Holy Shit, Frank Miller’s „Holy Terror“

Miller - Holy Terror

Miller - Holy Terror limitiert

Er selbst nannte seinen neuen Comic, bevor er veröffentlicht wurde, „naked Propaganda“ und das ist „Holy Terror“ auch. Und wie immer bei politischer Propaganda ist kein Platz für Differenzierungen. Die Guten sind gut. Die Bösen böse. Die dick aufgetragene politische Botschaft entweder ganz großer Mist oder die triumphale Verkündung der Wahrheit. In Frank Millers neuester Graphic Novel „Holy Terror“ sind die Bösen eine Al-Qaida-Gruppe, die Empire City (vulgo Gotham, vulgo Sin City, vulgo New York) vernichten will. Und nur der „Richter“ (vulgo Batman) und die „Katze“ Natalie Stack (vulgo Catwoman) können die Katastrophe verhindern.

Frank Miller, der den Klassiker „Batman: Die Rückkehr des dunklen Ritters“ und die Noir-Serie „Sin City“ schrieb, wollte die Geschichte ursprünglich als Batman-Geschichte erzählen und überlegte es sich, weil sie nicht in den Batman-Kosmos passe, anders. Dennoch sind die Parallelen zu Batman noch vorhanden. Vor allem am Anfang sind sie überdeutlich. Aber dass die Bösewichter mordgierige Islamisten sind und dass alle guten Amerikaner sich gegen sie verbünden müssen und dass in diesem Kampf alle Mittel erlaubt sind, macht „Holy War“ zu einem Stück ärgerlicher, humorloser, konservativer Propaganda, bei der man sich wirklich fragt, ob man Frank Miller früher anders betrachtet und seine reaktionäre Weltanschauung übersehen hat oder ob er, der auch die gesamte Occupy-Bewegung für einen Haufen Nichtsnutze hielt, in den letzten Jahren zunehmend konservativer wurde.

Jedenfalls können sein abstrakter „Sin City“-Zeichenstil, die hier noch abstrakter geraten ist, und die oft beidseitigen Panels nicht über die Botschaft, die wie ein sehr verspäteter Nachklapp zur Post-9/11-Paranoia und einem Geburtstagsgeschenk für die Tea Party wirkt, und die erzählerischen Schwächen der banalen Geschichte hinwegtäuschen.

Holy Terror“ ist ein ärgerliches Werk auf dem Niveau seiner komplett vermurksten „The Spirit“-Verfilmung, das mit einem Zitat von Mohammed beginnt („Tötet die Heiden, wo immer ihr sie findet.“) und mit der Widmung „Mit Respekt Theo Van Gogh gewidmet (1957 – 2004)“ endet.

Nuff said.

Miller - All Star Batman

Vor einigen Jahren war Frank Miller, wie ein Blick in den jetzt erschienenen Sammelband „All-Star Batman“ zeigt, politisch noch nicht so drauf. In dem Sammelband sind die zehn „All-Star Batman“-Bände „All Star-Batman & Robin, the Boy Wonder“ enthalten, die in den USA in einem arg unregelmäßigem Rhythmus erschienen; nämlich September, November, Dezember 2005, März 2006, Juli, September, November 2007, Januar, April und August 2008.

Frank Miller schrieb die Geschichte und Jim Lee, der für die Verspätungen verantwortlich war, zeichnete, eher traditionell und schön bunt, die grandiosen Panels. Sie erzählen, wie Batman Bruce Wayne den zwölfjährigen Dick Grayson, Sohn einer Hochseilartistenfamilie, aus den Händen von Gangstern befreit (Oh, ja, die Gangster ermordeten seine Eltern), zwangsrekrutiert und in der Bathöhle, feinfühlig wie ein von niemandem kontrollierter Kasernenhofschleifer, zu seinem Gehilfen Robin macht. Diese Wie-der Held-zum Helden-wurde-und-seinen-Gehilfen-rekrutierte-Geschichte ist außerhalb der offiziellen Kontinuität des DC-Comic-Universums, weshalb Frank Miller sich bei seiner Neuerzählung bekannter Ereignisse einige Freiheiten nehmen konnte.

Das ist zwar auch kein Meisterwerk, aber ein ungleich gelungeneres Werk.

Frank Miller: Holy Terror

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

124 Seiten

29,95 Euro

Originalausgabe

Holy Terror

Legendary, 2011

Frank Miller (Autor)/Jim Lee (Zeichner)/Scott Williams (Tusche): All-Star Batman

(übersetzt von Steve Kups)

Panini 2012

252 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, Issue 1 – 10

September 2005 – August 2008

Hinweise

Blog/Homepage von Frank Miller

Wikipedia über Frank Miller (deutsch, englisch) und Jim Lee (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows “Hard Boiled” (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller (Autor)/Dave Gibbons‘ (Zeichner) „Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)“ (Give me liberty, 1990)

Frank Miller in der Kriminalakte

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One Response to Holy Shit, Frank Miller’s „Holy Terror“

  1. […] Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All … […]

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