Neu im Kino/Filmkritik: Mit „Frankenweenie“ kehrt Tim Burton zu seinen Anfängen zurück

1984 drehte Tim Burton, als Angestellter bei Disney, den Kurzfilm „Frankenweenie“ mit Schauspielern, wie Shelley Duvall, und Tricksequenzen. Er wollte wohl schon damals einen Spielfilm drehen, bekam aber nur das Geld für einen Kurzfilm, der als Vorfilm von „Pinocchio“ (USA 1940) gezeigt werden sollte und der letztendlich zu düster für das typische, kindliche Disney-Publikum war.

Damit endete seine Karriere bei Disney und nach dem tollen Gesellenstück „Frankenweenie“, das schon alle Zutaten für einen typischen Tim-Burton-Film enthält, drehte er „Pee-Wees irre Abenteuer“, eine kommerziell erfolgreiche Fingerübung, und Filme wie „Beetlejuice“ und „Edward mit den Scherenhänden“, die heute als typische Tim-Burton-Filme bekannt sind und viele Ideen von „Frankenweenie“ in Farbe fortführten.

Jetzt durfte er, mit Geld von Disney, eine spielfilmlange Version von „Frankenweenie“ drehen, die die damalige Geschichte mit mehreren Charakteren und Subplots und detaillierteren Szenen ausführlicher erzählt. Er drehte wieder in Schwarz-Weiß, was aber die Farbigkeit des Films erhöht und die als eine wichtige Inspirationsquelle dienenden Universal-Horrorfilmklassiker aus den dreißiger und vierziger Jahren sind ja auch SW-Filme. Aber dieses Mal inszenierte er „Frankenweenie“ als Stop-Motion-Film, wie „The Nightmare before Christmas“ und „Tim Burton’s Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ (ebenfalls nach einem Drehbuch von John August), die ja zu seinen besten Filmen gehören, und, er drehte in 3D, was gerade in Verbindung mit Schwarz-Weiß und Stop-Motion, das Filmerlebnis intensiviert und dem Film wirklich eine zusätzliche Dimension verleiht.

Wer den Original-“Frankenweenie“ kennt, kennt die Geschichte des neuen „Frankenweenie“. Und wer James Whales Horrorfilmklassiker „Frankenstein“ (USA 1931) und „Frankensteins Braut“ (Bride of Frankenstein, USA 1935) kennt, wird die Geschichte und über die Hälfte der filmischen Referenzen leicht erkennen. Für die anderen hilft ein Blick auf entsprechende Monsterfilme und in Burtons Werk.

Jedenfalls verliert in beiden „Frankenweenie“-Filmen der junge Victor Frankenstein, ein begeisterter Hobbyfilmer und Bastler, seinen Hund Sparky und, nach einem Tipp von seinem Lehrer, dass mit Elektrizität Tote reanimiert werden können (okay, es ist nur ein durch Stromschläge zuckendes Froschbein, aber die Forscherneugier ist geweckt und, Hey, was erwarten wir von einem Frankenstein?), beginnt Frankenstein auf dem Dachboden mit seinem Experiment. Während eines Gewitters kann er Sparky wiederbeleben und der Trouble beginnt. Denn Sparky, der in jeder Beziehung ausläuft, bleibt nicht auf dem Dachboden, sondern erkundet die Gegend und wird von den Vorstadt-Bewohnern, die ihn für ein Monster halten, gesehen. Und das Ende ist, wie schon in James Whales „Frankenstein“, in einer brennenden Mühle.

Aber weil Tim Burton für sein „Frankenweenie“-Remake über eine Stunde mehr Zeit hat, kann er noch eine Liebesgeschichte zwischen Sparky und der im Nachbarhaus wohnenden Pudeldame Persephone (siehe „Frankensteins Braut“), etliche von Frankensteins Schulkameraden, wie Edgar „E“ Gore, die von seinem Experiment erfahren und ebenfalls tote Tiere zum Leben erwecken wollen (allerdings bei ihnen mit fatalen Folgen), Elsa van Helsing, der nebenan wohnenden Schulkameradin und Herrin von Persephone, und den Bürgermeister von New Holland, der auch passenderweise Mr. Burgemeister heißt und der als Nachbar der Frankensteins peinlich genau auf die Ordnung und Sauberkeit in dieser typisch US-amerikanischen Vorstadt New Holland achtet, einführen. Und über den Lehrer, der Frankenstein zu seinem Experiment mit der Wiederbelebung von Sparky verleitet, erfahren wir mehr. Dieser aus Osteuropa kommendem Wissenschaftslehrer Mr. Rzykruski (im Original von Martin Landau gesprochen und auch deutlich nach ihm modelliert) ist ein von der Naturwissenschaft überzeugter Mann, der seine Schüler zu rationalen, neugierigen und weltoffenen Menschen erziehen will, aber an den kleinbürgerlich-engstirnigen New-Holland-Bewohnern, die alles Neue ablehnen, scheitert.

Das ist ein großer Spaß, bei dem Tim-Burton-Fans viele Reminiszenzen an seine älteren Werke entdecken können, Filmfans in Erinnerungen schwelgen dürfen und Jüngere den Film als Sprungbrett für eigene Filmerkundungen nutzen sollten.

Außerdem gehört „Frankenweenie“, zu Tim Burtons besten Filmen und ist in jeder Sekunde tausendmal lebendiger als sein letzter Film „Dark Shadows“, der wie ein geschlurfter Gang durch ein Wachsfigurenkabinett wirkte.

P1.43 (120162_B - Domestic Payoff Poster)

Frankenweenie (Frankenweenie, USA 2012)

Regie: Tim Burton

Drehbuchbuch: John August

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Frankenweenie“

Metacritic über „Frankenweenie“

Rotten Tomatoes über „Frankenweenie“

Wikipedia über „Frankenweenie“ (deutsch, englisch)

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts „The Nines“

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es zwei Versionen des Drehbuchs von „Frankenweenie“.)

Frankenweenie - Teaser

Frankenweenie“ ist „besonders wertvoll“, weil

Burton kehrt (…) auf wunderbare Weise zu seinen Wurzeln zurück. FRANKENWEENIE sprüht vor witzigen Ideen und raffinierten Anspielungen auf Klassiker des Horrorfilms. Wie immer bei Burton sind die Figuren liebenswerte Außenseiter, die abseits der auf Einheit gebürsteten Gesellschaft stehen, und die der Zuschauer ganz schnell ins Herz schließt. Hochverdient besiegen am Ende doch Mut und Fantasie die konservative und brave Masse, für die Burton immer wieder kleine kreative Seitenhiebe übrig hat. In modernster Stop-Motion-Technik hergestellt, ist die Liebe zum Detail und die mühevolle Handarbeit der Künstler spürbar. Dazu kommt noch die berührende Musik von Burton Haus-Komponist Danny Elfman. Kein Film für ganz junge Zuschauer, doch für die Älteren ein zauberhaftes und unterhaltsames Animationsvergnügen.“ (Begründung der FBW)

Der Original-„Frankenweenie“ und, als Vorfilm, Tim Burtons „Vincent“, erzählt von Vincent Price:

 

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One Response to Neu im Kino/Filmkritik: Mit „Frankenweenie“ kehrt Tim Burton zu seinen Anfängen zurück

  1. Klingt vielversprechend 😉
    ich glaub den muss ich mir auf jeden Fall mal anschauen!

    Ach ja, und von Dark Shadows war ich ehrlich gesagt auch nicht so begeistert..

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