Und noch ein Berlin-Krimi: „Schneckenkönig“ von Rainer Wittkamp

Rainer Wittkamp schrieb Bücher für „Die Wache“, „Soko Leipzig“, „Soko Wismar“ und „Unser Charly“. Wie man eine Geschichte aufbaut, weiß er und das merkt man auch in seinem Romandebüt „Schneckenkönig“, einem in Berlin spielendem Krimi über den Mord an einem Ghanaer.

Dessen Leiche wird in einem Abwasserkanal auf einer Baustelle beim Ostbahnhof entdeckt und weil die Polizei gerade einen Personalengpass hat, darf Kommissar Martin Nettelbeck, bester Kommissar im LKA und seit drei Jahren strafversetzt in die Büromaterialbeschaffung, wieder in einem Mordfall ermitteln.

Allerdings gibt es zunächst kaum Spuren, außer einem Silberkettchen mit einem runden Anhänger, das im Matsch neben der Leiche gefunden wird, und den Narben im Gesicht des Toten, die ihn eindeutig einem bestimmten Stamm zuordnen. Über die Community der Ghanaer, und deren gut aussehender Quasi-Sprecherin Philomena Baddoo, erfährt Nettelbeck den Namen des Toten und dass er Pfarrer für die Kirche der Ewigen Erlösung von Christian Mattheuer war, der in Afrika ein großes Missionswerk aufgebaut hat und in Berlin in einem ihm gehörendem Hochhaus residiert.

Schneckenkönig“ lässt sich flott weglesen, aber für einen Ratekrimi ist die Zahl der Verdächtigen viel zu überschaubar. Eigentlich kommt nur eine Person als Täter in Frage. Es werden die üblichen Themen in der üblichen Weise präsentiert. Die Afrikaner sind gut. Die Sekte ist nur das Geschäftsmodell eines Gurus. Und die Nazis sind blöde. Da hat man das Modell für einen sonntäglichen „Tatort“ oder eine „Soko“-Folge; wobei die ja mit größeren Ermittlerteams arbeiten.

Wittkamps Debüt ist kein schlechter Krimi. Es ist nur ein in jeder Beziehung durchschnittlicher Krimi mit teils arg papiernen Dialogen und einem Bosetzky-typischen Auflisten der von den Kommissaren zurückgelegten Strecken. Als würde es einen Nicht-Berliner wirklich interessieren, wie sie von A nach B gelangen und an welchen Stationen der Zug zwischendurch anhält. Einen Berliner lenken dagegen die ständigen Orts- und Straßennamen, die wild über Gesamt-Berlin verteilt sind, ab.

Wittkamp - Schneckenkönig - 2

Rainer Wittkamp: Schneckenkönig

Grafit, 2013

256 Seiten

9,99 Euro

Hinweis

Homepage von Rainer Wittkamp

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: