Neu im Kino/Filmkritik: Berlinale-Liebling „Gloria“ sucht die Liebe

 

Paulina Garcia gewann auf der diesjährigen Berlinale den silbernen Bären für ihre Darstellung einer geschiedenen, berufstätigen Endfünfzigerin und Mutter, die sich noch jung fühlt und in Santiago de Chile auf Single-Partys nach dem Mann für die nächsten Jahre sucht. Als sie den sieben Jahre älteren Rudolfo trifft, glaubt sie, das große Los gezogen zu haben. Aber Rudolfo hängt noch an seiner Ex-Frau und will Gloria seinen Kindern nicht vorstellen – und wir dürfen verfolgen, wie sie mit dem Problem umgeht.

Das Projekt ‚Gloria‘ ergab sich aus Überlegungen darüber, ob es wohl möglich wäre, einen Film über die Frauen aus der Generation meiner Mutter zu drehen, und – falls ja – wie ein solcher Film denn dann aussehen könnte. (…) Ich hatte einfach Lust, den mir vorerst noch fremden Planeten dieser Generation zu erforschen und zu sehen, was mir dort wohl begegnen würde“, sagt Autor und Regisseur Sebastián Lelio über seinen Film „Gloria“ und seine Protagonistin Gloria.

Diese hat seltsam wenige stabile soziale Kontakte. Immerhin scheint sie schon ihr ganzes Leben in Santiago de Chile zu leben, aber trotz Familie (die Eltern sind wohl schon gestorben), Kindern, die nicht weggezogen sind und einer anscheinend verantwortungsvollen Tätigkeit in einem Büro kennt sie niemand für ein freundschaftliches Gespräch und sie hat auch keine Hobbys, die ihrem Leben irgendeinen Sinn verleihen. Ihr einziges Lebensziel ist es, den richtigen Mann fürs Leben, naja, für die noch verbleibenden Jahre, zu finden – und das scheint für Gloria die einzige Möglichkeit zu sein, ein vollwertiges Leben zu führen. Das mag für chilenische Sechzigjährige, die einem stark katholisch geprägtem Land ihr Leben verbrachten, zutreffend sein, aber wir reden hier auch von einer Frau, die ungefähr 1955 geboren wurde.

Außerdem plätschert Sebastián Lelios Charakterstudie, der im wesentlichen chronologisch einige Monate im Leben von Gloria erzählt, ziemlich schnell, nachdem sie ihren Traummann trifft, eher ereignislos vor sich hin. Denn die Beziehung zwischen ihr und Rudolfo entwickelt sich nicht weiter. Es ist ein zähes und ermüdendes hin und her zwischen Zusammensein und Trennung, das immer wieder den gleichen Konflikt, mit fast den gleichen Worten thematisiert. Denn es ist wirklich egal, ob Rudolfo Gloria seinen Kindern nicht vorstellen will, weil er noch an seiner Ex-Frau hängt, oder er ein Treffen mit Gloria wegen eines nichtigen familiären Problems absagt. Es ist schon beim ersten Mal klar, dass er Gloria nicht das geben kann, was sie will und irgendwann erkennt sie das.

Am Ende des daher eher langatmigen Films steht Gloria wieder da, wo sie am Anfang war, ohne klüger zu sein. Dazwischen gibt es etliche, in dieser Ausführlichkeit vollkommen überflüssige Sex- und Nacktszenen, die vor allem zeigen, dass auch Über-Fünfzigjährige noch Sex haben können.

Da ist mir „Frances Ha“, die einfach ihr Leben genießen will und gar nicht nach Mr. Right sucht, viel lieber. Auch ohne Nacktszenen.

Gloria - Plakat

Gloria (Gloria, Spanien/Chile 2012)

Regie: Sebastián Lelio

Drehbuch: Sebastián Lelio

mit Paulina García, Sergio Hernández, Diego Fontecilla, Fabiola Zamora, Coca Guazzini, Hugo Moraga

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gloria“

Rotten Tomatoes über „Gloria“

Wikipedia über „Gloria“

Berlinale: „Gloria“-Pressekonferenz

 

 

 

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