Weil für Gordon Ferris „Mord ist nur ein Spiel“ ist, gewährt er eine „Galgenfrist für einen Toten“

 

Ferris - Mord ist nur ein Spiel - 2Ferris - Galgenfrist für einen Toten - 2

Auf der Insel wird der Schotte Gordon Ferris mit Ian Rankin verglichen. Das ist ein billiger Vergleich, weil ungefähr jeder zweite Kriminalromanautor mit dem bekannt-beliebten Ian Rankin verglichen wird, genauso wie derzeit jeder Fantasy-Autor einen J.-K.-Rowling-Vergleich und jeder Horror-Schriftsteller einen Stephen-King-Vergleich ertragen muss. Einerseits ist der Vergleich in diesem Fall ziemlich treffend, weil die Romane von Gordon Ferris sich in England seit Jahren gut verkaufen. Von seinem Privatdetektivroman „Galgenfrist für einen Toten“ wurden bei Amazon bis November 2012 170.000 E-Books und in den sechs Monaten vor der regulären Buchpublikation 200.000 E-Books verkauft. Er ist dieses Jahr für den Dagger in the Library von der CWA nominiert. Der Preis würdigt Autoren, die den Benutzern von Bibliotheken, vulgo den Lesern, am Besten gefielen. Außerdem laufen beide Autoren unter dem Label „Tartan Noir“, unter dem Noirs, die in Schottland spielen, verkauft werden.

Andererseits ist der Vergleich Mumpitz. Denn Ian Rankins Romane spielen in der Gegenwart, oft spricht Rankin in seinen Romanen Ereignisse, die gerade die Schlagzeilen beherrschen und die Bevölkerung von Edinburgh bewegen, direkt an und Inspector John Rebus, sein bekanntester Charakter, ist ein Polizist.

Die Romane von Gordon Ferris spielen unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und seine Protagonisten sind noch traumatisiert vom Krieg. Außerdem sind seine beiden Seriencharaktere Danny McRae und Douglas Brodie Privatdetektive. Wobei Brodie ein Journalist ist, der in „Galgenfrist für einen Toten“ in Glasgow der Verteidigerin Samantha Campbell (abgekürzt Sam) helfen soll, Beweise für die Unschuld des zum Tode verurteilten Hugh „Shug“ Donovan zu finden. Donovan hat seine Anwältin ausdrücklich darum gebeten, dass sein Jugendfreund, mit dem er sich vor siebzehn Jahren wegen Fiona zerstritt, diese Beweise finden soll. Donovan soll Fionas Sohn Rory und vier weitere Kinder ermordet haben. Die Beweise für seine Schuld sind allerdings zweifelhaft.

Galgenfrist für einen Toten“ ist der gelungene Auftakt von Gordon Ferris‘ zweiter Serie. In England erschien inzwischen der dritte, für den Ellis-Peters-Award nominierte Douglas-Brodie-Roman „Pilgrim Soul“.

Sein Debüt „Mord ist nur ein Spiel“, das bereits 2007 erschien und erst jetzt übersetzt wurde (und was eine weitere Gemeinsamkeit mit Ian Rankin ist: als die erste deutsche Übersetzung erschien, war Rankin in seiner Heimat bereits ein Bestsellerautor), spielt in London.

Dort hat Danny McRae eine Detektei eröffnet. Im Auftrag von Kate Graveney soll er herausfinden, ob sie den spurlos verschwundenen Major Philip Anthony Caldwell ermordet hat. Der ist McRaes ehemaliger Vorgesetzter vom Nachrichtendienst, den er wegen seiner Kriegserlebnisse sprechen möchte.

Gleichzeitig werden in London Prostituierte ermordet. McRae, der nach dem Krieg an periodischem Gedächtnisverlust leidet und der aus ihm unerklärlichen Gründen von der Mordserie fasziniert ist, glaubt, als Soldat in Frankreich während einer Geheimdienstoperation eine Widerstandskämpferin getötet zu haben. Er befürchtet, dass er der Prostituiertenmörder ist.

Eingefleischte Krimifans werden die Täter und die Hintergründe für die Morde in „Mord ist nur ein Spiel“ und „Galgenfrist für einen Toten“, auch wenn es einige Überraschungen gibt, schnell erahnen.

Trotzdem bleibt man dabei. Denn Ferris zeichnet ein lebendiges Bild der damaligen Zeit und es macht Spaß, seinem unprätentiösen, leicht melancholischen Erzähler – beide Romane sind als klassische Privatdetektivromane natürlich aus der Sicht des Detektivs geschrieben – zuzuhören.

Deshalb sollten Freunde von Privatdetektiv-Romanen, vor allem der US-Hardboiled-Schule à la Dashiell Hammett und Raymond Chandler, den Ferris öfter erwähnt, unbedingt zugreifen.

Gordon Ferris: Mord ist nur ein Spiel

(übersetzt von Manfred Sanders)

Festa, 2013

352 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Truth Dare Kill

Créme de la Crime, 2007

Gordon Ferris: Galgenfrist für einen Toten

(übersetzt von Usch Kiausch)

Festa, 2013

448 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

The Hanging Shed

Atlantic Books, 2010

Hinweise

Homepage von Gordon Ferris

Shotsmag: Interview mit Gordon Ferris (2012)

The Scotsman: Interview mit Gordon Ferris über seine Douglas-Brodie-Serie (30. März 2013)

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