Neu im Kino/Filmkritik: „The Last Stand“ ist nicht Arnold Schwarzeneggers letztes Gefecht

Januar 31, 2013

Vor zehn Jahren räumte Arnold Schwarzenegger in „Terminator 3“ noch einmal kräftig auf. Danach war Dienst an der Gemeinschaft angesagt. Als Gouverneur von Kalifornien. Seine Freizeit reichte gerade für einige Cameos.

Jetzt ist er wieder zurück und „The Last Stand“ soll vor allem zeigen, dass er mit 65 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört. Dass er noch Action machen kann. Und das gelingt dem Quasi-Western, der durchaus sympathisch an ältere Action-Filme anknüpft, in denen eine Geschichte, die geradlinig auf den finalen Showdown hinausläuft, mit einigen kleinen, präzisen Charakterskizzen und Einzeilern aufgepeppt und unaufgeregt in knapp zwei Stunden erzählt wird. Gleichzeitig gibt es genug neue Ideen, um Genrejunkies gut zu unterhalten.

Als der südamerikanische Drogenbaron Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) vom FBI in ein anderes Gefängnis überstellt werden soll, wird er in Las Vegas von seinen Handlangern in einer James-Bond-würdigen Aktion befreit. Mit einer FBI-Polizistin als Geisel rast er in einem gestohlenen Prototyp, einer Corvette ZR1, die über 400 km/h fahren kann und damit schneller als alle Autos und Flugzeuge ist, die das FBI zur Hand hat, in einem Affentempo auf die Grenze nach Mexiko zu.

Währenddessen haben andere Handlanger von Cortez, die von Burrell (Peter Stormare, der mal wieder seine Rolle als Bösewicht genießt) angeführt werden, in der Nähe des kleinen Städtchens Sommerton eine Behelfsbrücke installiert, auf der Cortez die Grenze ohne lästige Grenzkontrolle überqueren soll.

Allerdings haben sie nicht mit dem Ortssheriff gerechnet. Ray Owens (Arnold Schwarzenegger) will dort, nachdem er von den Los-Angeles-Blutbädern genug hatte, nur noch eine ruhige Kugel schieben und den Einheimischen bei ihren banal-alltäglichen Problemen helfen.

Als er erfährt, dass Cortez seine Stadt zum Grenzübertritt benutzen will, nimmt er mit seinen drei Deputies, – ein Jüngling, der sich nach Los Angeles versetzen lassen will (Zach Gilford), einem älteren Mexikaner, der treu, aber auch etwas feige ist (Luis Guzmán, gewohnt zuverlässig) und einer Frau (Jaimie Alexander) -, und zwei ad hoc vereidigten Hilfssheriffs, – einem jungen Kriegsveteranen, der in die Polizistin verliebt ist und, als notorischer Randalierer, mal wieder inhaftiert wurde (Rodrigo Santoro), und einem durchgeknalltem Waffenfanatiker (Johnny Knoxville) -, den Kampf auf.

Regisseur Kim Jee-Woon (A bittersweet Life; The Good, the Bad, the Weird) inszenierte sein US-Debüt mit viel Wucht, Witz und, angenehm unironisch, aber mit dem augenzwinkerndem Einverständnis, dass wir alle wissen, wie die Geschichte ausgeht. Denn in „The Last Stand“ wird eine typische Western-Situation, die natürlich an die alten Howard-Hawks-Western wie „Rio Bravo“ und „El Dorado“, beide mit John Wayne, erinnert, in die Gegenwart verlagert.

Da kann auch verziehen werden, dass gerade bei der sehr bleihaltigen Schlacht in Sommerton, der modernen Variante eines typischen Wild-West-Kaffs mit einer Hauptstraße, zwei Nebenstraßen und einem Saloon, der heute ein Diner ist, das Schlachtfeld etwas unklar gezeichnet wird und die Action-Szenen etwas zu trendy zerschnippelt werden.

The Last Stand“ macht Spaß als grundsolider, moderner Action-Western.

Daher: Welcome back, Arnie!

The Last Stand - Plakat

The Last Stand (The Last Stand, USA 2013)

Regie: Kim Jee-Woon

Drehbuch: Andrew Knauer, Jeffrey Nachmanoff (Rewrite), George Nolfi (Writing Supervisor) (nach einer Geschichte von Andrew Knauer

mit Arnold Schwarzenegger, Forest Whitaker, Johnny Knoxville, Radrigo Santoro, Jaimie Alexander, Louis Guzmán, Eduardo Nriega, Peter Stormare, Zach Gilford, Genesis Rodriguez, Harry Dean Stanton (kurz, aber gut)

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Last Stand“

Metacritic über „The Last Stand“

Rotten Tomatoes über „The Last Stand“

Wikipedia über „The Last Stand“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Familienzusammenführung nach dem Tsunami in „The Impossible“

Januar 31, 2013

Es ist ein Kreuz mit diesen Filmen, die „auf einer wahren Geschichte“ basieren. Oft werden die wahren Ereignisse genommen und so lange verändert, bis die Ähnlichkeiten zwischen Fakt und Fiktion nur noch zufällig sind. Es geht aber auch, wie der spanische Spielfilm „The Impossible“ zeigt, anders. Drehbuchautor Sergio G. Sanchez und Regisseur Juan Antonio Bayona nahmen ein wahres Schicksal, nämlich die Geschichte der spanischen Familie Belon und erzählten dann eine so universelle Geschichte über eine Familie, die nach dem Tsunami 2004 in Thailand, getrennt wurde und sich wieder fand, dass es vollkommen egal ist, wie genau sich die Filmemacher an die Fakten gehalten haben. Wie der Familie Belon dürfte es damals vielen Familien, die ihren Weihnachtsurlaub im Paradies verbringen wollten, ergangen sein. Vielleicht deshalb haben die Macher der Familie keinen Nachnamen verpasst und die Nationalität der Familie geändert.

Henry (Ewan Mc Gregor), Maria (Naomi Watts – jaja, besonders spanisch sehen sie nicht aus, aber Antonio Banderas, Javier Bardem und Penélope Cruz waren gerade anderweitig beschäftigt) und ihre drei Söhne Lucas (Tom Holland), Simon (Oaklee Pendergast) und Thomas (Samuel Joslin) fliegen nach Thailand. Die englische, in Japan lebende Familie will ihren Weihnachtsurlaub in einem noblen Ferienressort verbringen, als die Flutwelle des Tsunamis alle Urlaubspläne zunichte macht.

Maria und Lucas werden in das Landesinnere gespült. Sie verletzt sich am Bein und hilfsbereite Einheimische bringen sie in ein Lazarett. Dort wartet die Ärztin auf die Operation, die zu einer Amputation ihres Beines führen könnte, während Lucas versucht, sich nützlich zu machen.

Währenddessen sucht Henry mit Simon und Thomas seine Frau und seinen dritten Sohn. Zusammen mit anderen Urlaubern, die ebenfalls ihre Angehörigen suchen, machen sie sich auf den Weg.

Diese Familienzusammenführung wird von Juan Antonio Bayona in zwei großen Blöcken erzählt, die die Trennung der Familie betont. Denn solange wir das Schicksal von Maria und Lucas bis kurz vor der Vereinigung mit ihrem Mann und den beiden anderen Söhnen verfolgen (Okay, das kommt jetzt nicht wirklich überraschend), wissen wir nicht, was mit Henry, Simon und Thomas passiert ist.

Bei dem Melodrama spielt Byjona, dessen erster Spielfilm der erfolgreiche, mit Preisen und Lob überhäufte Horrorfilm „Das Waisenhaus“ war, immer wieder, allerdings eher störend, mit Horrorelementen und dem beliebten, aber hier vollkommen überflüssigen und unpassenden „Die Natur schlägt zurück“-Topos, das auch immer nach einer noch so banalen Erklärung verlangt.

Davon abgesehen liefert er eindrucksvolle Bilder von dem Tsunami, der alles unter sich begrabenden Flutwelle, den anschließenden Zerstörungen, dem Überlebenswillen und der Hilfsbereitschaft der Menschen. Dass dabei die Einheimischen nur als Staffage vorkommen ist der gewählten Geschichte, die den Überlebenswillen, familiäre Bindungen und den Humanismus huldigt, geschuldet.

The Impossible - Plakat

The Impossible (Lo imposible, USA/Spanien 2012)

Regie: Juan Antonio Bayona

Drehbuch: Sergio G. Sanchez (basierend auf der Geschichte von Maria Belon)

mit Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland, Samuel Joslin, Oaklee Pendeergast, Sönke Möhring, Geraldine Chaplin

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Impossible“

Metacritic über „The Impossible“

Rotten Tomatoes über „The Impossible“

Wikipedia über „The Impossible“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 31. Januar: I, Robot

Januar 31, 2013

Vox, 20.15

I, Robot (USA 2004, R.: Alex Proyas)

Drehbuch: Jeff Vintar, Akiva Goldsman

LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)

2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.

Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.

mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf

Wiederholung:  Freitag, 1.Februar, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „I, Robot“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über “I, Robot”

Rotten Tomatoes über „I Robot“

Homepage von Isaac Asimov

Ein hörenswertes (die Kamera ist etwas langweilig) Interview mit Isaac Asimov, in dem er auch die drei Robotergesetze (und vieles anderes) erklärt


DVD-Kritik: Die guten Polizisten von „Flashpoint“ sind zurück

Januar 30, 2013

In den meisten Krimis dürfen die Jungs vom SEK oder dem SWAT-Team nur kurz anrücken und dann weitgehend dumm, aber in voller Montur, in der Landschaft herumstehen, während der tapfere Kommissar mit seinem heroischen Einsatz, abseits jeglicher Dienstvorschriften und Vernunft, den Täter überwältigt. Und, gerade in deutschen Krimis, ist von Teamarbeit zwischen verschiedenen Einheiten und Abteilungen in der Polizei wenig bis nichts zu sehen. Außer natürlich den Gesprächen mit dem Gerichtsmediziner, der auch gleich die gesamte Spurensuche und sonstige lästige, anfallende Arbeiten erledigt. Alle anderen sind mehr oder weniger doofe Trottel, die vor allem deshalb im Bild herumhängen, um die Genialität des Kommissars zu bestätigen.

Nun, in der kanadischen Krimiserie „Flashpoint“ gibt es keine Gerichtsmediziner. Denn in der TV-Serie wird von der Arbeit des dortigen SEKs, der Stratetic Response Unit (SRU) erzählt, die in Toronto bei Geiselnahmen, Amokläufen und sonstigen unklaren, aber gefährlichen Situationen eingreifen müssen. Dabei versuchen sie, die Situation friedlich zu lösen und sie wollen herausfinden, warum der Täter seine Tat begeht. Immerhin haben sie dann die Möglichkeit, ihn zur Aufgabe zu bewegen.

Geleitet wird die Einheit von Sergeant Greg Parker (Enrico Colantoni) und Ed Lane (Hugh Dillon). In dem Team sind Mike Scarlatti (Sergio Di Zio), Kevin ‚Wordy‘ Wordsworth, der die Einheit aufgrund gesundheitlicher Probleme verlässt (Michael Cram), Jules Callaghan (Amy Jo Johnson), Sam Braddock (David Paetkau) und, ab „Ein Tag im Leben“, der Neuzugang Raf Rousseau (Clé Bennett). Und weil die Einheit am besten als Team funktioniert, in dem jeder seine Stärken hat, haben wir in den ersten Folgen auch wenig privates über sie erfahren. Das ändert sich in der vierten und fünften Staffel der Serie, die die Folgen 32 bis 53 enthalten und jetzt auf DVD vorliegen. Ob das an dem Erfolg der kanadischen Serie im US-TV liegt, der immerhin zu einer Partnerschaft mit dem US-Sender CBS führte, oder einfach an der zunehmenden Zahl von Folgen liegt, weiß ich nicht. Jedenfalls erfahren wir jetzt mehr Details aus dem Privatleben der SRU-Mitglieder, sie sind öfter (aber noch nicht in einem störendem Maß) auch persönlich in die Fälle involviert und gegen Ende gibt es oft noch die überraschende Wendung, die wir aus den US-Krimis kennen (also, wenn nach etwa dreißig Minuten die CSIler feststellen, dass der Täter doch nicht der Täter ist, alle Beweise wieder angesehen werden und dann der richtige Täter, den vorher niemand verdächtigte, überführt wird) und die hier oft etwas überflüssig wirkt. Immerhin haben die ersten drei „Flashpoint“-Staffeln gerade wegen des betont unspektakulären Erzählgestusses gefallen.

Aber das ist nur ein kleiner Einwand, gegen eine weiterhin vorzügliche Serie.

Die Staffeln…

Zum Abschluss noch ein Wort zur Staffelnummerierung: „Flashpoint“ lief zuerst erfolgreich im kanadischen TV, danach in den USA. Ebenfalls erfolgreich. Dort wurden die Folgen zwar auch chronologisch gezeigt, aber die Staffeln hatten eine andere Länge. Koch Media folgt bei der deutschen Veröffentlichung der kanadischen Staffeleinteilung, vergibt aber für jede DVD-Box eine eigene Nummer. Danach sieht die Einteilung so aus:

Deutsche Staffel 1 entspricht der ersten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 1 bis 13.

Deutsche Staffel 2 entspricht der ersten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 14 bis 22.

Deutsche Staffel 3 entspricht der zweiten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 23 bis 31.

Deutsche Staffel 4 entspricht der dritten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 32 bis 44.

Deutsche Staffel 5 entspricht der ersten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 45 bis 54, aber ohne Folge 52 (Grounded).

Die für den 22. März 2013 angekündigte sechste „Flashpoint“-Staffel enthält dann, dieser Logik folgend, die zweite Hälfte der vierten Staffel.

Und in der irgendwann erscheinenden siebten Staffel wären dann die dreizehn Folgen der finalen Staffel enthalten. Die 75. und letzte Episode wurde am 13. Dezember 2012 ausgestrahlt.

Flashpoint – Das Spezialkommando (Kanada, 2010/2011)

Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns) Clé Bennett (Rafik „Raf“ Rousseau)

Flashpoint - Staffel 4

Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 4

Koch Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 572,Minuten (13 Episoden auf 4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Einsätze der SRU in der vierten Staffel

Bedingungslose Liebe (Unconditional Love, Episode 32)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Durchtrennte Bande (Severed Ties, Episode 33)

Regie: Holly Dale

Drehbuch: Treena Hancock, Melissa R. Byer

Die falschen Freunde (Follow the Leader, Episode 34)

Regie: David Frazee

Drehbuch: James Hurst

Mit allen Mitteln (Whatever it takes, Episode 35)

Regie: Holly Dale

Drehbuch: Grame Manson

Allein unter Wölfen (The other Lane, Episode 36)

Regie: Erik Canuel

Drehbuch: Bobby Theore

Auf der Flucht (Jumping at Shadows, Episode 37)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Persönliche Motive (Acceptable Risk, Episode 38)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Pam Davis

Eine zweite Meinung (Collateral Damage, Episode 39)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Aaron Brindle

Dicker als Blut (Thicker than Blood, Episode 40)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Andrea Stevens

Terror (Terror, Episode 41)

Regie: Erik Canuel

Drehbuch: Melissa R. Byer, Treena Hancock

Keine Versprechungen (No Promises, Episode 42)

Regie: Charles Binamé

Drehbuch: Russ Cochrane

Die Informantin (I’d do anything, Episode 43)

Regie: Helen Shafer

Drehbuch: Pamela Davis, Boby Theore

Schwachstellen (Fault Lines – Part One, Episode 44)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Flashpoint - Staffel 5

Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 5

Koch Media

Bild: 1,7:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 361 Minuten (9 Episoden auf 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Einsätze der SRU in der fünften Staffel

Ein Team auf Bewährung (Personal Effects – Part Two, Episode 45)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Am falschen Ort (Good Cop, Episode 46)

Regie: John Fawcett

Drehbuch: Michael MacLennan

Flammender Ruhm (Run, Jaime, run, Episode 47)

Regie: Kelly Makin

Drehbuch: Ian Weir

Getrübte Erinnerungen (Through a Glass Darkly, Episode 48)

Regie: John Fawcett

Drehbuch: Andrew Wreggitt

Der Kopf des Drachen (The better Man, Episode 49)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Michael MacLennan

Ein Tag im Leben (A day in the Life, Episode 50)

Regie: Jim Donovan

Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern

Bombenalarm (Shockwave, Episode 51)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Larry Bambrick

Der Krieg im Innern (The War within, Episode 53)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Daniel Godwin, Michael MacLennan

Nur ein Geschäft (Th Cost of Doing Business, Episode 54)

Regie: David Frazee

Drehbuch: Larry Bambrick

Hinweise

CTV über die Serie

CBS über die Serie

RTL II über die Serie

Wikipedia über „Flashpoint“ (deutsch, englisch) und die ETF

Polizei von Toronto über die ETF

Running with my eyes closed: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (Oktober 2008, Teil 1, Teil 2)

Complications Ensue: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (21. Juli 2009)

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 1“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 2“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 3“


TV-Tipp für den 30. Januar: Departed – Unter Feinden

Januar 30, 2013

HR, 23.15

Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser).

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alex Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)


Cover der Woche

Januar 29, 2013

Woolrich - Der schwarze Pfad


TV-Tipp für den 29. Januar: Gas-Fieber

Januar 29, 2013

Arte, 20.15

Gas-Fieber (Fr 2012, R.: Lech Kowalski)

Drehbuch: Lech Kowalski

75-minütige Doku über das Fracking, die Förderung von Schiefergas mit gepressten Chemikalien und ihren Folgen für die Umwelt in Pennsylvania und Zurawlow, wo sich die polnischen Anwohner dagegen wehrten.

Wiederholungen

Samstag, 2. Februar, 10.25 Uhr

Mittwoch, 13. Februar, 9.55 Uhr

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über Lech Kowalski und das Fracking (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „Who killed Marilyn?“ und Warum verdrehte MM in Mouthe den Männern die Köpfe?

Januar 28, 2013

Krimiautor David Rousseau (Jean-Paul Rouve) fährt nach Mouthe, dem kältesten Ort in Frankreich, um eine Erbschaft zu erhalten. Die entpuppt sich als ausgestopfter Hund („weil er ihn immer so liebte“), die schnell im nächsten Mülleimer landet. Doch noch bevor er sich auf den Heimweg machen kann, hört er von einer Toten, die mitten im Niemandsland zwischen Frankreich und der Schweiz gefunden wurde und die uns schon in den ersten Filmminuten von ihrem Tod erzählte.

Rousseau sieht in ihrem Tod, den die Polizei sofort als Suizid deklariert, den Nukleus für seinen nächsten Roman und er beginnt in der Provinz über das Leben der Lokalschönheit Candice Lecoeur, geborene Martine Langevin (Sophie Quinton), zu recherchieren. Dabei bemerkt er schnell die vielen Parallelen zwischen Lecoeurs Leben und dem von Marilyn Monroe, geborene Norma Jeane Mortenson. Nicht nur, dass die beiden Frauen sich ähnlich sahen, sie starben auch im gleichen Alter unter mysteriösen Umständen. Aber während Marilyn Monroe mit dem Baseball-Spieler Joe DiMaggio und dem Dramatiker Arthur Miller verheiratet war und sogar eine Affäre mit John F. und Robert Kennedy hatte, reichte es bei der Lokalberühmheit, die auch das Gesicht für die Werbung einer Käserei ist, nur für entsprechende Affären auf provinzieller Ebene.

Gerade in dieser lässigen Verbindung zwischen den beiden Leben liegt der Reiz von „Poupoupidou“, so der verspielte Originaltitel. Denn Regisseur und Autor Gérald Hustache-Mathieu erzählt einen typisch französischen Krimi, der mit leicht seltsamen Charakteren und einer herrlich abstrus-glaubwürdigen Geschichte kurzweilig unterhält.

Who killed Marilyn?“ ist so gut, dass es schon ein kleines Rätsel ist, warum Hollywood sich noch nicht die Remakerechte gesichert hat.

Who killed Marilyn - DVD-Cover

Who killed Marilyn? (Poupoupidou, Frankreich, 2011)

Regie: Gérald Hustache-Mathieu

Drehbuch: Gérald Hustache-Mathieu, Juliette Sales (Mitarbeit)

mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix, Olivier Rabourdin, Clara Ponsot, Arsinée Khanjian, Eric Ruf

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1, DTS)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of (34 Minuten), Kinotrailer

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Französische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Who killed Marilyn?“

Rotten Tomatoes über „Who killed Marilyn?“

Wikipedia über „Who killed Marilyn?“

Das Kinoplakat

Who killed Marilyn - Plakat


Wer hat „Irgendwann gibt jeder auf“ gewonnen?

Januar 28, 2013

Stark - Irgendwann gibt jeder auf4

Die Verlosung ist rum, die Gewinner sind benachrichtigt und die Pakete sind bei der Post.

Rolf W. aus Erlangen

Mechthild H. aus Ingolsstadt

Tanja H. aus Wernberg-Köblitz

dürfen sich über ein Exemplar von Richard Starks tollem Parker-Gangsterthriller „Irgendwann gibt jeder auf“ freuen.

Die anderen müssen den Buchhändler ihres Vertrauens besuchen.

Der Kinostart der gelungenen Verfilmung „Parker“ von Taylor Hackford mit Jason Statham in der Hauptrolle ist am 7. Februar.

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000 (Hardcover)

Verfilmung

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte

Kinostart: 7. Februar 2013

Hinweise (ein gewisses Fantum ist unübersehbar)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

 


TV-Tipp für den 28. Januar: Die Abenteurer

Januar 28, 2013

Arte, 20.15

Die Abenteurer (Frankreich 1967, R.: Robert Enrico)

Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri

LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960

Roland (Lino Ventura) und Manu (Alain Delon) wollen zusammen mit ihrer Freundin Laetitia (Joanna Shimkus) vor der afrikanischen Küste einen Goldschatz heben. Aber sie sind nicht die einzigen Glücksjäger.

Die Abenteurer“ ist ein feiner Film, ein Kassenhit, ein Klassiker des französischen Kinos und eine zeitlose Liebeserklärung an die Träumer und die Freundschaft. Immer wieder ein Vergnügen

mit Lino Ventura, Alain Delon, Joanna Shimkus, Serge Reggiani, Paul Crauchet, Hans Meyer

Wiederholung: Freitag, 1. Februar, 13.55 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Die Abenteurer“ (deutsch, französisch)

Arte über “Die Abenteurer”

Meine Besprechung von Robert Enricos „Die Abenteurer“ (Les Aventuriers, Frankreich 1967)

Kriminalakte über José Giovanni, Alain Delon und Lino Ventura

 


Neu im Kino/Filmkritik: Was zur Hölle ist „Movie 43“?

Januar 27, 2013

Die Besetzung macht neugierig. Wann gab es zuletzt einen Film mit einer solchen Stardichte? Kate Winslet, Hugh Jackman, Uma Thurman, Gerard Butler, Halle Berry, Richard Gere, Emma Stone, Johnny Knoxville, Chloe Moretz, Liev Schreiber, Elizabeth Banks, Kristen Bell, Chris Pratt, Terence Howard sind dabei. Und viele andere.

Allerdings ist „Movie 43“ nicht von einem Regisseur, sondern von 12 Regisseuren inszeniert und solche Episodenfilme sind immer ein gemischtes Vergnügen. Es gibt immer wieder brillante Episoden, aber meistens sind die Kurzfilme nicht weiter interessant und in den Filmographien der Regisseure erhalten sie oft noch nicht einmal den Status eines Nebenwerkes. Die meisten Episodenfilme sind auch schneller vergessen, als sie den Kinosaal verlassen.

Und wenn man weiß, dass der, hm, kreative Kopf hinter „Movie 43“ Peter Farelly ist, der auch mehrere Episoden drehte, dann kann man sich schon denken, in welche Richtung es geht. Immerhin inszenierte Farelly „Dumm und Dümmer“, „Verrückt nach Mary“, „Schwer verliebt“ und zuletzt „Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab“.

Als Rahmenhandlung dachte Farelly sich die Geschichte von drei Jungs aus, die im Internet nach dem gefährlichen, entsprechend geheimen und schwer auffindbarem Film „Movie 43“ suchen (In der US-Fassung ist diese Rahmenhandlung durch den Pitch eines durchgeknallten Drehbuchautors in einem Hollywoodstudio ersetzt worden). Dabei entdecken die drei vor- und pubertierenden Jungs verschiedene Kurzfilme, die lose aneinandergereiht werden. Einige der Sketche sind gelungener, aber oft ist die Pointe schwach und der Humor zielt zuverlässig unter die Gürtellinie. Letztendlich reiht sich eine Zote an die nächste, man lacht durchaus manchmal über die absurden Einfälle, langweilt sich aber die meiste Zeit. Vor allem weil die guten „Gags“ am Anfang sind: wenn Kate Winslet Hugh Jackman zum Abendessen trifft und feststellen muss, dass er seinen Hodensack unter dem Kinn hat (das ist so absurd, dass es schon wieder witzig ist. Obwohl Loriot nur eine Nudel für eine ähnlich peinliche Situation benötigte) oder wenn Liev Schreiber und Naomi Watts stolz ihren neuen Vorstadtnachbarn erzählen, dass sie ihren Sohn zu Hause erziehen und ihm selbstverständlich keine der Peinlichkeiten des Teenagerlebens ersparen. Beide Sketche haben nach dem gelungenen Set-Up allerdings keine oder nur eine sehr schwache Pointe.

Die weiteren Zoten plätschern dann, abgesehen von der Besetzung, auf dem bekannten witzlosen TV-Comedy-Niveau, das wir aus dem deutschen Privat-TV kennen, vor sich hin.

Movie 43 - Plakat4

Movie 43 (Movie 43, USA 2013)

Regie: Steven Brill, Peter Farrelly, Will Graham, Steve Carr, Griffin Dunne, James Duffy, Jonathan Van Tulleken, Elizabeth Banks, Patrik Forsberg, Brett Ratner, Rusty Cundieff, James Gunn

Drehbuch: Will Carlough, Tobias Carlson, Jacob Fleisher, Patrick Forsberg, Will Graham, James Gunn, Claes Kjellström, Jack Kukoda, Bill O’Malley, Matthew Portenoy, Greg Pritikin, Rocky Russo, Olle Sarri, Elizabeth Shapiro, Jeremy Sosenko, Jonathan Van Tulleken, Jonas Wittenmark

Darsteller (ungefähr in der Reihe ihres Auftretens): Kate Winslet, Hugh Jackman, Liev Schreiber, Naomi Watts, Jeremy Allen White, Chris Pratt, Anna Faris, J. B. Smoove, Emma Stone, Kieran Culkin, Jason Sudeikis, Justin Long, Leslie Bibb, Uma Thurman, Kristen Bell, Bobby Cannavale, John Hodgman, Halle Berry, Stephen Merchant, Nicole Polizzi, Gerard Butler, Johnny Knoxville, Seann William Scott, Richard Gere, Kate Bosworth, Jack McBrayer, Aasif Mandvi, Chloe Grace Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Patrick Warburton, Jimmy Bennett, Elizabeth Banks, Josh Duhamel, Terrence Howard

Länge; 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (Freigabebegründung)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Movie 43“

Metacritic über „Movie 43“

Rotten Tomatoes über „Movie 43“

Wikipedia über „Movie 43″


TV-Tipp für den 27. Januar: Bullitt

Januar 27, 2013

Arte, 20.15

Bullitt (USA 1968, R.: Peter Yates)

Drehbuch: Alan Trustman, Harry Kleiner

LV: Robert L. Pike (Pseudonym von Robert L. Fish): The mute witness, 1963 (später “Bulitt”)

Lieutenant Bullitt soll einen Mafia-Kronzeugen bewachen. Als dieser umgebracht wird, beginnt Bullitt die Täter zu suchen.

In die Filmgeschichte ging Bullitt wegen seiner zwanzigminütigen Autoverfolgungsjagd durch San Francisco ein (andere Quellen nennen elf oder zwölf Minuten; jedenfalls für damalige Verhältnisse: verdammt lang). An der Kinokasse war der Film besonders wegen der Besetzung erfolgreich: Steve McQueen und Jacqueline Bisset. – Inzwischen hat „Bullitt“ mächtig Patina angesetzt: die Story ist wirklich simpelst, die Kamera von einer unerträglichen Glätte und, seitdem eine Autoverfolgungsjagd zum Inventar eines Polizeifilms (und selbstverständlich eines Action-Films) gehört, ist die „Bullitt“-Verfolgung auch nicht mehr so sensationell.

Das Drehbuch von Alan Trustman und Harry Kleiner erhielt einen Edgar als bestes Spielfilmdrehbuch.

Im Anschluss zeigt Arte um 22.05 Uhr die spielfilmlange Doku „Steve McQueen – Leidenschaftlich cool!“ (USA 2005, Regie: Mimi Freedman).

Mit Steve McQueen, Robert Vaughn, Jacqueline Bisset, Don Gordon, Robert Duvall, Simon Oakland

Wiederholung: Mittwoch, 30. Januar, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Bullitt“

Wikipedia über „Bullitt“ (deutsch, englisch)

Mein Nachruf auf Peter Yates


Neu im Kino/Filmkritik: Dustin Hoffman lässt in seinem Regiedebüt ein „Quartett“ auftreten

Januar 26, 2013

In den Siebzigern versuchte Dustin Hoffman sich schon einmal als Regisseur. Der damalige Versuch, „Stunde der Bewährung“ (Straight Time, USA 1978, nach einem Roman von Edward Bunker), wurde von ihm schon während der Dreharbeiten abgebrochen. Ulu Grosbard übernahm die Regie und es entstand ein teilweise packendes, noirisches Krimidrama, das kaum jemand kennt. Der nächste Versuch, „Tootsie“ (USA 1982), wurde noch vor dem Beginn der Dreharbeiten abgebrochen. Sidney Pollack übernahm die Regie. Die Dreharbeiten waren wohl sehr anstrengend. Der Film war ein Erfolg und Dustin Hoffman wurde für den Oscar nominiert.

Danach wollte er sich zwar ein weiteres Mal als Regisseur versuchen, aber er hatte, nach diesen Erfahrungen und weil er als Zauderer und Perfektionist bekannt ist, Angst vor einem weiteren Versuch.

Jetzt überzeugten ihn seine Frau Lisa und sein Agent mit sanfter Gewalt, so Hoffman in einem Porträt von Christoph Amend (Zeit Magazin), die Regie bei „Quartett“ zu übernehmen und er besiegte seine Angst mit dieser herzigen Geschichte über ein Altersheim, in dem Musiker ihre letzten Lebenstage verbringen. Sie machen Hausmusik, pflegen ihre Zipperlein und Cedric Livingstone (Michael Gambon) bereitet die alljährliche Gala zu Verdis Geburtstag, die auch die weitere Existenz der Seniorenresidenz „Beecham House“ sichern soll, vor. Unter den vielen Musikern schälen sich schnell Reggie (Tom Courtenay), der immer für einen anzüglichen Spruch bereite Wilf (Billy Connolly) und die hilfsbereite, an Demenz im Anfangsstadium leidende Cissy (Pauline Collins) als zentrale Charaktere der luftigen Geschichte heraus.

Durch die Ankunft der berühmten Sopranistin Jean Horton (Maggie Smith), die nie wieder singen will, wird der Alltagstrott von „Beecham House“ gestört. Die Diva war vor vielen Jahren kurz mit Reggie verheiratet. Seitdem wechselten sie kein Wort mehr miteinander und vermieden es, in der gleichen Stadt zu leben.

In der mondänen Residenz und der beschaulichen englischen Landschaft kommen sie sich allerdings wieder näher und, weil „Beecham House“ kurz vor der Pleite steht, könnte ein gemeinsamer Auftritt von Reggie, Wilf, Cissy und Jean, die vor Jahrzehnten, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, mit einer Aufnahme von Verdis Oper „Rigoletto“, insbesondere dem Quartett „Bella figlia dell‘ amore“, in die Musikgeschichte eingingen, auf der alljährlichen Verdi-Gala für ein volles Haus und einen entsprechenden Geldsegen sorgen. Also versuchen Cissy, Wilf und Reggie Jean von einem gemeinsamen Auftritt zu überzeugen.

Dustin Hoffmans Regiedebüt ist gediegenes Schauspielerkino, das mit pointierten Dialogen und Weisheiten kurzweilig unterhält. Geliefert werden die Pointen von einem hochkarätigen Ensemble, das aus vielen, in jeder Beziehung spielfreudigen Sängern, Musikern und Theaterschauspielern, deren Karrierehöhepunkte im Filmabspann genannt werden, besteht. Sie zeigen, dass Alter vielleicht nichts für Feiglinge und Weicheier ist, aber es ist auch nichts für Meckerfritzen, Spielverderber und Schwarzseher. Denn man kann immer noch etwas Sinnvolles tun.

Und man verlässt nach diesem kurzweiligen und sehr britischem Potpourri das Kino mit einem Lächeln, einem guten Gefühl und dem festen Vorsatz, die Oper zu besuchen. Denn die ist, wie Reggie einer Schulklasse erklärte, gar nicht so steif wie man glaubt und die Sänger drücken ihre Gefühlen, wie HipHopper, mit ihrem Gesang aus.

Quartett - Plakat4

Quartett (Quartet, UK 2012)

Regie: Dustin Hoffman

Drehbuch: Ronald Harwood

LV: Ronald Harwood: Quartet, 1999 (Theaterstück)

mit Maggie Smith, Tom Courtenay, Billy Connolly, Pauline Collins, Michael Gambon, Gwyneth Jones, Sheridan Smith, Andrew Sachs

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Quartett“

Metacritic über „Quartett“

Rotten Tomatoes über „Quartett“

Wikipedia über „Quartett“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Als drogensüchtiger Bruchpilot mit „Flight“ in Richtung Oscar

Januar 26, 2013

Wenn Sie nach dem Trailer jetzt einen packenden Gerichtsthriller, vielleicht mit etwas Medien- und Kapitalismuskritik erwarten, dann werden sie mit „Flight“ wenig anfangen können. Denn Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft, Forrest Gump, Cast Away) erzählt nach einem Drehbuch von John Gatins (Coach Carter, Real Steel) die Geschichte von Whip Whitaker (Denzel Washington), der als Flugzeugkapitän zwar eine fluguntaugliche, vollbesetzte Maschine so landen kann, dass nur sechs der einhundertzwei Passagiere und Crewmitglieder sterben. Er wird zum Held des Tages. Dummerweise hatte er bei dem Flug auch immense Mengen Drogen im Blut. Wie fast immer. Denn Whip ist Alkoholiker – und die Filmgeschichte dreht sich um sein Leben: seine Versuche mit der drogensüchtigen Nicole Maggen (Kelly Reilly), die er nach dem Flugzeugabsturz im Krankenhaus kennen lernt, von seiner Sucht loszukommen, seinen Rückfällen und seiner Selbstgerechtigkeit.

Das wird dann, durchgehend gut gespielt (wobei Denzel Washington etwas zu sehr auf den Oscar schielt), handwerklich sauber, vor allem an Ende ordentlich schmalzig und kein Alkoholikerklischee auslassend (aber immerhin mit einigen Auftritten von John Goodman als Whips lässiger Drogenhändler mit dudehafter Lebowski-Attitüde), nach den bewährten dramaturgischen Regeln auf gut hundertvierzig Minuten ausgewalzt.

Nur hätte man dieses Alkoholikerdrama auch ohne den Flugzeugabsturz erzählen können. Denn über diese spektakuläre Aktion, die im Zentrum der Werbung für den Film steht und von einem ähnlichen Vorfall inspiriert ist, und wie der Absturz danach von den zuständigen Stellen aufgearbeitet wird, wie Whip zu einem Spielball unterschiedlicher Interessen, die im Film weitgehend diffus bleiben, wird, hätte man gerne mehr erfahren. Aber diese Probleme lösen sich, dank des Geschicks von Strafverteidiger Hugh Lang (Don Cheadle, gut wie immer, aber mit zu wenig Filmzeit), schnell in Luft auf und Whip könnte am Ende von der Öffentlichkeit weiterhin als nicht-geläuterter Held gefeiert werden.

Aber eben jenes Gerichtsdrama wird nicht erzählt.

Stattdessen gibt es ein überlanges Alkoholikerdrama, das, um nur einen Film zu nennen, im Schatten von Billy Wilders mit vier Oscars ausgezeichnetem, vierzig Minuten kürzerem Alkoholikerdrama „Das verlorene Wochenende“ (The lost Weekend, USA 1945) steht.

Flight - Plakat4

Flight (Flight, USA 2012)

Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: John Gatins

mit Denzel Washington, Don Cheadle, Kelly Reilly, John Goodman, Bruce Greenwood, Melissa Leo, Brian Geraghty, Tamara Tunie, James Badge Dale

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Flight“

Metacritic über „Flight“

Rotten Tomatoes über „Flight“

Wikipedia über „Flight“ (deutsch, englisch)

Bonus

Billy Wilders „The lost Weekend“ (USA 1945)


TV-Tipp für den 26. Januar: Teufel in Blau

Januar 26, 2013

ZDFneo, 22.30

Der Teufel in Blau (USA 1995, R.: Carl Franklin)

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Hinweise

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Walter Mosleys neue Kriminalromane erscheinen inzwischen bei Suhrkamp.


Neu im Kino/Filmkritik: Steven Spielbergs hochgejubelter Langweiler „Lincoln“

Januar 25, 2013

Vielleicht gibt es irgendwann eine längere Fassung, die alle Probleme von Steven Spielbergs Biopic „Lincoln“ beseitigt. Vielleicht hilft die Einleitung, die es jetzt außerhalb der USA für den Film geben soll. Oder man wirft vor dem Kinobesuch einen Blick in die einschlägigen Geschichtsbücher oder, wenn es schnell gehen soll, liest bei Wikipedia vor allem die Einträge zu Abraham Lincoln, Bürgerkrieg und dem 13. Verfassungszusatz durch. Dann weiß man schon in groben Zügen, was in dem Biopic über die letzten vier Monate im Leben von Abraham Lincoln, unter besonderer Berücksichtigung des Januar 1865, geschah und hat vielleicht einen anderen Blick auf dieses hochkarätig besetzte und schon jetzt mit Nominierungen überschüttete Werk.

Aber bis dahin kann ich nur über die Version von „Lincoln“ sprechen, die ich – gottseidank – in der deutschen Fassung gesehen haben. Denn sonst wäre ich wahrscheinlich, vollkommen verwirrt von den vielen Politikern, die mir nichts sagten, ihren endlosen Diskussion über verschiedene Parteigrenzen hinweg (Republikaner? Demokraten? Konföderierte? Abolitionisten? Whatthefuck?) über ein anscheinend superwichtiges Gesetz von dem ich noch nie gehört habe, und Abraham Lincolns (Daniel Day-Lewis) problematischer Beziehung zu seiner Frau Mary Todd (Sally Field) und seinem Sohn Robert (Joseph Gordon-Levitt), der unbedingt in den Krieg ziehen möchte, schnell sanft entschlummert. Es dauert jedenfalls sehr lange, bis deutlich wird, dass „Lincoln“ erzählen möchte, wie es in der Endphase des Bürgerkriegs dem US-Präsidenten, auch indem er die Verfassung dehnte und vielleicht sogar überschritt (jedenfalls sagt Lincoln das einmal, aber ob das so ist, kann ich nicht beurteilen), innerhalb eines Monats gelang, während der er auch alle Bemühungen für einen Friedensschluss zwischen den Nord- und Südstaaten blockierte, eine Mehrheit für die Abstimmung im Kongress am 31. Januar 1865 beschaffen zu lassen für jenen 13. Zusatzartikel zur Verfassung, der die Sklaverei abschaffte.

Und einiges von der Hinterzimmerpolitik ist dann auch durchaus interessant. Aber in den über 145 Sprechrollen gehen auch potentiell interessante Charaktere und ihre Probleme unter. So ist Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones), der als mächtiger Abgeordneter für die Abschaffung der Sklaverei streitet, eine interessante Figur, die aber in dem Film zu wenig Raum bekommt. Oder die von Lincolns Außenminister William Henry Seward (David Strathairn) engagierten drei Problemlöser (John Hawkes, James Spader, Tim Blake Nelson), die mit Geld und Posten Wackelkandidaten überzeugen sollen. Selbstverständlich darf es zwischen ihnen und Lincoln keine Verbindung geben. Oder die vielen Abgeordneten, die für die notwendige verfassungsändernde Mehrheit überzeugt werden sollen, entgegen ihrer Überzeugung und der Parteilinie abzustimmen. Das wären echte Konflikte, die einen, wie in „Schindlers Liste“, in die Geschichte involviert hätten.

Aber nein. Für diese Charaktere und ihre Konflikte ist keine Zeit vorhanden, weil Abraham Lincoln als Märchenonkel wieder einmal eine Geschichte erzählen darf und wir verbringen dann viel zu viel Zeit mit der uninteressantesten Figur des gesamten Films. Denn Lincoln will nur die Sklaverei endgültig abschaffen, zweifelt nie daran, lässt andere Leute die Arbeit erledigen und sogar bei der Abstimmung ist er nicht dabei. Er sitzt im Weißen Haus und wartet auf das Ergebnis, während wir zusehen, wie irgendwelche Männer dem Verfassungszusatz zustimmen oder ihn ablehnen.

Das will dramatisch sein, aber gerade im Vergleich mit „Hannah Arendt“ (Sehbefehl!) ist „Lincoln“ nur bieder-staubiges, humorlos-ernsthaftes, kammerspielartiges Schulfernsehen, das an seiner Bedeutungsschwere erstickt und einen ohne historisches Hintergrundwissen gelangweilt-ratlos zurück lässt.

Lincoln - Plakat mit Oscar

Lincoln (Lincoln, USA 2012)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Tony Kushner

LV: Doris Kearns Goodwin: Team of Rivals: The political Genius of Abraham Lincoln, 2005

mit Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Strathairn, Tommy Lee Jones, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, John Hawkes, Jackie Earle Haley, Bruce McGill, Tim Blake Nelson , Jared Harris, Gloria Reuben, Walton Goggins , David Oyelowo, Lukas Haas, Gregory Itzin, S. Epatha Merkerson

Länge: 151 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lincoln“

Metacritic über „Lincoln“

Rotten Tomatoes über „Lincoln“

Wikipedia über „Lincoln“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 25. Januar: Driver

Januar 25, 2013

Das Vierte, 20.15

Driver (USA 1979, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill

Die einfache Story des Neo-Noirs: Ein Polizist will einen Fluchtwagenfahrer schnappen. Dabei scheut er auch nicht vor illegalen Methoden zurück.

„The Driver is the ultimate urban thriller.“ (Philip French, Radio Times)

Hill lässt seine existenzialistische Geschichte hauptsächlich im nächtlichen Los Angeles spielen, die Charaktere haben keine Namen, reden wenig und die Action-Szenen (natürlich vor allem in zu schnell fahrenden Autos) beanspruchen einen großen Teil von Walter Hills zweitem Film. Nach „Driver“, „Die Warriors“, „Long Riders“ und „Die letzten Amerikaner“ wurde er als wichtigster Action-Regisseur der achtziger Jahre gehandelt. Und dann kam „Nur 48 Stunden“.

Nach einer langen Pause ist Walter Hill mit dem rundum gelungenen Old-School-Action-Thriller „Shootout – Keine Gnade“ (Bullet to the Head, mit Sylvester Stallone und Sung Kang) ab dem 7. März wieder zurück im Kino.

Mit Ryan O’Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley

Wiederholung: Samstag, 26. Januar, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

IGN über Walter Hill

Wikipedia über Walger Hill (deutsch, englisch)

Walter Hill in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Mit „Frankenweenie“ kehrt Tim Burton zu seinen Anfängen zurück

Januar 24, 2013

1984 drehte Tim Burton, als Angestellter bei Disney, den Kurzfilm „Frankenweenie“ mit Schauspielern, wie Shelley Duvall, und Tricksequenzen. Er wollte wohl schon damals einen Spielfilm drehen, bekam aber nur das Geld für einen Kurzfilm, der als Vorfilm von „Pinocchio“ (USA 1940) gezeigt werden sollte und der letztendlich zu düster für das typische, kindliche Disney-Publikum war.

Damit endete seine Karriere bei Disney und nach dem tollen Gesellenstück „Frankenweenie“, das schon alle Zutaten für einen typischen Tim-Burton-Film enthält, drehte er „Pee-Wees irre Abenteuer“, eine kommerziell erfolgreiche Fingerübung, und Filme wie „Beetlejuice“ und „Edward mit den Scherenhänden“, die heute als typische Tim-Burton-Filme bekannt sind und viele Ideen von „Frankenweenie“ in Farbe fortführten.

Jetzt durfte er, mit Geld von Disney, eine spielfilmlange Version von „Frankenweenie“ drehen, die die damalige Geschichte mit mehreren Charakteren und Subplots und detaillierteren Szenen ausführlicher erzählt. Er drehte wieder in Schwarz-Weiß, was aber die Farbigkeit des Films erhöht und die als eine wichtige Inspirationsquelle dienenden Universal-Horrorfilmklassiker aus den dreißiger und vierziger Jahren sind ja auch SW-Filme. Aber dieses Mal inszenierte er „Frankenweenie“ als Stop-Motion-Film, wie „The Nightmare before Christmas“ und „Tim Burton’s Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ (ebenfalls nach einem Drehbuch von John August), die ja zu seinen besten Filmen gehören, und, er drehte in 3D, was gerade in Verbindung mit Schwarz-Weiß und Stop-Motion, das Filmerlebnis intensiviert und dem Film wirklich eine zusätzliche Dimension verleiht.

Wer den Original-“Frankenweenie“ kennt, kennt die Geschichte des neuen „Frankenweenie“. Und wer James Whales Horrorfilmklassiker „Frankenstein“ (USA 1931) und „Frankensteins Braut“ (Bride of Frankenstein, USA 1935) kennt, wird die Geschichte und über die Hälfte der filmischen Referenzen leicht erkennen. Für die anderen hilft ein Blick auf entsprechende Monsterfilme und in Burtons Werk.

Jedenfalls verliert in beiden „Frankenweenie“-Filmen der junge Victor Frankenstein, ein begeisterter Hobbyfilmer und Bastler, seinen Hund Sparky und, nach einem Tipp von seinem Lehrer, dass mit Elektrizität Tote reanimiert werden können (okay, es ist nur ein durch Stromschläge zuckendes Froschbein, aber die Forscherneugier ist geweckt und, Hey, was erwarten wir von einem Frankenstein?), beginnt Frankenstein auf dem Dachboden mit seinem Experiment. Während eines Gewitters kann er Sparky wiederbeleben und der Trouble beginnt. Denn Sparky, der in jeder Beziehung ausläuft, bleibt nicht auf dem Dachboden, sondern erkundet die Gegend und wird von den Vorstadt-Bewohnern, die ihn für ein Monster halten, gesehen. Und das Ende ist, wie schon in James Whales „Frankenstein“, in einer brennenden Mühle.

Aber weil Tim Burton für sein „Frankenweenie“-Remake über eine Stunde mehr Zeit hat, kann er noch eine Liebesgeschichte zwischen Sparky und der im Nachbarhaus wohnenden Pudeldame Persephone (siehe „Frankensteins Braut“), etliche von Frankensteins Schulkameraden, wie Edgar „E“ Gore, die von seinem Experiment erfahren und ebenfalls tote Tiere zum Leben erwecken wollen (allerdings bei ihnen mit fatalen Folgen), Elsa van Helsing, der nebenan wohnenden Schulkameradin und Herrin von Persephone, und den Bürgermeister von New Holland, der auch passenderweise Mr. Burgemeister heißt und der als Nachbar der Frankensteins peinlich genau auf die Ordnung und Sauberkeit in dieser typisch US-amerikanischen Vorstadt New Holland achtet, einführen. Und über den Lehrer, der Frankenstein zu seinem Experiment mit der Wiederbelebung von Sparky verleitet, erfahren wir mehr. Dieser aus Osteuropa kommendem Wissenschaftslehrer Mr. Rzykruski (im Original von Martin Landau gesprochen und auch deutlich nach ihm modelliert) ist ein von der Naturwissenschaft überzeugter Mann, der seine Schüler zu rationalen, neugierigen und weltoffenen Menschen erziehen will, aber an den kleinbürgerlich-engstirnigen New-Holland-Bewohnern, die alles Neue ablehnen, scheitert.

Das ist ein großer Spaß, bei dem Tim-Burton-Fans viele Reminiszenzen an seine älteren Werke entdecken können, Filmfans in Erinnerungen schwelgen dürfen und Jüngere den Film als Sprungbrett für eigene Filmerkundungen nutzen sollten.

Außerdem gehört „Frankenweenie“, zu Tim Burtons besten Filmen und ist in jeder Sekunde tausendmal lebendiger als sein letzter Film „Dark Shadows“, der wie ein geschlurfter Gang durch ein Wachsfigurenkabinett wirkte.

P1.43 (120162_B - Domestic Payoff Poster)

Frankenweenie (Frankenweenie, USA 2012)

Regie: Tim Burton

Drehbuchbuch: John August

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Frankenweenie“

Metacritic über „Frankenweenie“

Rotten Tomatoes über „Frankenweenie“

Wikipedia über „Frankenweenie“ (deutsch, englisch)

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts „The Nines“

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es zwei Versionen des Drehbuchs von „Frankenweenie“.)

Frankenweenie - Teaser

Frankenweenie“ ist „besonders wertvoll“, weil

Burton kehrt (…) auf wunderbare Weise zu seinen Wurzeln zurück. FRANKENWEENIE sprüht vor witzigen Ideen und raffinierten Anspielungen auf Klassiker des Horrorfilms. Wie immer bei Burton sind die Figuren liebenswerte Außenseiter, die abseits der auf Einheit gebürsteten Gesellschaft stehen, und die der Zuschauer ganz schnell ins Herz schließt. Hochverdient besiegen am Ende doch Mut und Fantasie die konservative und brave Masse, für die Burton immer wieder kleine kreative Seitenhiebe übrig hat. In modernster Stop-Motion-Technik hergestellt, ist die Liebe zum Detail und die mühevolle Handarbeit der Künstler spürbar. Dazu kommt noch die berührende Musik von Burton Haus-Komponist Danny Elfman. Kein Film für ganz junge Zuschauer, doch für die Älteren ein zauberhaftes und unterhaltsames Animationsvergnügen.“ (Begründung der FBW)

Der Original-„Frankenweenie“ und, als Vorfilm, Tim Burtons „Vincent“, erzählt von Vincent Price:

 


TV-Tipp für den 24. Januar: Freiheit fürs Internet

Januar 24, 2013

3sat, 20.15

Freiheit fürs Internet (D 2012)

45-minütige Doku die zeigt, welches Potential in einem freien und unzensiertem Internet steckt – und warum Regierungen das nicht gut finden.

Ab 21.00 Uhr diskutiert „scobel“ über „Cyberwar: Das digitale Schlachtfeld“.

Weitere Infos zur Doku gibt es hier.


DVD-Kritik: Kriminelle Geschäfte in „Romanzo Criminale – Staffel 2“

Januar 23, 2013

In der ersten Staffel der italienischen Krimiserie „Romanzo Criminale“ verfolgten wir atemlos den Aufstieg einer Bande Kleinkrimineller zu den Königen von Rom. Am Ende der in den siebziger Jahren spielenden Geschichte wurde der Libanese, so etwas wie ihr unausgesprochener Chef der gleichberechtigten und daher ihre Entscheidungen kollektiv treffenden Bandenmitglieder, am 13. September 1980 auf offener Straße erschossen.

Die zweite und letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ schließt sich unmittelbar an die erste an. Freddo (Vinicio Marchioni), Dandi (Alessandro Roja), Scrocchia (Riccardo De Filippis) und Bufalo (Andrea Sartoretti), die überlebenden Köpfe der Bande, wollen herausfinden, wer Libano (Francesco Montanari) erschoss. Außerdem müssen sie die kriminellen Geschäfte weiterführen und ihre internen Konflikte lösen. Es geht also, nachdem in der ersten Staffel über elf packende Stunden eine Geschichte vom Aufstieg erzählt wurde, die sich letztendlich auf einen charismatischen Charakter konzentrierte, um die Verteidigung des Erreichten. Es geht um Stellungskämpfe, Freundschaft, Vertrauen, Misstrauen, Verrat und wechselnde Bündnisse. Insofern fehlt der zweiten, aus zehn etwa fünfzigminütigen Episoden bestehenden, Staffel die rohe Kraft der ersten Staffel. Es fehlt auch das alles einigende Kraftzentrum der ersten Staffel. Stattdessen stehen jetzt mehrere, gleichberechtigte Charaktere und ihre Versuche, ihr Verbrecherimperium zu erhalten und zu konsolidieren, im Mittelpunkt der Geschichte, die zwischen 1980, dem Tod des Libanesen, und 1989, dem Fall der Mauer und dem endgültigen Ende der Bande, nachdem sie bereits vier Jahre vorher in einem Megaprozess teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, spielt.

Dabei zeigen sich nach dem Mord an dem Libanesen in der ursprünglichen Blutsbrüderschaft der aus ärmlichen Verhältnissen kommenden Verbrecher immer mehr Brüche. Bufalo will unbedingt den Libanesen rächen und landet nach einem unbedachten Feuergefecht auf offener Straße im Gefängnis. Er hält Dandi, der ihm bei dem Schusswechsel nicht half, für einen Feigling und Verräter, den er unbedingt töten will. Dandi zögert zwar, Menschen zu töten, aber er zögert nicht, ein Angebot der Mafia anzunehmen. Er versucht sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen, indem er die Prostituierte Patrizia (Daniela Virgilio) heiratet und auch mit dem Vatikan Geschäfte macht.

Und Freddo versucht weiterhin die Bande zusammen zu halten und das Erbe von Libano zu bewahren. Dass er dabei Donatella (Giovanna Di Rauso) immer mehr vertraut und ihr wichtige Aufträge gibt, wird von den anderen Bandenmitgliedern nur widerwillig akzeptiert. Donatella ist dabei eine schillernde Figur mit fabelhaften Verbindungen, aber unklaren Loyalitäten.

Auf der anderen Seite des Gesetzes werden sie immer noch von Commissario Scialoja (Marco Bocci), der sich ebenfalls in Patrizia verliebt hat, verfolgt. In der letzten Episode der grandiosen Serie erhält er ein überraschendes Angebot.

Während die erste Staffel von „Romanzo Criminale“ knapp gesagt „Scarface“ war, ist die zweite Staffel „Es war einmal in Amerika“, mit einer ordentlichen Portion „Der Pate“ – und wenn man am Ende, nachdem die Loyalitäten und Freundschaften der einzelnen Charaktere immer wieder auf die Probe gestellt wurden, erlebt, wie eine Jugendfreundschaft endgültig verraten wird, dann echot das Ende von „Es war einmal in Amerika“ durch den Film.

Nachdem das Ende der ersten Staffel die alte Botschaft „Verbrechen lohnt sich nicht“ verkündete und das Mitleid mit dem Libanesen, der zunehmend herrischer, sprunghafter und drogensüchtig wurde, sich in Grenzen hielt, fragt die zweite Staffel, wie wichtig Freundschaft ist und wie sehr sie sich unter veränderten Bedingungen immer wieder anpassen muss. Weil man mit Freddo, Dandi, Scrocchia, Scialoja, Patrizia und sogar dem schon am Anfang der zweiten Staffel unberechenbarem, später zunehmend verrückt werdendem Bufalo mitfiebert, ist deshalb das Ende der zweiten Staffel von „Romanzo Criminale“, das auch einen Bogen zur allerersten Szene von „Romanzo Criminale – Staffel 1“ schlägt, viel deprimierender und düsterer als das Ende der ersten Staffel.

Und wenn man die ganze grandiose Serie ansieht (was man unbedingt tun sollte), erlebt man eine mitreisende, auf Tatsachen basierende Saga vom Aufstieg und Ende der römischen Magliana-Verbrecherbande, die als Vorbild für die Serie diente, und ihrer Verbindungen zur Mafia, Camorra und dem italienischen Staat, der sich immer wieder schützend vor sie stellte.

Romanzo Criminale - Staffel 2 - DVD-Cover

Romanzo Criminale – Staffel 2 (Romanzo Criminale, Italien 2010)

Regie: Stefano Sollima

Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Valenti, Paolo Marchesini, Giancarlo De Cataldo

LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)

mit Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi, Giovanna Di Rauso, Francesco Montanari (in Rückblenden und als Geist)

DVD

Edel

Bild: 19:9 (PAL)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 500 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Romanzo Criminale“ und über Giancarlo De Cataldo

Krimi-Couch über Giancarlo De Cataldo

Meine Besprechung von „Romanzo Criminale – Staffel 1“


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