DVD-Kritik: „Gallowwalkers“ und Wesley Snipes im Wilden Westen

Ein Western mit Untoten. Warum nicht? Immerhin spielen viele Geschichten mit Vampiren im Europa des neunzehnten Jahrhunderts. Da können sich einige Vampire auch in die USA verirrt haben. Trotzdem ist die Idee, abgesehen von einigen obskuren Filmen, eher neu. Joe R. Lansdale schrieb mehrere Weird-Western-Geschichten mit Reverend Jebediah Mercer, der in Dirty-Harry-Manier gegen verschiedene mehr oder weniger übersinnliche Wesen kämpft. Scott Snyder erfand mit „American Vampire“ eine grandiose Comicsaga über europäische Vampire, die im Wilden Westen den amerikanischen Vampir ersaugten. Im Film herrscht da bislang eine gewisse Dürre. Auch weil der Western derzeit, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eher ein Untoten-Dasein führt. „True Grit“ war erfolgreich. „Appaloosa“ kam überhaupt nicht in die deutschen Kinos. TV-Western und Westernserien, wie „Deadwood“ und „Hell on Wheels“, laufen in den USA ziemlich gut, erscheinen hier nur, falls überhaupt, auf DVD. Crossover-Western, wie „Cowboys & Aliens“ (gefiel mir), „Jonah Hex“ (einfach nur katastrophal) und „Lone Range“ (kein Kommentar), waren definitiv keine Kassenhits.

Gallowwalkers“ wird daran nichts ändern. In dem bereits im Oktober 2005 in Namibia gedrehtem Film spielt Wesley Snipes, der die letzten Jahre, wenn er nicht wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis saß, in obskuren Filmen mitspielte, Aman. Er ist auf einem Rachefeldzug gegen die Männer, die seine verstorbene Frau vergewaltigten und schwängerten. Weil sie durch seine verfluchten Kugel nicht sterben, sondern zu einer Mischung aus Zombie und Vampir werden (also: nicht tot, aber beweglich und unempfindlich gegenüber dem Tageslicht), muss er ihnen auch noch den Kopf abschlagen. Auf seiner Farm kommt es zu einer Konfrontation zwischen Aman und Kansa, dem Anführer der Vampire, und seiner Frau Kisscut.

Regisseur Andrew Goth benutzt den Racheplot zu einer in der Wüste spielenden pseudo-existentialistischen Fabel irgendwo zwischen Italo-Western, europäischem Kunstfilm, surrealistischer „El Topo“Fantasie und Drogentrip, die mit erhöhtem Drogenkonsum immerhin davon ablenkt, nach Sinn und Logik der Geschichte zu fragen. Denn hier wurden einfach, ohne großen Zusammenhang, mehr oder weniger gut aussehende Bilder zu einem einzigen kruden Kladderatdatsch aneinandergereiht.

Der gescheiterte Versuch eines surrealistischen Vampir-Westerns taugt noch nicht einmal als Trash-Vergnügen.

Gallowwalkers - DVD-Cover

Gallowwalkers (Gallowwalkers, USA/UK 2012)

Regie: Andrew Goth

Drehbuc: Andrew Goth, Joanne Reay

mit Wesley Snipes, Kevin Howarth, Riley Smith, Tanit Phoenix, Simona Brhlíková, Steven Elder, Patrick Bergin

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews, B-Roll, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gallowwalkers“

Wikipedia über „Gallowwalkers“ (deutsch, englisch)

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