DVD-Kritik: Eine Bande Banditen rastet in „Quantez, die tote Stadt“

Das ist ein echter Talkie. Denn nachdem die Bösewichter ihre Verfolger abgehängt haben, wollen sie in Quantez ihre Pferde wechseln. Aber die Ansammlung von wenigen Adobehäusern ist verlassen.

Sie beschließen dort die Nacht zu verbringen, die Pferde ausruhen zu lassen und am nächsten Morgen weiterzureiten. In der Nacht, nun, ich sollte wohl sagen, brechen die Konflikte auf, sie versuchen sich gegenseitig zu betrügen und die Beute und die Frau, die auch die Geliebte des Anführers ist und reihum allen schöne Augen macht, zu bekommen. Doch das wäre zu viel der Ehre für die sich weitgehend in einer Taverne abspielenden Geplänkel zwischen dem Bandenboss, dem alten Revolverhelden, dem jungen, arg grünschnäbeligem Möchtegern-Revolverhelden und dem „Halbblut“, die dadurch gefährlicher werden sollen, dass das „Halbblut“, ein Weißer, der von Indianern großgezogen wurde und dessen Herz jetzt für die Indianer schlägt, mit den Indianern über einen Angriff nach Tagesanbruch verhandelt.

Und als die Sonne aufgeht…ist der Film auch schon fast vorbei.

Quantez, die tote Stadt“ ist ein rechter, im Studio gedrehter Langweiler, der auch damals im Kino nur als Lückenfüller gedacht war. Es gibt alles, was zu einem Western dazugehört: den alten Revolverhelden, den jungen Revolverhelden, den fiesen Bandenboss, das verräterische Halbblut, die schöne Frau, einen feigen Bänkelsänger (okay, es gibt sogar zwei Lieder: ein gewollt gruselig von der Blondine gesungenes, eines von dem Sänger), Schlägereien, Schießereien und Indianer. Nur halt vollkommen spannungsfrei und weitgehend sinnfrei, ohne ein gescheites Drehbuch, aber dafür in Farbe und Cinemascope angerichtet.

Oder in den Worten von Joe Hembus: „Ein Kammerspiel-Western, der bessere Dialoge und bessere Darsteller gebraucht hätte, um seinen Verzicht auf Action wettzumachen.“ (Das Western-Lexikon) Und das Lexikon des internationalen Films sekundiert: „Kleiner, billiger Western.“

Aber als Teil der Koch-Media-Reihe „Western Legenden“ erschien „Quantez, die tote Stadt“ jetzt in der gewohnt schicken Aufmachung, mit gutem Bild und Ton und einer hübschen Bildergalerie.

Und, zum Abschluss, ein Wort zu den Schauspielern: John Gavin spielte kurz darauf Sam Loomis in Alfred Hitchcocks „Psycho“; Dorothy Malone kennen etliche aus Howard Hawks Raymond-Chandler-Verfilmung „Tote schlafen fest“ (sie ist die brillentragende Buchverkäuferin, die mit Humphrey Bogart flirtet), als Constance Mackenzie aus der TV-Serie „Peyton Place“ und, ihre bislang letzte Filmrolle, als Freundin von Sharon Stone in „Basic Instinct“; Fred MacMurray hatte in Billy Wilders James-M.-Cain-Verfilmung „Frau ohne Gewissen“ die Hauptrolle und spielte in Edward Dmytryks „Die Caine war ihr Schicksal“ und Billy Wilders „Das Appartment“ mit; und Sidney Chaplin war ein Sohn von Charles Chaplin und trat auch in einigen seiner Filme auf.

Drehbuchautor R. Wright Campbell wurde später ein hochgelobter Krimiautor und einige seiner Romane erschienen auch in der „Schwarzen Serie“ von Bastei-Lübbe.

Quantez - DVD-Cover

Quantez, die tote Stadt (Quantez, USA 1957)

Regie: Harry Keller

Drehbuch: R. Wright Campbell (nach einer Geschichte Ann Edwards und R. Wright Campbell)

mit Fred MacMurray, Dorothy Malone, Sidney Chaplin, John Gavin, John Larch, James Barton, Michael Ansara

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie

Länge: 80 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Turner Classic Movies über „Quantez, die tote Stadt“

Fifties Western über „Quantez, die tote Stadt“

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