DVD-Kritik: David McCallum ist „Der Unsichtbare“

 

Zwischen den TV-Serien „Solo für O.N.K.E.L.“ (The Man from U.N.C.L.E., 1964 – 1968), mit der David McCallum als russischer Agent Illya Kuryakin zum Weltstar aufstieg, und „Navy CIS“, in der er seit zehn Jahren den Gerichtsmediziner Dr. Donald Mallard spielt, war er unter anderem Dr. Daniel Westin in der kurzlebigen Science-Fiction-Serie „Der Unsichtbare – The Invisible Man“, die jetzt komplett, inclusive der damals in Deutschland nur gekürzt ausgestrahlten Pilotfolge in voller Länge und den zwei bei uns nicht ausgestrahlten Folgen, auf DVD vorliegt.

Die von Steven Bochco („Polizeirevier Hill Street“, „NYPD Blue“) und Produzent Harve Bennett („Der sechs Millionen Dollar Mann“, die „Star Trek“-Filme II, III, IV, V) erfundene Serie basiert auf H. G. Wells‘ Roman „The Invisible Man“, übernahm von ihm allerdings nur die Prämisse, nämlich dass ein Wissenschaftler bei einem Experiment unsichtbar wird und jetzt verzweifelt nach einem Gegenmittel sucht. Bei Wells diente diese Unsichtbarkeit auch dazu, moralische Fragen zu stellen: vor allem, ob wir uns auch dann an Gesetze halten, wenn wir für eine Übertretung nicht bestraft werden und welche Folgen Unsichtbarkeit auf unsere Psyche hat.

Das ist Bochco und Bennett, auch wenn es im Pilotfilm in Schwundstufen angedacht wird, herzlich egal. Bei ihnen ist der Unsichtbare ein ausgeglichener, glücklich verheirateter Mann, der vor allem als Quasi-Geheimagent unterwegs ist; dies aber eigentlich nur im sonnigen Kalifornien tun kann, weil die Unsichtbarkeit sich nur auf seinen Körper erstreckt. Das heißt: unser Held muss ständig nackt durch die Landschaft laufen.

Und das muss er ziemlich oft tun für die Klae Resource, einem klandestinen Teil der Klae Corporation, einem – hm – Teil des militärisch-industriellen Komplexes, der gleichzeitig so eine Art Mini-CIA ist und auch in schmutzige Geschäfte verwickelt ist. Jedenfalls wird das im Pilotfilm angedeutet. Denn Westin, der mit seiner Frau für sie forscht, und der sich bei seinem Unsichtbarkeitsforschungen permanent unsichtbar machte, will zunächst nicht weiterforschen, weil er befürchtet, dass seine Erkenntnisse für militärische Zwecke verwandt werden. Laborleiter Walter Carlson kann ihn allerdings überzeugen, für die Klae Resource gelegentlich spezielle Aufgaben, bei denen seine Unsichtbarkeit vorteilhaft ist, zu übernehmen. Dafür kann er an einem Mittel gegen seine Unsichtbarkeit forschen. In einigen der späteren Folgen steht Dr. Westin dann auch forschend in seinem Labor.

Meistens läuft er allerdings nackt und unsichtbar durch die Gegend und holt für die Klae Resource die Kastanien aus dem Feuer. Dabei sind die Fälle eher für einen durchtrainierten Geheimagenten als für einen Forscher geeignet. Er muss herausfinden, wie in Washington eine hochrangige Mitarbeiterin Geheimunterlagen aus dem Parlament schmuggelt. Er muss Überläufern helfen. Er muss herausfinden, wie und warum ein Geisterbeschwörer einen wichtigen Abgeordneten beeinflusst. Er soll herausfinden, ob ein Diplomat Gemälde aus dem Weißen Haus geklaut hat. Er sucht die Entführer der Firmenchefin. Er entlarvt eine korrupte Kleinstadtspitze, die ihn, wie viele andere Menschen, wegen des Vorbeifahrens an einem Schulbus, der als Dummenfalle aufgestellt wurde, zu einer hohen Strafe verurteilt. Er hilft einer Klae-Putzfrau, die sich Sorgen um ihren in Texas in einem Gefängnis sitzenden Sohn macht, diesen zu befreien und die korrupte Gefängnisleitung hinter Gitter zu bringen. Und in „Klimpergeld“ hilft er Carlsons Tante, die sich bei Kartenspielen hoch verschuldete und Geld aus ihrer Bank entwendete. Um ihr zu helfen, inszeniert Westin einen Banküberfall und gerät in einen weiteren Banküberfall. In dieser Folge wird am stärksten mit surrealen Comedy-Elementen gespielt, wenn die Westins die Tante besuchen und überall Geldscheine herumflattern und liegen und alle die Scheine ignorieren oder wenn bei dem Banküberfall alle in ikonischen Frankensteins-Monstermasken (die Boris-Karloff-Ausgabe) herumlaufen.

Das alles ist, auch für den Siebziger-Jahre-Standard, ziemlich träge geschrieben, lahm inszeniert, reichlich unlogisch und weitgehend humorfrei gespielt. Da helfen auch nicht die netten Unsichtbarkeitstricks weiter.

Immerhin bleibt so reichlich Zeit, darüber nachzudenken, warum die Macher nicht einen Geheimagenten unsichtbar machten, warum niemand den Unsichtbaren neben sich spürt und warum eine so alltagsuntaugliche Form der Unsichtbarkeit entdeckt wurde. Ich meine: wer will schon nackt und barfuss durch die Gegend laufen?

Der Unsichtbare - DVD

Der Unsichtbare – The Invisible Man (The Invisible Man, USA 1975/1976)

Erfinder: Harve Bennett, Steven Bochco

LV: H. G. Wells: The Invisible Man, 1897 (Der Unsichtbare)

Musik: Henry Mancini, Pete Rugolo

mit David McCallum (Dr. Daniel Westin), Melinda O. Fee (Dr. Kate Westin), Craig Stevens (Walter Carlson)

Gaststars: John Vernon, Farley Granger, Monte Markham, Oskar Homolka

DVD

Ascot-Elite

Bild: 1,33:1/4:3

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Pilotfolge in der Langfassung (teilweise Originalton mit festen Untertiteln)

Länge: 657 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Der Unsichtbare“ Dr. Daniel Westin in Action

Experiment mit Folgen (The Invisible Man)

Regie: Robert Michael Lewis

Drehbuch: Steven Bochco (nach einer Geschichte von Harve Bennett und Steven Bochco)

Armer, reicher Mann (The Klae Resource)

Regie: Robert Michael Lewis

Drehbuch: Steven Bochco

Ein seltener Vertreter seines Fachs (The Fine Art of Diplomacy)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: James D. Parriott

Hokuspokus im Senat (Man of Influence)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Seeleg Lester, Rick Blaine (nach einer Geschichte von Rick Blaine)

Sie macht’s nur mit den Augen (Eyes Only)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Leslie Stevens

Barnard will raus (Barnard wants out)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: James D. Parriott

Blinde sehen mehr (Sight Unseen)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Brian Rehak (nach einer Geschichte von Brian Rehak und Kandy Rehak)

Im Kittchen ist ’ne Zelle frei (Go directly to Jail)

Regie: Sigmund Neufeld Jr.

Drehbuch: Steven Bochco

Rotes Licht wird teuer (Stop when Red Lights flash)

Regie: Gene Nelson

Drehbuch: Seeleg Lester

Klimpergeld (Pin Money)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: James D. Parriott

Familienkrieg (The Klae Dynasty)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Philip DeGuere

Power Play (Power Play)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Leslie Stevens

Auf der Suche nach dem verlorenen Gesicht (An Attempt to Save Face)

Regie: Don Henderson

Drehbuch: James D. Parriott, Leslie Stevens (nach einer Geschichte von Leslie Stevens)

Hinweise

Fernsehserien über „Der Unsichtbare“

TV.com über „Der Unsichtbare“

Wikipedia über „Der Unsichtbare“ (deutsch, englisch)

 

 

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