Neu im Kino/Filmkritik: Über das Feelgood-Roadmovie „Jackie – Wer braucht schon eine Mutter“

Sofie und Daan, zwei gegensätzliche, 33-jährige Zwillingsschwestern, könnten eigentlich mit ihren Eltern zufrieden sein. Denn sie haben richtige Traumeltern, die dummerweise homosexuell sind. Zweimal Papa, keinmal Mama. Ihre Mutter haben sie nie gekannt. Sie war damals nur eine Samenspenderin, die aus den USA kam und wieder dorthin verschwand.

Jetzt erhalten die Holländerinnen eine Nachricht aus New Mexico: ihre Mutter liegt in einem Krankenhaus und benötigt ihre Hilfe. Sie hat einen komplizierten Knochenbruch (ihr rechtes Bein ist komplett eingegipst) und sie soll vom Krankenhaus in das Reha-Zentrum am anderen Ende des Staates gebracht werden. Während Sofie das herzlich egal ist, immerhin ist sie der pragmatisch-realistische Teil der Geschwister, die auch erfolgreich im Job ist, ist die leicht spleenig-verträumte Daan begeistert. Endlich kann sie ihre Mutter kennen lernen.

In New Mexico entpuppt sich Jackie als arg schwierige Persönlichkeit. Eigenbrötlerisch, schweigsam, störrisch und, wenigstens bei den ersten Begegnungen eine unausstehliche Nervensäge, die jede Hilfe ablehnt, obwohl sie auf Hilfe angewiesen ist. Und sie weigert sich, in ein Flugzeug zu steigen.

Also lassen die beiden Schwestern sich breitschlagen, ihre Mutter in ihrem alten Trailer von dem einen Ende New Mexicos zum anderen zu fahren – und auf der Fahrt nähern die drei Frauen sich an, lernen voneinander und verändern sich.

Das ist mit vielen herrlich abgedrehten Episoden, wie dem Auftritt der Bikerinnen-Gang in der Wüste, einer ordentlichen Portion Alternative-Country-Musik und einer überflüssigen Pointe am Ende schön erzählt und unterhält als leichtgewichtiges, konventionelles Feelgood-Roadmovie auch kurzweilig.

Es ist auch schön, dass man Holly Hunter („Das Piano“, „Crash“, „Copykill“, „Arizona Junior“, „O Brother, Where Art Thou?“), die zuletzt die Hauptrolle in der TV-Serie „Saving Grace“ (noch nicht im deutschen TV gezeigt) hatte, mal wieder im Kino sieht und dann noch in einer so dankbaren Rolle als eigensinnige, auf ihre Unabhängigkeit bedachte Mutter, die immer ihren Kopf durchsetzen muss.

Jackie – Wer braucht schon eine Mutter“ ist ein Frauenfilm, der auch Männern gefallen kann, viel Americana hat, in der zweiten Hälfte immer musikalischer wird und im dritten Akt, wenn sie zu Jackies Familie fahren, mit dem Auftritt von Alternative-Country-Musiker Howe Gelb (Giant Sand) auch etwas für den Rockfan bietet.

Jackie - Plakat

Jackie – Wer braucht schon eine Mutter (Jackie, Niederlande/USA 2012)

Regie: Antoinette Beumer

Drehbuch: Marnie Blok, Karen van Holst Pellekaan

mit Carice van Houten, Jelka van Houten, Holly Hunter, Mary Woods, Howe Gelb (Yeah, der „Giant Sands“-Musiker), Chad E. Brown

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Jackie“

Rotten Tomatoes über „Jackie“

Wikipedia über „Jackie“ (englisch, niederländisch)

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