Neu im Kino/Filmkritik: Über das grandiose Robert-Redford-Solo „All is lost“

 

Zwei Menschen werden „All is lost“ hassen: der Autor des deutschen Dialogdrehbuchs und Robert Redfords Synchronsprecher. Denn mehr als ein paar Sätze werden in J. C. Chandors Film nicht gesprochen. Neben einem „Fuck“ (Oder waren es sogar zwei?) und einem Notruf gibt es am Filmanfang ein etwas längeres Statement, in dem der von Robert Redford gespielte namenlose Segler sagt, dass er bis zum Ende gekämpft habe. Aber das Statement hätte man auch streichen können. Denn das sehen wir ja in dem Ein-Personen-Stück, das unmittelbar nach der Kollision zwischen einem Segelboot und einem auf dem Indischen Ozean herumschwimmendem Frachtcontainer beginnt. Der Segler kann den Container, der die Schiffswand durchbrach und sich in seinem Boot verhakte, entfernen und das Leck notdürftig abdichten. Dennoch dringt Wasser in sein Boot, sein Funkgerät funktioniert nicht und es kommt noch schlimmer. Ein Sturm zieht auf, er muss sein Segelboot verlassen und in ein Rettungsboot steigen.

J. C. Chandor, der vorher „Der große Crash – Margin Call“ über die Bankenkrise inszenierte, verlässt sich in seinem zweiten Spielfilm, der trotz der Weite des Ozeans, auch weil der Segler immer weniger Optionen hat, sehr klaustrophobisch wirkt, vollkommen auf seinen Hauptdarsteller, der als schweigsamer Segler tut, was getan werden muss. Gerade in seiner Reduktion auf einen Charakter und eine Situation liegt die Stärke von Chandors Parabel.

Schon jetzt wurde der 77-jährige Robert Redford für mehrere Preise, unter anderem den Golden Globe, als bester Schauspieler nominiert – und es ist wirklich beeindruckend, wie er mit seinem minimalistischen Spiel den gesamten Film trägt. Denn alles, was wir über den Segler erfahren, erfahren wir über seine Handlungen oder über die Gegenstände, die es auf dem Boot gibt. Das lässt zwar fast alle Fragen zu seinem bisherigen Leben offen, aber dafür lenkt auch nichts von der Frage ab, wie sehr wir um unser Leben kämpfen sollen und wann, falls überhaupt, wir den Kampf aufgeben sollen, auch wenn anscheinend alles verloren ist.

Der Segler ist jedenfalls der Mann, der niemals aufgibt.

All is lost - Plakat

All is lost (All is lost, USA 2013)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: J. C. Chandor

mit Robert Redford

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „All is lost“

Moviepilot über „All is lost“

Metacritic über „All is lost“

Rotten Tomatoes über „All is lost“

Wikipedia über „All is lost“ (deutsch, englisch)

Und ein Gespräch mit dem Filmkomponisten Alex Ebert, der für seinen „All is lost“-Soundtrack eine Golden-Globe-Nominierung erhielt:

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