DVD-Kritik: Der Science-Fiction-Noir „Looper“ liefert Gehirnfutter

Für Science-Fiction-Fans war „Looper“ letztes Jahr eine freudige Überraschung. Ein Science-Fiction-Film der nicht auf sein Budget, sondern auf eine gute Idee, eine gute Geschichte und gute Schauspieler baute. Joseph Gordon-Levitt war gut wie immer. Aber auch Bruce Willis engagierte sich hier spürbar.

Den Film hatte ich ja schon abgefeiert und, anstatt eine neuen Filmkritik zu schreiben, ergänze ich einfach meine alte Besprechung (die ich jetzt, beim Durchlesen, immer noch okay finde) etwas, bevor ich mich dem Bonusmaterial widme:

Gerade wenn man nach einigen enttäuschenden (ich sage nur „Prometheus“ und „Total Recall“) und grottenschlechten Science-Fiction-Filmen (ich sage nur „Battleship“) mal wieder den Glauben an das Genre verliert und sich mit Actionkrachern wie „Lockout“ zufrieden geben will, kann man einen Science-Fiction-Film genießen, der nicht Unsummen für Effekte ausgibt, sondern sich auf ein gutes Drehbuch verlässt.

Looper“ ist so ein Film, der wirklich, wie „Moon“ und „Source Code“ Spaß macht und zum Nachdenken anregt. Nicht unbedingt über Zeitreisen (die Paradoxien bleiben Paradoxien), sondern über den Wert und den Sinn des Lebens.

Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Looper. Das heißt, er ist ein Killer, der für ein Verbrechersyndikat Leute umbringt, die aus der Zukunft zu ihm geschickt werden. Eines Tages wird sein dreißig Jahre älteres Ich (Bruce Willis) zurückgeschickt. Der junge Joe versagt und der alte Joe kann flüchten. Jetzt beginnt eine Hetzjagd durch das ländliche Kansas. Denn der alte Joe will den Mann finden, der in der Zukunft für den Tod seiner Frau verantwortlich ist. Er hat einige spärliche Hinweise auf dessen Identität. Der junge Joe sucht dagegen verzweifelt sein älteres Ich. Wenn er es nicht findet, wird er von seinen Looper-Freunden umgebracht – und er würde so um dreißig Lebensjahre gebracht werden.

Rian Johnson, der vorher „Brick“ (2005) und „Brothers Bloom“ (2009) drehte, verknüpft in seinem ziemlich noirischen Science-Fiction-Actionthriller verschiedene Elemente und Ideen aus älteren Science-Fiction-Filmen und Büchern, wie „Terminator“ und der Stephen-King-Verfilmung „Feuerkind“, einer ordentlichen Prise Philip K. Dick, und schafft daraus etwas ganz eigenes, das wirklich Spaß macht bis zum überraschenden Ende.

Da verzeiht man auch, dass „Looper“ in der zweiten Hälfte, wenn der junge Joe bei Sara (Emily Blunt) auf ihrer Farm Unterschlupf findet, sich in sie verliebt und mit ihrem Sohn (der auch auf der Todesliste des alten Joe steht) anfreundet, die Action zugunsten eines Liebesfilms geopfert wird. Beim zweiten Ansehen wirkt die Liebesgeschichte dann allerdings nicht mehr so lang und eine 08/15-Liebesgeschichte der Marke „er sieht sie, er liebt sie, er kriegt sie“ ist es auch nicht. Dafür haben beide schon zu viel gesehen und sie hat sich aus einem sehr guten Grund auf die Farm zurückgezogen.

Als Joes Freunde und der alte Joe auftauchen, wird deutlich, welchen furiosen Showdown Rian Johnson mit den Bildern vom beschaulichen Landleben vorbereitete.

Ein weiteres Pfund sind die beiden Hauptdarsteller. Bruce Willis, der zuletzt in bestenfalls mediokren Filmen, teils in arg kurzen Rollen, oft auf Autopilot, mitspielte, spielt hier endlich wieder einmal. Joseph Gordon-Levitt, der auch einer der Produzenten ist, mausert sich langsam zu einem Schauspieler, dessen Filme unter einem potentiellen Ansehen-Müssen-Verdacht stehen.

Looper“ ist ein spannender Krimi, ein zum Denken anregender Science-Fiction-Film und ein großer intellektueller Spaß, mit einigen gut platzierten Hinweisen auf andere Filme und Bücher.

Und wie ist das Bonusmaterial?

Auf den ersten Blick mit Audiokommentar, zweiteiligem „Making of“ (bestehend aus „Der Anfang“ und „Zeitreisen: Eine Wissenschaft“) und „Looper: Der Score“ und knapp zwanzig Minuten „Entfernte Szenen“ (die auch von Rian Johnson kommentiert werden) ist das Bonusmaterial sehr umfangreich geraten. Insgesamt sind es, ohne die Audiokommentare, über fünfzig Minuten. Der Informationsgehalt ist allerdings durchwachsen.

Das etwas über siebenminütige Film-Making-of „Der Anfang“ vermittelt interessante Einblicke. Das achtminütige Gespräch mit dem Wissenschaftler und Autor des Buches „How to build a time machine“, Brian Clegg, ist befremdlich. Denn er erklärt Zeitreisen so, als seien sie demnächst möglich und, bis auf einige kleine technische Details, auf die man nicht eingehen muss, vollkommen unproblematisch. Das hört sich dann nicht wie der Beitrag eines seriösen Wissenschaftlers, der den Realitätsgehalt eines Films erklärt, an.

In „Looper: Der Score“ erzählt Komponist Nathan Johnson in drei informativen Featurettes, wie er die Musik und die Geräuschkulisse für „Looper“ aus vorhandenen Geräuschen komponierte und so einen ganz eigenen Sound kreierte.

Die „Entfernten Szenen“ vertiefen einige Charaktere mit sieben neuen und erweiterten Szenen. Aber die Erklärungen von Rian Johnson für die Kürzungen sind schlüssig. Meistens führten die Szenen, so Johnson, zu weit vom Hauptplot weg oder das was in ihnen gezeigt wird, wurde schon gesagt oder das Publikum benötigt die Erklärung nicht, um die Geschichte zu verstehen.

Der Audiokommentar von Regisseur und Autor Rian Johnson, Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt und Hauptdarstellerin Emily Blunt, ist gut anhörbar. Die drei haben ihren Spaß und man hört ihnen gerne zu, wenn sie von den Dreharbeiten erzählen. Allerdings hätte ich mir hier mehr Informationen über die Filmgeschichte und die hinter ihr stehenden Themen und Ideen gewünscht. Aber darüber reden sie nicht.

Dafür gibt es, neben dem deutschen und dem Originaltrailer noch den animierten Trailer. Eine hübsche Spielerei.

Looper - DVD-Cover

Looper (Looper, USA 2012)

Regie: Rian Johnson

Drehbuch: Rian Johnson

mit Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Paul Dano, Noah Segan, Piper Perabo, Jeff Daniels, Summer Qing, Tracie Thoms, Garret Dillahunt

DVD

Concorde

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DD 5.1/ DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Mehrere Featurettes, Entfallene Szenen, Trailer, Audiokommentar von Rian Johnson, Joesph Gordon-Levitt und Emily Blunt, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Looper“

Metacritic über „Looper“

Rotten Tomatoes über „Looper“

Wikipedia über „Looper“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Looper“ (Looper, USA 2012 – mit weiteren Bildern, Links und einem 35-minütigem Interview mit Rian Johnson und Joseph Gordon-Levitt)

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