Ist „Am Ende des Tages“ das Ende für Robert Hültners Inspektor Paul Kajetan?

 

Hueltner - Am Ende des Tages - 2

Nachdem Paul Kajetans Flucht über die Alpen wetterbedingt schief ging, meldet er sich beim Meldeamt zurück und behauptet, dass sein Pass gestohlen wurde und deshalb jemand anderes an seiner Stelle vergraben wurde. Dass er diese andere Person, einen Kripo-Beamten, der sich den Nazis als Agent andiente und der Kajetan umbringen wollte, tötete und ihm seinen Pass unterschob, verschweigt er. Immerhin hatte er in den vergangenen Jahren ziemlich viel Pech gehabt.

Aber jetzt scheint sich alles zum Besseren zu wenden. Regierungsrat Dr. Rosenauer will, nachdem sich frühere Anschuldigungen gegen Kajetan als falsch herausstellten und die allgemeine politische Lage sich änderte, seine Wiedereinstellung in den Polizeidienst forcieren und der Tote gehörte eh zu den Nazis und war ein wenig beliebter Kollege.

Bis das erledigt ist, soll Kajetan für Anwalt Dr. Leopold Herzberg in einem alten Mordfall recherchieren. Der Bauer Ignaz Rotter wurde, trotz dünner Beweise, vor über zehn Jahren für schuldig befunden, kaltblütig seine Frau ermordet zu haben.

Zur gleichen Zeit soll Sonderermittler Gustav Kull aus Berlin (und damit im ständigen Kampf mit den hinterwäldlerischen Bayern) herausfinden, warum in den Chiemgauer Alpen ein Flugzeug weit ab von seiner Flugroute und ohne erkennbaren Grund abstürzte. Es transportierte eine Kiste voll Geld aus einem Reptilienfonds des Außenministeriums für einen klandestinen Verein, der behauptet, im Ausland das Deutschtum zu unterstützen, in Wahrheit aber an einem Sturz der Weimarer Republik arbeitet.

Als Paul Kajetan, damals noch Polizeiinspektor, 1993 in „Walching“ seinen ersten Auftritt hatte, war ich begeistert. Da schrieb ein deutscher Autor über einen Mordfall in den Alpen kurz nach dem Ersten Weltkrieg, verband Zeitkolorit mit Politik mit einem spannendem Kriminalfall – und versackte dabei nicht im Sumpf des Regiokrimis oder versuchte krampfhaft amerikanische Vorbilder zu imitieren. Nein, „Walching“ war absolut eigenständig, spannend und gut. In den nächsten Jahren schrieb Hültner weitere Kajetan-Romane und jetzt, mit dem sechsten Kajetan-Roman, der in den späten Zwanzigern spielt, können wir wieder in das pralle bayerische Leben zwischen München und dem ländlichen Umland eintauchen.

Robert Hültner erzählt beide Fälle, was in einem Roman besser als in einem Film funktioniert, fast bis zum Schluss parallel und auch danach ermitteln Kajetan und Kull eher neben- als miteinander, bis sie am Ende gemeinsam gegen „die Nazen“ kämpfen.

Neben den beiden ziemlich vertrackten Kriminalfällen zeichnet Hültner auch ein Bild der damaligen Zeit, als die Regierung unter der Hand rechte, regierungsfeindliche Gruppen unterstützte und die Gefahr durch die NSDAP sträflich unterschätzte. So betonten Beamte immer wieder, dass Hitlers Gruppe auf dem absteigenden Ast sei. Ein Irrtum.

Der sechste Kajetan-Roman „Am Ende des Tages“ wird auch als der letzte Kajetan-Roman beworben.

Einerseits viel zu früh. Andererseits ist es gut, wenn eine Serie nicht bis zum Überdruss ausgereizt wird und „Am Ende des Tages“ ist ein würdiger Abschluss; – wobei wir inzwischen aus zahlreichen Büchern, Filmen und Serien gelernt haben, dass es keine endgültigen Abschiede gibt.

Robert Hültner: Am Ende des Tages

btb, 2013

320 Seiten

19,99 Euro

Die Ermittlungen von Paul Kajetan

Walching, 1993

Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski, 1995

Die Godin, 1997

Inspektor Kajetan und die Betrüger, 2004

Inspektor Kajetan kehrt zurück, 2009

Am Ende des Tages, 2013

Hinweise

Homepage von Robert Hültner

Wikipedia über Robert Hültner

Meine Besprechung von Robert Hültners „Ende der Ermittlungen“ (2007)

 

 

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