DVD-Kritik: Zu den „Arne Dahl“-Verfilmungen

Ich kenne zwar die Romane von Arne Dahl (das Pseudonym von Jan Arnald) nicht, aber die Verfilmungen seiner ersten drei Romane mit der „A-Gruppe“, Misterioso“, „Böses Blut“ und „Falsche Opfer“, sind eine zwar unterhaltsame, aber auch zwiespältige Angelegenheit, die mich nicht besonders neugierig auf die Vorlagen macht. Denn in den Filmen steht der Kriminalfall gegenüber den persönlichen Problemen und Geschichten der Ermittler, die einem durchaus ans Herz wachsen, im Hintergrund. Die „A-Gruppe“ (wie sie im Film heißt und daher auch nicht mit dem „A Team“ verwechselt werden kann) wurde von Kriminalrätin Hultin eingerichtet, um besonders spektakuläre Fälle aufzuklären und dafür braucht sie ein besonders schlagkräftiges Team. Nun, bei dem Ansehen des Teams bei der Arbeit zweifelte ich öfters, ob sie wirklich so gut sind, wie behauptet. Denn manchmal stellen sie sich doch ziemlich dumm an, unternehmen gefährlich-dumme Alleingänge und so intellektuell brillant, wie es sich für eine Spezialeinheit gehört, sind sie auch nicht. Eher schon angenehm durchschnittlich. Aber sie lösen die Fälle.

In „Misterioso“, dem ersten verfilmten Fall, aber dem zweiten Roman der elfbändigen „A-Team“- oder Paul-Hjelm-Reihe, müssen sie sich als Team finden und herausfinden wer warum schwedische Finanzgrößen ermordet. Weil der Täter ziemlich eifrig beim Morden ist, haben die Polizisten nur wenig Zeit, um die schwedische Elite zu retten.

In „Böses Blut“ scheint ein Serienkiller, der seit Ewigkeiten in den USA mordet, aus den USA nach Schweden gekommen zu sein. Mit etwas Hilfe aus den USA führen die Ermittlungen der „A-Gruppe“ sie in die Hinterhöfe der Politik, wo die schmutzigen und illegalen Umtriebe der Geheimdienste das Leben bestimmen.

In „Falsche Opfer“ sterben in Holland durch eine Autobombe ein schwedischer Polizist, seine Freundin und deren Tochter. Zuerst glauben Hjelm und seine Kollegen, dass der Anschlag dem Polizisten, der Undercover in einem Nobelrestaurant gegen Drogenhändler ermittelte, gegolten hat. Aber das stimmt nicht – und weil Teamkollege Nyberg gerade gegen einen Pädophilenring ermittelt, ahnen wir, in welche Richtung sich der Fall entwickeln wird.

Im Gegensatz zu den ersten beiden „Arne Dahl“-Verfilmungen dauert „Falsche Opfer“ drei Stunden und ist damit auch deutlich ruhiger erzählt als „Misterioso“ und „Böses Blut“, die hier auf DVD jeweils ungefähr zwei Stunden sind. Es sind die vom ZDF ausgestrahlten und auch vom mitproduzierendem ZDF synchronisierten Fassungen. Diese zweistündigen Fassungen wurden, wie bei den Stieg-Larsson-Verfilmungen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“, wo es auch eine kürzere Kino- und eine längere TV-Fassung gibt, bereits in Schweden für eine Kinoauswertung erstellt. Dort liefen im Fernsehen dann, immer als Zweiteiler, die dreistündigen Fassungen. Aber während bei den Larsson-Verfilmungen die Kinofassungen gut gekürzt und gut ansehbar sind, sind „Misterioso“ und „Böses Blut“ schlecht gekürzt. Die Handlung und die Beziehungen zwischen den Polizisten entwickeln sich sprunghaft, einige Handlungslücken weisen unangenehm deutlich auf die Kürzungen hin und einige Szenen, die viel zu viel storyfernes Füllmaterial enthalten, konnten wegen der in ihnen enthaltenen Informationen nicht gekürzt werden.

Arne Dahl“, wie die Serie betitelt wurde, ist eine gut ansehbare, aber letztendlich unspektakuläre Polizeiserie, die schon von Anfang an viele seriellen Aspekte hat (wie den intellektuellen Putzmann, der immer nachts im Büro der A-Gruppe putzt) und sich mehr den Ermittlern und ihrem Privatleben als den Fällen widmet.

Arne Dahl - DVD-Cover

Arne Dahl – Volume 1

mit Shanti Roney (Paul Hjelm), Malin Arvidsson (Kerstin Holm), Irene Lindh (Jenny Hultin), Claes Ljungmark (Viggo Norlander), Magnus Samuelsson (Gunnar Nyberg), Matias Varela (Jorge Chavez), Niklas Åkerfelt (Aarto Söderstedt)

DVD

Edel

Bild 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 408 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die ersten drei Arne-Dahl-Verfilmungen

Misterioso, Schweden 2011

Regie: Harald Hamrell

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Misterioso, 1999 (Misterioso)

Böses Blut (Ont blod, Schweden 2012)

Regie: Mani Maserrat Agah

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Ont blod, 1998 (Böses Blut)

Falsche Opfer (Upp till tippen av berget, Schweden 2012)

Regie: Jörgen Bergmark

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Upp till tippen av berget, 2000 (Falsche Opfer)

Hinweise

Homepage von Arne Dahl

Krimi-Couch über Arne Dahl

Wikipedia über Arne Dahl

Fernsehserien über „Arne Dahl“

ZDF über „Arne Dahl“

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One Response to DVD-Kritik: Zu den „Arne Dahl“-Verfilmungen

  1. Christel Gabrian sagt:

    Krimi-Persiflage oder was ? Hier häufen sich die völlig humorfreien Elemente aller Krimi-Klischees, was sehr lustig sein könnte, wenn auch nur im mindesten erkennbar wäre, dass sich vom Autor über den Regisseur bis zum Darsteller alle bewusst sind, was sie dem Zuschauer antun. Aber schwedisch-bierernst wird etwas rüber gebracht, was sich mit einem ironischen Augenzwinkern gut und gern Realsatire nenne könnte. Irgendwie unbefriedigend.

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