TV-Tipp für den 24. Oktober: Das Gespenst

 

Arte, 01.05

Das Gespenst (Deutschland 1982, R.: Herbert Achternbusch)

Drehbuch: Herbert Achternbusch

TV-Premiere eines Films, der damals einen ziemlichen Skandal auslöste und, im Rückblick, mit dem Tod von Rainer Werner Fassbinder das Ende des Jungen Deutschen Films bedeutete. Herbert Achternbusch erzählt gewohnt brachial-grotesk eine ziemlich blasphemische Geschichte über einen Jesus, der durch das damalige Bayern wandelt – und er fragt auch danach, was in der heutigen Gesellschaft der christliche Glaube bedeutet und wie sehr er in der Amtskirche aufgehoben ist.

hinter dem Film [wird] als ganzem eine Verzweiflung deutlich, die ernst zu nehmen ist, die fragt, wie weit die Kirche (…) zum gegenwärtigen furchterregenden Zustand der Welt beigetragen hat. Jeder angemaßten Ordnung, auch der kirchlichen, hält Achternbusch das wilde Denken des Surrealismus, in dessen Tradition er steht, und die tatsächlichen Bedürfnisse des Menschen, z. B. nach Liebe, entgegen.“ (Fischer Film Almanach 1984)

Und damit ist „Das Gespenst“ heute noch wichtiger als vor dreißig Jahren.

Zum Skandal wurde der Film, weil Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU), der sich in seinem religiösen Gefühl beleidigt fühlte, Achternbusch damals die letzte Rate der zugesagten Fördergelder verweigerte und damit eine Diskussion über die Freiheit der Kunst auslöste.

Der Filmverleiher wurde wegen der Beleidigung eines Religionsbekenntnisses angeklagt. Das Verfahren wurde eingestellt. Kinobesitzer, vor allem in Süddeutschland und auf dem Land, die den Film zeigen wollten, wurden bedroht.

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit nominierte „Das Gespenst“ zum Film des Monats.

Achternbusch erhielt das Geld neun Jahre später.

Ach ja: damals war der Film „frei ab 18 Jahre“ (in zweiter Instanz) und gehörte mit über 140.000 Besuchern zu den bestbesuchten Deutschen Filmen des Kinojahres. Für die DVD-Veröffentlichung wurde „Das Gespenst“ neu geprüft und jetzt ist er „frei ab 12 Jahre“. Wie sich die Zeiten ändern…

mit Herbert Achternbusch, Annamirl Bierbichler, Kurt Raab, Dietmar Schneider

Hinweise

Arte über „Das Gespenst“ (dort auch einige Tage in der Mediathek ansehbar)

Wikipedia über „Das Gespenst“ (deutsch, englisch)

epd Film: Stefan Höltgen über Herbert Achternbusch

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