TV-Tipp für den 31. August: Ein Köder für die Bestie

August 31, 2013

ZDF, 00.30

Ein Köder für die Bestie (USA 1962, R.: J. Lee Thompson)

Drehbuch: James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.

Spannender Psychoschocker

Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas

Hinweise

Wikipedia über John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite


DVD-Kritik: Peter Robinsons „Inspector Banks – Mord in Yorkshire“ ermittelt auch im Film

August 30, 2013

Es dauerte weit über zwanzig Jahre, bis mit „Aftermath“ ein Roman von Peter Robinson verfilmt wurde. Dabei gehören die in Yorkshire spielenden, vielfach nominierten und ausgezeichneten Polizeiromane mit DCI Alan Banks schon lange zu den bei Krimilesern beliebten Serien. Inzwischen hat Robinson 21 Banks-Romane veröffentlicht und damit haben die Macher der TV-Serie „Inspector Banks – Mord in Yorkshire“ (DCI Banks) theoretisch mehr als genug Vorlagen für die kommenden Jahre. Denn „Aftermath“, in England als Zweiteiler ausgestrahlt (mit Werbung wurden aus dem Neunzigminüter zwei einstündige Sendungen), war überraschend erfolgreich und der TV-Sender ITV produzierte mit Left Bank Pictures weitere „Inspector Banks“-Filme. In England wurden bis jetzt sieben Filme ausgestrahlt; in Deutschland, hauptsächlich im ZDF, die vier, die es jetzt auf der DVD „Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel“ gibt. Weitere drei Filme, die wieder als Zweiteiler gezeigt werden sollen, werden derzeit gedreht und sollen Anfang 2014 in England ausgestrahlt werden. Für Nachschub ist also gesorgt.

Weil die Romane teilweise schon älter sind – der erste Banks-Roman „Falle für Peeping Tom“/“Augen im Dunkeln“ (Gallows View) erschien 1987 – und die Polizeiarbeit sich seitdem rapide änderte, wurden die Geschichten an die Gegenwart angepasst und, weil die TV-Macher sich nicht an die Chronologie der Romane halten, wurden bei den vernachlässigbaren privaten Subplots ebenfalls die nötigen Anpassungen vorgenommen.

Doch das dürfte höchstens Fans der Romane, die eine buchstabengetreue Umsetzung wollen, stören. Denn im Mittelpunkt der „Inspector Banks“-Filme steht der Fall.

In „Aftermath“ werden im Keller eines Wohnhauses vier Mädchenleichen entdeckt. Dabei stirbt ein Polizist und der mutmaßliche Täter landet im Koma. Außerdem ist ein weiteres Mädchen verschwunden. Lucy Payne,die Frau des Mörders, zu der Banks eine besondere Beziehung aufbaut, schweigt und Banks muss sich mit DI Annie Cabbot, einer neuen, überaus ambitionierten Kollegin, herumschlagen.

Nach der spektakulären Pilotfolge steuern die nächsten drei „Inspector Banks“-Filme ruhigere Gewässer an. Banks und Cabbot arbeiten gut zusammen. Obwohl ihre Ambitionen und der damit einhergehende immer wieder fehlenden Teamgeist bei Banks auf wenig Gegenliebe stoßen und die Fälle immer schwierige moralische und emotionale Prüfungen für Banks und Cabbot enthalten.

In „Kein Rauch ohne Feuer“ sterben bei einem Schiffsbrand zwei Menschen. Ihre erste Spur führt in das Milieu von Kunstfälschern. Aber auch die Familie des zweiten Opfers hat etwas zu verbergen.

In „Wenn die Dämmerung naht“ wird auf einem Kliff eine schwer behinderte Frau ermordet. Es war Lucy Payne, die wir aus „Aftermath“ kennen. Während bei den Verfilmungen der Abstand von nur einem Jahr zwischen den beiden Fällen unglaubwürdig kurz geraten ist, erschienen die gleichnamigen Romane 2001 und 2007, in denen Payne verurteilt, schwer verletzt wurde und eine neue Identität erhielt.

Während Cabbot Paynes Mörder sucht, sucht Banks den Mörder des Teenagers Hayley Daniels, die nach einem feuchtfröhlichem Abend in einer Gasse der Altstadt ermordet wurde. Letztendlich haben beide Fälle dann doch etwas miteinander zu tun und die Mörderin von Payne ist, im Gegensatz zum Roman, von Anfang an bekannt. Weil sie im Film eine prominentere Rolle hat, wird aus einer banalen Tätersuche ein Psychoduell, in dem es um die Frage geht, wie Täter bestraft werden sollen.

In „Kalt wie das Grab“ ermitteln Banks und Cabbot wieder in zwei verschiedenen Fällen, die dann doch miteinander verknüpft sind. Nach einem missglückten Raubüberfall wird ein Täter in seinem Wohnwagen erschlagen. Cabbot sucht den Mörder, während Banks von seinem Vorgesetzten gebeten wird, in London seine von zu Hause abgehauene Tochter zu suchen.

Die vier jeweils neunzigminütigen Fälle sind gute britische Polizeikrimis, in denen immer wieder gezeigt wird, dass Polizeiarbeit Teamarbeit ist und dass an einem Fall viele Polizisten arbeiten. Das ist traditionsbewusste Krimikost, die sich auf das gute Erzählen ihrer Geschichten konzentriert. Dabei stehen die Fälle im Mittelpunkt. Über das Privatleben von Banks und Cabbot erfahren wir fast nichts und das ist gut so.

Inspector Banks“ ist zwar nicht so innovativ wie „Sherlock“ oder „Luther“, aber flott erzählte Krimiunterhaltung mit einem düsteren Unterton ist es allemal.

Die deutschen Ausgaben der Banks-Romane erschienen im Ullstein Verlag. Derzeit sind keine weiteren Übersetzungen geplant.

Inspector Banks - DVD-Cover - 4

Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel (DCI Banks, GB 2010/2011)

LV: Romane von Peter Robinson

mit Stephen Tompkinson (DCI Alan Banks),Andrea Lowe (DS Annie Cabbot), Lorraine Burroughs (DS Winsome Jackman), Jack Deam (DC Ken Blackstone), Colin Tierney (Chief Supt Gerry Rydell)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 360 Minuten (4 Folgen à 90 Minuten, 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die ersten verfilmten Fälle von DCI Banks

Robinson - Aftermath - 2Robinson - Wenn die Dunkelheit fällt - 2

Aftermath (Aftermath, GB 2010)

Regie: James Hawes

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Aftermath, 2001 (Wenn die Dunkelheit fällt)

TV-Erstausstrahlung als „Banks – Der Solist“

Kein Rauch ohne Feuer (Playing with Fire, GB 2011)

Regie: Paul Whittington

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Playing with Fire, 2004 (Kein Rauch ohne Feuer)

Robinson - Wenn die Dämmerung nahtRobinson - Kalt wie das Grab

Wenn die Dämmerung naht (Friend of the Devil, GB 2011)

Regie: Bill Anderson

Drehbuch: Laurence Davey

LV: Peter Robinson: Friend of the Devil, 2007 (Wenn die Dämmerung naht)

Kalt wie das Grab (Cold is the Grave, GB 2011)

Regie: Marek Losey

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Cold is the Grave, 2000 (Kalt wie das Grab)

Hinweise

BBC Germany über „Inspector Banks“

Homepage von Peter Robinson

Krimi-Couch über Peter Robinson

Wikipedia über Peter Robinson (deutsch, englisch) und „Inspector Banks“ 


TV-Tipp für den 30. August: Lili Marleen

August 30, 2013

3sat, 22.35

Lili Marleen (D 1980, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Manfred Purzer, Rainer Werner Fassbinder, Joshua Sinclair (Mitarbeit)

LV: Lale Andersen: Der Himmel hat viele Farben

Fassbinders Version von Lale Andersens Leben. Gedreht im UFA-Look, aber mit genug Haken und Ösen, um jede blinde Identifikation zu verhindern.

Mit Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Karl-Heinz von Hassel, Christine Kaufmann, Hark Bohm, Karin Baal, Udo Kier, Erik Schumann, Gottfried John, Elisabeth Volkmann, Barbara Valentin, Adrian Hoven, Willy Harlander, Franz Buchrieser, Rainer Werner Fassbinder, Brigitte Mira, Irm Hermann, Harry Baer, Milan Boor, Volker Spengler

Hinweise

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über die Kuba-Pauschalreise „¡Hasta La Vista, Sister!“

August 29, 2013

Unsere Großeltern besuchten Kuba, bevor Fidel Castro Máximo Líder wurde, wegen des sonnigen Klimas und der Casinos. Die Mafia soll da auch ihre Hände drin gehabt haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unsere Eltern besuchten Kuba, um Fidel Castro beim Aufbau der kommunistischen Gesellschaft und als Bollwerk gegen die imperialistischen USA zu helfen. In den Sommerferien war, für die gute Sache, Schwitzen in der Sonne angesagt. Wer hat gesagt, dass Revolution einfach sei?

Wir müssen Kuba überhaupt nicht mehr besuchen, weil wir ja die wunderschönen CDs des Buena Vista Social Clubs haben und uns Wim Wenders‘ Film über die alten Musiker ansehen können.

Aber wer dieses Jahr seine Kuba-Dosis ohne den Buena Vista Social Club haben will, sollte sich „¡Hasta La Vista, Sister!“ ansehen. Denn das von John Roberts (Regie) und Eirene Housten (Drehbuch) im Film präsentierte Kuba erfüllt alle Wünsche des Kuba-Pauschaltouristen mit Musik, Herzschmerz und ansehnlichen Kubanern. Kubanerinnen gibt es nicht, weil die Protagonisten des Films zwei Frauen sind: die schottischen Schwestern Ailie und Rosa. Sie sind, streng nach Drehbuchschule, sehr gegensätzlich. Ailie ist ein strammer Modejunkie, die in jeder Situation auf ihr gepflegtes Äußeres achtet. Rosa, benannt nach Rosa Luxemburg, macht ihrem Namen als politische Aktivistin alle Ehre.

Als ihr Vater Roddy stirbt und seine zweite Ehefrau aus Roddys Asche, weil Golf sein Leben war, eine Golf-Trophäe anfertigen will, klaut Rosa die Asche. Sie will sie nach Kuba bringen. Dort hatte er mit ihrer Mutter, die er während eines revolutionären Arbeitsaufenthaltes kennenlernte und die dort beerdigt ist, seine beste Zeit gehabt und dort soll er deshalb auch beerdigt werden.

Gegen ihren Willen wird Rosa von Ailie, die standesgemäß viele Koffer dabei hat und für Kuba im schicken Fünfziger-Jahre-Retro-Stil, der sich für den Strand- und Casinobesuch gleichermaßen eignet, gekleidet ist, und Conway, ihrem von ihr angeschwärmten Genossen und Freund, der stolz seinen Schottenrock trägt, begleitet.

Auf Kuba – nun, wenn ich jetzt sage, dass dort fast jedes Kuba-Klischee bedient wird, inclusive einem heißen Abend in einem kubanischen Club und den freundlichen, überaus hilfsbereiten und unverschämt gutaussehenden kubanischen Männern (Hach, welche Revolutionärin vergisst da nicht mal kurz die Revolution? Welche Fashionista vergisst da nicht mal kurz den Kleiderwechsel?) und auch die Konflikte zwischen den Schwestern in den erwartbaren Bahnen in Richtung Harmonie verlaufen und sie einiges über den Kuba-Aufenthalt ihres Vaters erfahren, das er ihnen nicht erzählte, verrate ich schon fast zu viel.

¡Hasta La Vista, Sister!“ ist halt klassisches Feelgood-Kino mit einer humoristischen Note, das kein Kuba-Klischee auslässt und nicht besonders tiefgründig ist. Es ist letztendlich britisches Qualitätskino, das man allerdings auch schnell wieder vergisst, weil alles doch zu harmlos und zu konventionell ist.

Das vor kurzem gestartete Roadmovie „Jackie – Wer braucht schon eine Mutter“ machte mehr aus einer ähnlichen Schwesternkonstellation. Denn Americana-Klischees, inclusive der Landschaft, sind doch etwas rauer. Die biestige Mutter Jackie taugt wahrlich nicht zur Verklärung und sie war auch nur die Samenspenderin für den Kinderwunsch schwuler Vorzeigeeltern. Das ist dann doch eine viel unkonventionellere Ausgangslage. 

Hasta la Vista Sister - Plakat

¡Hasta La Vista, Sister! (Day of the Flowers, Großbritannien 2012)

Regie: John Roberts

Drehbuch: Eirene Housten

mit Eva Birthistle, Charity Wakefield, Carlos Acosta, Bryan Dick, Christopher Simpson

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Deutsche Homepage über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Film-Zeit über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Moviepilot über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Rotten Tomatoes über „¡Hasta La Vista, Sister!“


TV-Tipp für den 29. August: Die Prinzessin von Montpensier

August 29, 2013

WDR, 23.25

Die Prinzessin von Montpensier (Frankreich 2010, R.: Bertrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier

LV: Madame de la Fayette: La Princesse de Montpensier,1662

Während des Glaubenskriegs in Frankreich zwischen Katholiken und Hugenotten wird Marie aus politischen Gründen mit dem Prinzen von Montpensier verheiratet. Aber sie liebt ihren Cousin.

Prächtiger Historienfilm von Bertrand Tavernier, der zu einer unwürdig späten Uhrzeit seine TV-Premiere hat.

Diese Geschichte ist für Tavernier der dramaturgische Faden um ein episches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Er zeigt, immer wieder, wie damals Politik mit Heiraten gemacht wurde, der ersten Nacht mit der Braut, von dem Zwiespalt zwischen Aberglaube, Religion und den Naturwissenschaften, welche Konventionen das Leben bestimmten und wie das Leben am Hof, auf dem Land war und auf dem Schlachtfeld war. Dabei erscheint das in dem Film gezeichnete Bild der Vergangenheit realistisch – und gleichzeitig ist es doch, dank der Inszenierung und der Musik von Philippe Sarde, ein sehr zeitgenössischer Film. Außerdem sind die in dem Film angesprochenen Themen heute teils immer noch, teils wieder aktuell. 

mit Mélanie Thierry, Lambert Wilson, Grégoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Prinzessin von Montpensier“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


Ist Hubert „Täuscher“ in Andrea Maria Schenkels neuem Roman ein Mörder?

August 28, 2013

Schenkel - Täuscher - 2

Mit 240 Seiten ist der neue Roman von Andrea Maria Schenkel überraschend lang geraten. Denn ihre vorherigen Bücher „Tannöd“, „Kalteis“, „Bunker“ und „Finsterau“ konnten wirklich bequem in einem Rutsch gelesen werden.

Weniger überraschend ist, dass sie sich wieder einen historischen Fall als Inspiration genommen hat und den in Zeitungen und Protokollen dokumentierten Fakten – so staubtrocken liest es sich immer wieder – mehr oder weniger akkurat folgt.

1922 wurden in Landshut die 32-jährige Clara Ganslmeier und ihre 77-jährige Mutter Elsa (sieht, auch für heutige Verhältnisse, nach einer extrem späten Geburt aus) bestialisch ermordet. Die Polizei findet schnell den mutmaßlichen Täter: Hubert Täuscher, den Verlobten von Clara, der als Bürstenfabrikantensohn nur Flausen im Kopf hat und an ständiger Geldnot leidet. Er soll sie aus Habgier ermordet haben und den Schmuck an Luck Schinder, einen Freund mit verbrecherischer Vergangenheit, verscherbelt haben.

So weit, so konventionell. Weil Schenkel, wie immer in ihren Bücher, munter in der Chronologie und zwischen verschiedenen „Handlungssträngen“ (eher Handlungssplitter) hin- und herspringt, ist einerseits die Lösung, also der Ablauf des Doppelmordes und der Mörder, ziemlich schnell klar, andererseits bleibt eine milde Grundspannung, weil es ja doch nicht so einfach sein kann und man einen guten Teil der Lesezeit damit verbringt, die Ereignisse chronologisch zu ordnen.

Denn Schenkel benutzt diese Zeitsprünge als ein willkürliches Mittel, um von der Dürftigkeit ihrer Geschichte abzulenken.

Dabei können Zeitsprünge und Perspektivenwechsel gute erzählerische Mittel sein, um den Lesern und Zuschauern in dem Moment, in dem sie angewandt werden, für den Fortgang der Geschichte wichtige Informationen zu geben oder um die Spannung zu steigern.

In „Täuscher“ führen sie zur Distanz. Auch weil Schenkel meistens in einer biederen Beamtenprosa, die direkt aus Gerichtsdokumenten und schlechten Zeitungsreportagen stammt, schreibt und damit alle Charaktere papierne Erfüllungsgehilfen einer unklaren These bleiben.

Es langweilt, weil kaum etwas wirklich wichtiges für den Fortgang der Geschichte geschieht und vieles ohne großen Erkenntnisgewinn, aber aus verschiedenen Perspektiven, immer wieder wiederholt wird.

Und gerade Hubert Täuscher bleibt als verstockter Angeklagter, der bis nach der Urteilsverkündung wie ein auf frischer Tat ertappter Bengel seine Unschuld beteuert, ein Rätsel. Danach erklärt er zwar sein Verhalten und die wahren Hintergründe, die für halbwegs geübte Leser von Anfang an offensichtlich waren, und unser lange gehegter Verdacht, dass sogar ein kreuzdämlicher Trottel gegenüber Hubert Täuscher eine Intelligenzbestie ist, bewahrheitet sich. Der Mann hat seine Strafe wirklich verdient.

Wer historische Kriminalromane, die in Deutschland spielen, lesen will, sollte sich stattdessen die Bücher von Robert Brack und Robert Hültner, die in ihren gut geschriebenen Romanen spannend, informativ und glaubwürdig Fakten mit Fiktion mischen, ansehen. Ihre Romane haben all das, was „Täuscher“ fehlt.

Andrea Maria Schenkel: Täuscher

Hoffmann und Campe, 2013

240 Seiten

18,99 Euro

Hinweise

Homepage von Andrea Maria Schenkel

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Kalteis“ (2007)

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels “Bunker” (2009)

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Finsterau“ (2012)

Andrea Maria Schenkel in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. August: Do the Right Thing

August 28, 2013

Arte, 21.35

Do the Right Thing (USA 1989, R.: Spike Lee)

Drehbuch: Spike Lee

Eine schwüle Sommernacht in Brooklyn – und alle Treffen sich in Sal’s Pizzeria.

Spike Lees dritter Spielfilm und inzwischen ein Klassiker.

Lee macht im Grunde etwas sehr Mutiges. Er hält seinen eigenen Leuten ihren eigenen Rassismus vor. Erst wenn sie dies erkennen, sind sie in der Lage, anders mit dem Rassismus der Weißen umzugehen, als es das Ende des Films zeigt.“ (Fischer Film Almanach 1990)

Das Richtige getan hat Lee, indem er einen Film gedreht hat, der seine Dringlichkeit in keinem Augenblick vermeint, ohne deshalb Lösungen mit auf den Weg geben zu wollen. Statt die eine richtige Position zu behaupten, orchestriert Lee virtuos eine Vielzahl von Positionen.“ (Cristina Nord, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)

mit Danny Aiello, Ossie Davis, Ruby Dee, Richard Edson, Spike Lee, Giancarlo Esposito, Bill Nunn, John Turturro, John Savage, Samuel L. Jackson, Rosie Perez, Martin Lawrence

Hinweise

Homepage von “40 Acres and a Mule Filmworks” (Firma von Spike Lee)

Drehbuch “Do the Right Thing” von Spike Lee

Rotten Tomatoes über „Do the Right Thing“

Wikipedia über „Do the Right Thing“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Do the Right Thing”

New York Magazine: Interview mit Spike Lee über “Do the Right Thing” (7. April 2008)

Los Angeles Times: Jason Matloff über “Do the Right Thing” zwanzig Jahre nach der Premiere” (24. Mai 2009)

NPR: Diskussion über “Do the Right Thing” zwanzig Jahre nach der Premiere  (24. Juni 2009)

Meine Besprechung von Spike Lees „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“ (Miracle at St. Anna, USA/I 2008)


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