Kurzkritik: Guido Rohm: Untat

Rohm - Untat - 2

Zwei Journalisten wollen einen Kidnapper bei der Arbeit beobachten und eine Reportage darüber schreiben. Aber, wie wir spätestens seit „Mann beißt Hund“ wissen, ist die teilnehmende Beobachtung eines Verbrechers gar nicht so einfach. Zuerst muss natürlich ein Verbrecher gefunden werden, der sich bei seinen Verbrechen beobachten und einen Bericht darüber schreiben lässt. Dann muss man als Journalist natürlich die professionelle Distanz wahren – und damit haben die beiden Journalisten in Guido Rohms Noir „Untat“ ihre Probleme. Denn schnell lassen sie sich auf den Lebensstil von Oscar, so nennt sich der Entführer, ein. Sie trinken – entgegen ihren Gewohnheiten – Bier, essen Junkfood, rauchen, sehen sich Pornos und dumme Actionfilme an und, was allerdings an den mangelnden sanitären Anlagen in ihrem Versteck, einem einsam gelegenen Bauernhof, liegt, waschen sich nicht mehr.

Aber bald bemerkt man, dass der Ich-Erzähler immer „wir“ sagt, aber niemals seinen Partner zu Wort kommen lässt oder seinen Namen verrät und wir fragen uns, ob dieser Partner überhaupt existiert. Auch weil der Erzähler immer weniger Fantasien, Filmrealität und Realität voneinander unterscheiden kann.

Und so wird aus einem kleinen Roman von 130 Seiten über eine Kindesentführung schnell eine Reflektion über Realität und Fantasie – und wie das eine das andere beeinflusst.

Guido Rohm erzählt diese irgendwo in Deutschland spielende Geschichte flott, mit viel schwarzem Humor und einem bitterbösem Ende, das „Untat“ zu einem wirklich gelungenem Noir aus Deutschland macht.

Ein Wort noch zum Cover: Auf den ersten Blick hielt ich es für ein harmlos-austauschbares Verlegenheitscover. Aber nach der Lektüre muss ich sagen, dass es – versteckt – einige Hinweise auf die Handlung gibt und es, ebenso wie die ersten Seiten, herrlich bieder einlullt. Chapeau!

Guido Rohm: Untat

Conte, 2013

140 Seiten

10,90 Euro

Hinweise

Homepage von Guido Rohm

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Guido Rohm

 

Wikipedia über Guido Rohm 

Krimikulturarchiv interviewt Guido Rohm (Januar 2013)

Advertisements

4 Responses to Kurzkritik: Guido Rohm: Untat

  1. […] >>>>HIER! können Sie die komplette Rezension lesen. […]

  2. […] >>>>HIER! können Sie die komplette Rezension lesen. […]

  3. […] »Guido Rohm erzählt diese irgendwo in Deutschland spielende Geschichte flott, mit viel schwarzem Humor und einem bitterbösen Ende, das Untat zu einem wirklich gelungenen Noir aus Deutschland macht.« Rezension auf kriminalakte.de, Juni 2013, komplett hier. […]

  4. […] »Guido Rohm erzählt diese irgendwo in Deutschland spielende Geschichte flott, mit viel schwarzem Humor und einem bitterbösen Ende, das Untat zu einem wirklich gelungenen Noir aus Deutschland macht.« Rezension auf kriminalakte.de, Juni 2013, komplett hier. […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: