Neu im Kino/Filmkritik: „End of Watch“ für Jake Gyllenhaal und Michael Peña in David Ayers grandiosem Polizeithriller

Beginnen wir mit der beruhigenden Meldung: Nichts Neues im David-Ayer-Kosmos. Auch „End of Watch“ ist ein Polizeifilm, der in Los Angeles, genauer South Central, spielt und sich nahtlos an seine vorherigen Filme „Training Day“ (Drehbuch), „Dark Blue“ (Drehbuch), „Street Kings“ (Regie, nach einer Geschichte von James Ellroy) und, weniger, „Harsh Times – Leben am Limit“ (Drehbuch, Regie) anschließt. Sogar in seinen Popcorn-Filme „The Fast and the Furious“ (Drehbuch) und „S. W. A. T. – Die Spezialeinheit“ (Drehbuch), die ja gerne verschwiegen werden, geht es um Polizisten und Verbrecher.

Auch in „End of Watch“ stehen Polizisten im Mittelpunkt. Wieder spielt die Geschichte in South Central. Wieder wirft sie einen ungeschönten Blick auf das dortige Leben.

Aber dieses Mal verschob David Ayer seinen erzählerischen Fokus und auch innerhalb des Genres sind die Verschiebungen, die er vornimmt, sehr interessant.

Doch bevor wir uns der Geschichte zuwenden, müssen wir über die Inszenierung reden. Ayer inszenierte den Polizeifilm, bis auf wenige Ausnahmen, im Found-Footage-Stil.

Der Grund für die Videofilmerei ist ein Schulprojekt von Officer Brian Taylor (Jake Gyllenhaal), der sich beruflich verbessern will. Er will für ein Videoprojekt seinen Alltag als Polizist dokumentieren. Sein langjähriger Partner, Officer Mike Zavala (Michael Peña), hilft ihm dabei und seine Kollegen wissen von der Filmerei, die daher von ihnen während der Arbeit öfters angesprochen wird.

Ayer mischte in seinem Polizeifilm Aufnahmen aus Überwachungskameras, Camcodern und Spionagekameras (so tragen die beiden Helden fast unsichtbare Knopfkameras an ihren Uniformen). Entsprechend schlecht und verwackelt sind die Aufnahmen. Es gibt auch öfters Bildaussetzer. Kurz gesagt: eine dieser Nachmittags-Pseudo-Dokus sieht dagegen gut aus und wem schon bei den Bourne-Filmen schwindelig wird, der sollte auf den Kinobesuch verzichten.

Mir gefiel diese Inszenierung und sie passt auch gut zur Geschichte, die von der straffen Inszenierung, den grandiosen Schauspielern und den guten Dialogen getragen wird. Allerdings, das muss auch gesagt werden, sollte David Ayer es bei diesem einmaligen Experiment belassen und seine nächsten Filme wieder traditioneller Drehen.

Jetzt können wir uns der Geschichte zuwenden. Ayer erzählt in „End of Watch“ von den beiden Streifenpolizisten Brian Taylor und Mike Zavala. Taylor ist noch Junggeselle und auf der Suche nach seiner großen Liebe, die er auch im Verlauf des Films findet. Zavata ist glücklich verheiratet mit seiner Schulfreundin und das erste Kind ist unterwegs. Zwischen den einzelnen Einsätzen frotzeln sie – oft reichlich vulgär – herum und bei der Arbeit legen sie die Gesetze manchmal etwas weit aus. Aber sonst kann man in South Central, das immer stärker von skrupellosen Gangs beherrscht wird, nicht überleben und sie sind letztendlich grundehrliche und grundanständige Polizisten, die bei ihrer Arbeit zufällig die Kreise einer großen Drogengang stören und auf eigene Faust weiter ermitteln. Denn ihre Vorgesetzten scheinen sich nicht dafür zu interessieren.

Eher zufällig entdecken sie in einem Haus unter primitiven Umständen gefangene illegale Einwanderer. Ein Beamter eines Sonderkommandos, der sie von oben herab behandelt, sagt, dass sie ihre Finger davon lassen sollen.

In dem Moment ist es allerdings schon zu spät. Das mexikanische Sinaloa-Drogenkartell will die beiden neugierigen Polizisten aus dem Weg haben.

Die Story ist für David Ayer allerdings nur die Krücke, um vom Leben von zwei Polizisten zu erzählen, die, abgesehen von ihrer Sprache und einer gewissen Hitzköpfigkeit, Vorbildbeamte sind. Sie würden niemals ein Bestechungsgeld annehmen. Korruption und Machtmissbrauch sind in „End of Watch“, im Gegensatz zu seinen vorherigen Polizeifilmen „Training Day“, „Dark Blue“ und „Street Kings“, kein Thema. Jetzt inszeniert er ein Loblied auf den einfachen, ehrlichen Polizisten.

Und Taylor und Zavala machen ihren Job gerne und finden ihn auch nicht furchtbar belastend. Im Gegenteil: er macht ihnen Spaß. Sie haben eine durchaus realistischen Blick auf South Central, das hier noch heruntergekommener aussieht, als in den älteren Filmen, wie „Colors – Farben der Gewalt“ und „Training Day“. Taylor und Zavala haben auch keine Illusionen über die Wirkung ihrer Arbeit. Sie wissen, dass sie die Verhältnisse nicht verändern können. Aber sie sind nicht resigniert und auch überhaupt nicht zynisch.

End of Watch - Plakat4

End of Watch (End of Watch, USA 2012)

Regie: David Ayer

Drehbuch: David Ayer

mit Jake Gyllenhaal, Michael Peña, Anna Kendrick, Nathalie Martinez, America Ferrera, Frank Grillo, David Harbour, Cody Horn, Maurice Compte, Richard Cabral, Yahira Garcia

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (Freigabebegründung)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „End of Watch“

Metacritic über „End of Watch“

Rotten Tomatoes über „End of Watch“

Wikipedia über „End of Watch“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit David Ayer über „End of Watch“ und „Breacher“ [neuer Titel „Ten“) (19. September 2012)

Film School Rejects: Interview mit David Ayer über „End of Watch“ (19. September 2012)

David Ayer in der Kriminalakte

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