DVD-Kritik: „No one lives – Keiner überlebt“ und gestorben wird blutig

Da haben die Hinterwäldler, dieses Mal eine Gruppe, familiär miteinander verbundener Verbrecher mit Kleinstadt-Rockerattitüde (was sie in ihrer Dummheit noch gefährlicher macht), einen wirklich eine dummen Fehler begangen. Denn das junge Pärchen, das sie sich geschnappt haben, ist nicht ohne. Sie bringt sich, als sie ihren Göttergatten erpressen wollen, gleich selbst um, indem sie ihre Kehle in das Messer rammt und blutig stirbt. In seinem Auto entdecken sie, versteckt im Kofferraum, eine zweite Frau, die vor einigen Monaten spurlos verschwand. Ihre Familie hat eine hohe Belohnung auf Informationen über ihre blonde Tochter ausgesetzt. Die Hinterwäldlersippe glaubt, den Jackpot gewonnen zu haben, bis sie erfahren, dass ihr Gefangener, der im Film nur „Fahrer“ (Driver) genannt wird, sich befreien konnte, dabei gleich ein Familienmitglied blutig tötete und jetzt ihre einsam gelegene Hütte belagert mit dem Ziel, den Filmtitel „No one lives“ blutig umzusetzen.

Autor David Cohen nennt seine Geschichte einen „genre bending Slasher-Film“, weil für uns der Fahrer (aka der Slasher) der Protagonist sei und wir ihm die Daumen drückten. Das stimmt auch; irgendwie. Denn er ist, gespielt von Luke Evans (zuletzt „Fast & Furious 6“, demnächst „Der Hobbit: Snaugs Einöde“) als Bruce-Campbell-Lookalike, wirklich noch die sympathischste Figur in dieser Ansammlung von Verbrechern. Auch sein Opfer Emma (Adelaide Clemens) kommt nicht besonders gut weg, weil sie sich auf die Rolle der Wissenden zurückzieht, die einfach schicksalergeben bis zum Ende passiv abwartet. Sie ist das blonde Äquivalent zu einer Tasche voller Geld und entsprechend nützlich.

Bis Emma im Kofferraum entdeckt wird, haben alle Charaktere sich so seltsam verhalten und auch unbeholfen gespielt, dass sie alle den Weg in die Annalen des Schlechten Schauspiels, aber nicht in unsere Herzen finden.

Im Nachhinein war das natürlich der nicht gelungene Versuch von „Midnight Meat Train“-Regisseur Ryûhei Kitamura, eine unheimliche Atmosphäre zu kreieren und zu zeigen, dass vor allem das nette, durchreisende Pärchen nicht das ist, was es behauptet.

Aber auch wenn der Fahrer dann die Gangster belagert, interessieren wir uns für die Hinterwäldler nur als Schlachtvieh für den quasi unverwundbaren Fahrer.

Letztendlich ist „No one lives“ nur ein Abschlachten von ziemlich unsympathischen Charakteren, das nur aufgrund seiner Länge nicht langweilt. Denn bereits nach 73 Minuten ist die Geschichte zu Ende; danach gibt es noch einen achtminütigen Abspann.

Das Bonusmaterial wirkt auf den ersten Blick pompöser als es ist. Die zwölf Interviews mit den Schauspielern, dem Regisseur, dem Autor und den Produzenten sind kurze, meist banale Statements, die in wenigen Minuten gesehen sind. Dann gibt es noch eine B-Roll und den Trailer in der deutschen und englischen Fassung.

Diese Fassung ist um 90 Sekunden gekürzt und, auch ohne nachzusehen, dürfte klar sein, welche Bilder in dem Schlachtfilm fehlen.

No one lives - DVD-Cover

No one lives – Keiner überlebt (No one lives, USA 2013)

Regie: Ryûhei Kitamura

Drehbuch: David Cohen

mit Luke Evans, Adelaide Clemens, Lee Tergesen, Derek Magyar, America Olivo, Beau Knapp , Lindsey Shaw

DVD

Tiberius Film/Sunfilm

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interviews, B-Roll, Trailer

FSK: ab 18 Jahre

Länge: 81 Minuten

Hinweise

Metacritic über „No one lives“

Rotten Tomatoes über „No one lives“

Wikipedia über „No one lives“

 

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