Verfilmte Bücher: „Irgendwann gibt jeder auf“ ist „Parker“

Stark - Irgendwann gibt jeder auf2

Parker, kein Vorname, ist eigentlich kein richtiger Charakter, kein Mensch, sondern ein Prinzip. Deshalb konnte Richard Stark, der Erfinder von Parker, seinen skrupellosen Dieb, den er nach sechzehn Romanen, die zwischen 1962 und 1974 erschienen, in den Tiefschlaf schickte, nach einer dreiundzwanzigjährigen Pause 1997 mit „Comeback“ (Verbrechen ist Vertrauenssache) wieder an dem Punkt weitermachen lassen, an dem er 1974 die Welt verließ. Er zog einfach einen neuen Coup durch, es gab Probleme, Parker löste sie mit mehr oder weniger viel Gewalt und am Ende konnte er, wie früher, mehr oder weniger unverletzt, mal mit, mal ohne Beute entkommen.

Seit dem „Comeback“ erschienen bis zu Starks Tod am 31. Dezember 2008 insgesamt acht weitere Parker-Bände, die immer spannende, kurzweilige Hardboiled-Literatur sind.

In „Irgendwann gibt jeder auf“, das 2000 als „Flashfire“ im Original als dritter neuer Parker-Band erschien, hat Parker Ärger mit Melander, Carlson und Ross. Nach einem Banküberfall wollen sie Parker überreden, bei ihrem nächsten großen Ding, einem Juwelenraub von 12 Millionen Dollar, Minimum!, in Palm Beach, mitzumachen. Parker lehnt ab: „Polizei, Sicherheitsdienste, Wachmänner, Posten, wahrscheinlich Hunde, mit Sicherheit Hubschrauber, Metalldetektoren, die ganze Latte. Und das dann noch in Palm Beach, wo es mehr Polizei pro Quadratkilometer gibt als irgendwo sonst auf der Welt. Die sind alle reich in Palm Beach, und sie wollen reich bleiben. Außerdem ist es eine Insel, mit drei schmalen Brücken; den Ort kann man absolut dichtmachen, wie in Folie eingeschweißt.“ Er will nur seinen Anteil. Ein paar Tausend Dollar. Weil die anderen das Geld allerdings als Startkapital benötigen, nehmen sie es sich von Parker und lassen ihn in einem Motelzimmer zurück.

Parker kann diesen Vertragsbruch nicht akzeptieren. Er macht sich auf den Weg nach Palm Beach.

Irgendwann gibt jeder auf“ ist ein klassischer Parker-Roman und weil Richard Stark (ein Pseudonym von Donald E. Westlake), bis auf wenige, vernachlässigbare Ausnahmen und Details, ganz altmodisch seinen Helden einfach nur verschiedene Abenteuer erleben lässt, kann man die Romane auch unabhängig voneinander lesen und sich daran erfreuen, wie in einer durchkapitalisierten, utilitaristischen Welt ein Verbrecher, der seinem Moralcodex gehorcht, versucht zu überleben.

Dabei unterscheidet sich Parkers Kodex kaum von dem der anderen Verbrecher, außer dass er als Profi zu seinem Wort steht und Gewalt nur als ein rationales Mittel einsetzt, um seine Ziele zu erreichen. Wenn er ohne Gewalt seine Ziele erreichen kann, tut er es. Denn er will, als kleiner Unternehmer, als Einzelner, der bei Bedarf mit anderen Verbrechern zusammen arbeitet, vor allem möglichst unauffällig sein Geld in einer Welt, die zunehmend von großen Gruppen dominiert wird, verdienen. Und in diesen Momenten werden die auf den ersten Blick kleinen Gaunergeschichten, die man locker an ein, zwei Abenden lesen kann, zu tiefschwarzen Allegorien auf die US-amerikanische Gesellschaft und den Überlebenskampf des Einzelnen, der noch an Werte glaubt, während die großen Konzerne (einerlei ob Bank, Mafia oder Multinationaler Konzern) gewissenlos alle Schlupflöcher ausnutzen.

Und genau diesen Punkt nimmt Taylor Hackfords Verfilmung von „Irgendwann gibt jeder auf“, die ab Donnerstag als „Parker“ im Kino läuft, auf. „Parker“ ist letztendlich ein feiner Genrefilm, der sich, was für Parker-Fans nicht überraschend kommt, einige Freiheiten nimmt.

Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

(übersetzt von Rudolf Hermstein)

dtv, 2013

272 Seiten

9,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Paul Zsolnay Verlag, 2010

Originalausgabe

Flashfire

Mysterious Press, 2000

Verfilmung

Parker (Parker, USA 2013)

Regie: Taylor Hackford

Drehbuch: John J. McLaughlin

mit Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Bobby Cannavale, Emma Booth, Nick Nolte

Kinostart: 7. Februar 2013

Hinweise (ein gewisses Fantum ist unübersehbar)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

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