Neu im Kino/Filmkritik: „Kill your Darlings – Junge Wilde“ heute, Legenden später

Allen Ginsberg, Jack Kerouac, William Burroughs, die legendären Dichter, und Lucien Carr als Katalysator für deren literarisches Schaffen in einem Film. Wow! „Kill your Darlings – Junge Wilde“ erzählt die Geschichte der Beat-Poeten, bevor sie Beat-Poeten waren. In John Krokidas‘ Film sind sie noch vor dem Anfang ihrer Karriere.

Im Zentrum steht Allen Ginsberg (gespielt von Daniel Radcliffe im störendem Harry-Potter-Outfit), der 1944 als Studienanfänger an die New Yorker Columbia Universität kommt, seinen charismatischen Zimmergenossen Lucien Carr kennen lernt, der ihn in eine für ihn vollkommen neue Welt entführt: denn neben den Freiheiten des Studiums erkundet er auch die damalige Underground-Kunstszene mit ihren Drogen und den fetzigen Bebop-Rhythmen, während im Hinterzimmer Männer sich miteinander vergnügen. Und dann ist da noch David Kammerer, der deutlich ältere, eifersüchtige Freund von Lucien.

In „Kill your Darlings“ heißen die Protagonisten zwar Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William Burroughs und wir kennen, wenigstens rudimentär, ihre späteren Lebensstationen und wissen, wie groß ihr Einfluss war und ist. Aber hier sind sie noch austauschbare Studenten, die noch nichts geschrieben haben und das lockere Studentenleben, inclusive Studentenstreichen, in vollen Zügen genießen. Der Film erzählt einfach Episoden aus Ginsbergs erstem Studienjahr, was zunehmend langweilt, bis dann, am Ende, Lucien Carr plötzlich David Kammerer umbringt. Diese Tat wäre wohl besser als Beginn und nicht als das Ende der Geschichte genommen worden. Denn Carr verteidigte sich, indem er vor Gericht sagte, er habe sich gegen Kammerers homosexuelle Annäherung wehren müssen. Das Gericht ließ – heute unvorstellbar – diese „Ehrenmord“-Argumentation strafmildernd zu. Burroughs und Kerouac schrieben „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“, das erst 2008 veröffentlicht wurde, in dem sie den Mord an Kammerer literarisch verarbeiteten. Aber das war erst nach dem Ende des Films.

Außerdem irritiert, dass diese jungen Männer nicht einen Gedanken an den Weltkrieg verschwenden. Sie sind Hedonisten vom Scheitel bis zur Sohle. Wenn wir nicht wüssten, dass die Geschichte 1944 spielt, könnte sie genausogut in jedem anderen Jahr spielen.

So ist „Kill your Darlings“ dann nur prominent besetztes, biederes Ausstattungskino über einige junge Männer in ihrer Selbstfindungsphase, die später berühmt wurden.

Kill your Darlings - Plakat

Kill your Darlings – Junge Wilde (Kill your Darlings, USA 2013)

Regie: John Krokidas

Drehbuch: John Krokidas, Austin Bunn

mit Daniel Radcliffe, Dane Dehaan, Michael C. Hall, Jack Huston, Ben Foster, David Cross, Jennifer Jason Leigh, Elizabeth Olsen, Kyra Sedgwick

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Kill your Darlings“

Moviepilot über „Kill your Darlings“

Metacritic über „Kill your Darlings“

Rotten Tomatoes über „Kill your Darlings“

Wikipedia über „Kill your Darlings“ 

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One Response to Neu im Kino/Filmkritik: „Kill your Darlings – Junge Wilde“ heute, Legenden später

  1. kanahagino sagt:

    Dieser Beitrag liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, ich muss den Film aber dennoch in Schutz nehmen:
    Dass der Film während des 2. Weltkrieges ist, spielt sehr wohl eine Rolle. Denn Jack’s Freund ist im Krieg, sie hören sich hin und wieder seine Nachrichten an. Er wird im Krieg sogar getötet.
    Das ist sehr wohl ein wichtiger Aspekt der Geschichte. Der Lehrer erwähnt Allen am Anfang des Filmes, dass draussen der Krieg tobt.

    Langweilig ist der Film nicht. Zumindest nicht langweilig für die, die nicht einen Action-Film erwarten. Man sieht sich nicht einen Film an mit der Erwartung, dass einer getötet wird. Sich einen Film mit dieser Erwartung anzusehen kann nur in einer Enttäuschung enden.

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