Kurzkritik: Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben

Ani - Süden und das heimliche Leben

Obwohl Tabor Süden schon seit „Süden“ als Privatdetektiv arbeitetet, hat sich wenig geändert. Schon in der Vermisstenabteilung der Polizei suchte und fand er die Vermissten nicht mit Hilfe der Technik, sondern indem er ihren Leben nachlauschte und die Leute, die die Vermissten kannten, reden ließ. Gerne in einer Wirtschaft beim Bier. Als Privatdetektiv erledigt er seine Arbeit genau so.

Deshalb sitzt er am Anfang von „Süden und das heimliche Leben“ in der Wirtschaft von Dieter ‚Dieda‘ und Charlotte Nickl und hört den Stammkunden von „Charly’s Tante“ zu. Sie alle wollen, dass er ihre verschwundene Bedienung Ilka Senner findet. Alle haben sie gemocht und sie hätte demnächst sogar die Wirtschaft übernehmen sollen. Allerdings wusste auch niemand viel über die allein lebende Sechsundvierzigjährige.

Tabor Süden versucht herauszufinden, warum die unscheinbare Ilka verschwand. In ihrer Wohnung kommt er zur Überzeugung, dass sie ihr Verschwinden plante.

Süden und das heimliche Leben“ bewegt sich von der ersten bis zur letzten Seite auf vertrautem Ani-Terrain: es geht, wie immer, um die kleinen Leute und die Eckkneipen, in denen die Zeit anscheinend stehen geblieben ist. Entsprechend klein und vertraut sind die Gründe, weshalb die Vermissten aus ihrer vertrauten Umgebung verschwinden. Dabei lebten die Vermissten in den Süden-Romanen oft ein so unauffälliges Leben, dass ihr Verschwinden kaum auffällt. So ist Ilka, wie langjährig geschulte Krimileser vermuten könnten, keine untergetauchte Mörderin oder Terroristin oder eine von einem Stalker verfolgte Frau. Sie ist eine unscheinbare Frau, die sich in den vergangenen Jahrzehnten auch bemühte, ein entsprechend unauffälliges Leben zu führen.

Und Friedrich Ani verleiht diesen auf den ersten Blick unscheinbar-unauffälligen Menschen, die man im Linienbus sieht und schnell wieder vergisst, in seinen Geschichten eine Stimme.

Außerdem ist „Süden und das heimliche Leben“ ein handfester Krimi in denen Menschen versuchen, ihre Geheimnisse mit allen Mitteln zu schützen, sie falsche Namen benutzen und am Ende gibt es sogar einen Mord.

Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben

Knaur, 2012

208 Seiten

8,99 Euro

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Friedrich Ani in der Kriminalakte

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: