„Die langbeinige Fliege“ ist jetzt „Stiller Zorn“

Sallis - Stiller Zorn

Langjährige James-Sallis-Leser können sich beruhigt zurücklehnen. „Stiller Zorn“ ist kein neuer Roman von James Sallis. Es ist auch keine neue Übersetzung eines älteren Romans von ihm, sondern eine Neuveröffentlichung von „Die langbeinige Fliege“, dem ersten Roman mit Privatdetektiv Lew Griffin, der 1999 in der kurzlebigen DuMont-Noir-Reihe erschien und bei einigen Menschen ein wahres James-Sallis-Fantum auslöste. 2000 erschien „Nachtfalter“, der zweite Lew-Griffin-Roman, der im Februar 2014 neu aufgelegt wird. Die vier weiteren Griffin-Romane wurden nicht übersetzt. Aber vielleicht, – immerhin stirbt die Hoffnung zuletzt -, bedeutet die Neuauflage, dass das jetzt geschieht und wir auf Deutsch alle Abenteuer des afroamerikanischen, zynischen Privatdetektiv Lew Griffin lesen. Er ist auch ein Professor, Poet, Autor, Blues-Liebhaber und Alkoholiker (irgendwann auch abstinent), der oft vermisste Personen im Vergnügungsviertel French Quarter sucht.

In „Stiller Zorn“ sucht er vier Mal nach vermissten Personen. 1964 sucht er die bekannte Schwarzenführerin Corene Davis, 1970 die sechzehnjährige Ausreiserin Cordelia Clayson, 1984 Cherie, die Schwester von Jimmi Smith, einem pädophilen Ex-Lehrer, und 1990 seinen Sohn David, den er selten sieht und der irgendwo in Europa verschwunden ist.

Aber wichtiger als die Fälle ist für James Sallis der Charakter Lew Griffin und die Stadt New Orleans, lange vor den Verwüstungen des Hurrikans Katrina.

Das ist, wie immer bei James Sallis, der auch Dichter und Musiker ist, poetisch geschrieben, erinnert von seiner Konstruktion und Erzählweise eher an ein Musikstück mit musikalischen Verweisen, Call-and-Response-Strukturen und refrainartig wiederauftauchenden Themen, als an einen traditionellen Privatdetektivroman, in dem der Detektiv zielstrebig den Fall aufklärt.

Wie sagt man so schön: Lesebefehl!

James Sallis: Stiller Zorn

(übersetzt von Georg Schmidt)

DuMont, 2013

192 Seiten

8,99 Euro

Sallis - Die langbeinige Fliege - 2

Deutsche Erstausgabe

Die langbeinige Fliege

DuMont, 1999

Originalausgabe

The Long-Legged Fly

Avon Books, 1992

Die Lew-Griffin-Romane

Stiller Zorn/Die langbeinige Fliege (The Long-Legged Fly, 1992)

Nachtfalter (Moth, 1993)

Black Hornet (1994)

Eye of the Cricket (1997)

Blue Bottle (1998)

Ghost of a Flea (2001)

Hinweise

Homepage von James Sallis

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Dunkles Verhängnis” (Salt River, 2007)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Der Killer stirbt” (The Killer is dying, 2011)

Meine Besprechung von James Sallis‘ „Driver 2“ (Driven, 2012)

Meine Besprechung der James-Sallis-Verfilmung “Drive” (Drive, USA 2011)

James Sallis in der Kriminalakte (natürlich mit vielen weiterführenden Links und Videos)

Thrilling Detective über Lew Griffin

One Response to „Die langbeinige Fliege“ ist jetzt „Stiller Zorn“

  1. […] der Detektiv zielstrebig den Fall aufklärt. Wie sagt man so schön: Lesebefehl!”, steht bei “kriminalakte” zu […]

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