Frank Göhre begibt sich auf die „Geile Meile“

Göhre - Geile Meile

Für langjährige Frank-Göhre-Fans enthält „Geile Meile“, außer dem Essay „Es war einmal St. Pauli“ und der dreiseitigen Nachbemerkung, nichts neues. Nach „Die Kiez-Trilogie“, der seine Romane „Der Schrei des Schmetterlings“ (1986), „Der Tod des Samurai“ (1989) und „Der Tanz des Skorpions“ (1991) über die Organisierte Kriminalität in Hamburg, vor allem in St. Pauli, enthält und die als düstere, semidokumentarische Noirs das Kernstück des Frank-Göhre-Kults sind, sind in „Geile Meile“ zwei Romane, zwei Novellen und das eben erwähnte Essay enthalten.

Es sind der unmittelbar nach den drei St.-Pauli-Romanen entstanden „Short Cuts“-ähnlichen Roman „St. Pauli Nacht“, in dem Göhre anhand mehrerer vollkommen unterschiedlicher Menschen, die sich höchstens zufällig begegnen, in knappen Szenen von einer normalen Nacht auf der Vergnügungsmeile erzählt. Sönke Wortmann verfilmte das Buch mit Starbesetzung durchaus gelungen.

Zappas letzter Hit“ führt zehn Jahre nach den Ereignissen von „Der Tanz des Skorpions“ die Geschichte der damals wichtigen und überlebenden Protagonisten fort, bildet einen Epilog zur Kiez-Trilogie und ist auch ein Abgesang auf ein St. Pauli, das es nicht mehr gibt. Außerdem porträtiert der Roman die Hamburger Stadtpolitik vor über einem Jahrzehnt und kann daher inzwischen schon als historischer Roman gelesen werden.

Rentner in Rot“ und „Der letzte Freier“ sind zwei Novellen, in denen Hauptkommissar Jörg Fedder, den wir unter anderem aus den Kiez-Romane kennen, auf Mördersuche geht. Einmal wurde eine Rentnerin ermordet, einmal eine Prostituierte.

Es war einmal St. Pauli“ ist ein 24-seitiges Essay in dem Frank Göhre sich mit den Spielfilmen „Polizeirevier Davidwache“ (1964), „Der Engel von St. Pauli“ (1969) und „Zinksärge für die Goldjungen“ (1973) von Jürgen Roland und den zahlreichen Verbindungen zwischen den Filmen und der Realität beschäftigt.

Für Noch-nicht-Frank-Göhre-Fans ist „Geile Meile“, die Ideen und Themen der Kiez-Trilogie fortführt, natürlich ein guter Einstieg in sein Werk, das inzwischen fast vollständig bei Pendragon vorliegt. Wobei ich „Zappas letzter Hit“ erst nach der Kiez-Trilogie lesen würde.

Frank Göhre: Geile Meile

Pendragon, 2013

512 Seiten

14,99 Euro

enthält

Zappas letzter Hit

Pendragon, 2006

St. Pauli Nacht

rororo, 1993

(danach mehrere, teilweise bearbeitete Neuveröffentlichungen mit unterschiedlichem Bonusmaterial)

Rentner in Rot

Schwarze Hefte, Band 1, 1999

(Nachdruck in „St. Pauli Nacht“, Pendragon 2007)

Der letzte Freier

Edition Nautilus (Kaliber .64), 2006

Es war einmal in St. Pauli

Erstveröffentlichung

Hinweise

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Die Kiez-Trilogie” (2011)

Meine Besprechung von Frank Göhres „I and I – Stories und Reportagen“ (2012)

Frank Göhre in der Kriminalakte

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