richtung gebaute Stadt) mehrere Menschen zu Tote stürzen, fahren sie zum Tatort und nehmen einen Verdächtigen fest. Als Ma-Ma (Lena Headey), die Herrscherin über den Komplex, Drogenbaronin und Herstellerin der neuen Droge Slo-Mo, davon erfährt, sperrt sie den gesamten Komplex ab und eröffnet die Jagd auf die beiden Judges.

Judge Dredd ist in britischer Comicklassiker, der von John Wagner und Carlos Ezquerra erfunden wurde. Seit seinen ersten Auftritt 1977 in „2000 AD“ sorgt Judge Dredd in einer Dystopie als Über-Law-and-Order-Mann brutalstmöglich für Recht und Ordnung – und dabei wird er von den Machern immer so überspitzt, dass es eine Satire auf dieses rechtskonservative Law-and-Ordertum ist.

1995 entstand dann unter der Regie von Danny Cannon (der damals mit dem Noir-Thriller „Young Americans“ ein aufstrebendes Talent war und heute vor allem für „CSI“ bekannt ist) die Hollywood-Verfilmung „Judge Dredd“ mit einer ziemlich beeindruckenden Besetzung (Armand Assante, Rob Schneider, Jürgen Prochnow, Max von Sydow, Diane Lane, Joan Chen) und Sylvester Stallone als Judge Dredd, der in Interviews eben jene faschistoiden Ansichten von Judge Dredd gänzlich ironiefrei herunterbetete. Die Story selbst war ein als ausuferndes Big-Budget-Science-Fiction-Kino getarntes Starvehikel, das bei Fans der Vorlage abgrundtief gehasst wurde.

Jetzt also der neue Versuch. Die Regie übernahm Pete Travis, der mit dem Action-Thriller „8 Blickwinkel“ begeisterte. Das Drehbuch ist von Romanautor Alex Garland, der auch schon die Bücher für „The Beach“, „28 Days later“ und „Sunshine“ schrieb. Für „Dredd 3D“ schrieb er eine schnörkellose Geschichte, die keine Zeit mit Subplots, familiären Befindlichkeiten und Sozialkritik verschwendet. Die Welt ist schlecht und gegen Gewalt hilft nur Gewalt. Dabei wird, nachdem die beiden Judges und ihr Gefangener zum Abschuss freigegeben werden, aus einer Westernsituation ein brutaler Action-Thriller, in dem die Gangster wie Fliegen sterben. Denn Judge Dredd denkt keine Zehntelsekunde ans Aufgeben. Er will einfach nur Ma-Mas Verbrecherbande aus dem Wohnblock herauswerfen – und wenn er es allein tun muss, dann tut er es eben allein.

Der 3D-Effekt ist gerade in den Szenen, in denen die Wirkung der Droge Slo-Mo gezeigt wird (sie führt dazu, dass die Konsumenten alles in Super-Zeitlupe wahrnehmen), ein Ärgernis, weil sie wie allerbilligste Computertricks aussehen. Auch dass in ruhigen Szenen öfters Gegenstände unvorteilhaft in den Vordergrund geschoben werden, reißt immer wieder aus der Filmrealität heraus.

Dredd (Dredd, Großbritannien 2012)

Regie: Pete Travis

Drehbuch: Alex Garland

LV: Charakter von John Wagner und Carlos Ezquerra

mit Karl Urban, Lena Headey, Olivia Thirlby, Wood Harris, Domhnall Gleeson

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dredd“

Metacritic über „Dredd“

Rotten Tomatoes über „Dredd“

Wikipedia über „Dredd“ (deutsch, englisch)

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