Neu im Kino/Filmkritik: „Jackpot“ – der perfekte Weihnachtsfilm

Gutgut, Feen und Engel kommen nicht vor.

Obwohl, eigentlich schon. Irgendwie. Nur halt nicht in der Disney-Version.

Weihnachtsmänner gibt es auch nicht. Jedenfalls nicht als Gabenbringer.

Weihnachtsbäume gibt es. Hergestellt aus Abfall, der, geschrettert und gegossen, als geschmacklose Weihnachtsbaum-Travestie das Förderband verlässt. Manchmal auch blutig rot.

Aber das ist ein Nebenprodukt. Ein unbeabsichtiger Produktionsfehler, der entstand, nachdem die vier Fußballtoto-Gewinner die Leiche eines toten Wettkumpels elegant verschwinden lassen wollen, ihn in die Produktionsanlage stecken und zu einer Reihe Weihnachtsbäume verarbeiten lassen, die blutrot gefärbt sind.

In dem Moment sitzt Oscar bereits gewaltig in der Bredouille. Dabei ist er ein grundgütiger, friedfertiger Mann, der schwer „nein“ sagen kann. Er ist der nicht vorbestrafte Leiter einer irgendwo im nirgendwo gelegenen Weihnachtsbaummanufaktur, die nur vorbestrafte Männer einstellt. Drei dieser geistigen Nieten überzeugen ihn, sich beim Fußballtoto zu beteiligen. Der Gewinn soll durch vier geteilt werden. Den Wetteinsatz darf Oscar alleine bezahlen.

Den vorweihnachtlichen Abend verbringen die Vier dann, biertrinkend und feiernd in Oscars Mietwohnung. Als die Tore richtig fallen, sind sie plötzlich unglaublich reich – und schon besiegt die Geldgier die Restvernunft, tödliche Unglücksfälle häufen sich und der Vermieter, ein Ex-Polizist, stellt neugierige Fragen.

Jackpot“, nach einer Geschichte von Krimiautor Jo Nesbø, ist eine in Rückblenden erzählte schwarzhumorige Groteske. Denn nach der Schießerei im Striplokal wird Oscar von einem psychopathischen Polizisten, der von seiner Schuld überzeugt ist, vernommen. Zunehmend verzweifelt versucht Oscar zu erklären, wie es zu einer leichengesättigten Schießerei kam und weshalb er, obwohl sich in den vergangenen Stunden um ihn herum die Leichen stapelten, vollkommen unschuldig ist. Er nur durch widrige Umstände und den sanften Zwang der drei Ex-Sträflinge in diese absurde Geschichte, in der mit letaler Präzision auf Pech Pech und manchmal „dumm gelaufen“ folgt, geriet. Das folgt konsequent der Logik eines Alptraums, bei dem einem selten das Lachen im Hals steckenbleibt.

Jackpot“ ist der Film, der „Pain & Gain“ gerne gewesen wäre.

Jackpot - Plakat

Jackpot – Vier Nieten landen einen Treffer (Arme Riddere, Norwegen 2011)

Regie: Magnus Martens

Drehbuch: Magnus Martens (nach einer Geschichte von Jo Nesbø)

mit Kyrre Hellum, Mads Ousdal, Henrik Mestad, Arthur Berning, Lena Kristin Ellingsen, Fridtjov Såheim

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Film-Zeit über „Jackpot“

Moviepilot über „Jackpot“

Rotten Tomatoes über „Jackpot“

Deutsche Homepage von Jo Nesbø

Englische Homepage von Jo Nesbø

Meine Besprechung von Morten Tyldums Jo-Nesbø-Verfilmung „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

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