Herzlichen Glückwunsch, Volker Schlöndorff

März 31, 2014

geboren am 31. März 1939 in Wiesbaden als Sohn eines Arztes. Seine beiden Brüder sind ebenfalls Ärzte.

studierte in Paris Jura und Wirtschaftswissenschaften

ab 1960 bis 1965 Regieassistent bei, unter anderem, Louis Malle, Alain Resnais, Jean-Pierre Melville und Bertrand Tavernier

1965/1966 Regiebüt „Der junge Törless“. Die Robert-Musil-Verfilmung war ein Erfolg. In den nächsten Jahren folgten weitere Literaturverfilmungen.

Sein zweiter Film „Mord und Totschlag“ war ganz anders

1975 die Heinrich-Böll-Verfilmung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ – ein Klassiker

1979 die Günter-Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ – ein Oscar

1981 die Nicolas-Born-Verfilmung „Die Fälschung“

1984 die Marcel-Proust-Verfilmung „Eine Liebe von Swann“

1985 die Arthur-Miller-Verfilmung „Tod eines Handlungsreisenden“

1990 die Margaret-Atwood-Verfilmung „Die Geschichte der Dienerin“ – damals war Science-Fiction noch kein Teenie-Abenteuer

1991 die Max-Frisch-Verfilmung „Homo Faber“

1996 die Michel-Tournier-Verfilmung „Der Unhold“

1998 die James-Hadley-Chase-Verfilmung „Palmetto“ – diesen Film hat niemand von ihm erwartet

2000 „Die Stille nach dem Schuss“ – über in der DDR lebende Westterroristen

Weitere Infos über Volker Schlöndorff auf seiner Homepage, bei Wikipedia (deutsch, englisch), Rotten Tomatoes und natürlich in der Kriminalakte.


TV-Tipp für den 31. März: Bram Stoker’s Dracula

März 31, 2014

Arte, 21.00
Bram Stoker’s Dracula (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: James V. Hart
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Francis Ford Coppolas Interpretation der bekannten Geschichte von Graf Dracula. Nicht schlecht und allein schon wegen der Besetzung einen Blick wert.
mit Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, Richard E. Grant, Cary Elwes, Bill Campbell, Sadie Frost, Tom Waits, Monica Bellucci
Wiederholung: Donnerstag, 3. April, 23.10 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatos über „Bram Stoker’s Dracula“
Wikipedia über „Bram Stoker’s Dracula“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Jüdisches Filmfest, die zwanzigste Ausgabe

März 30, 2014

 

Das heute beginnende „Jüdische Filmfestival Berlin & Potsdam“ hat auch dieses Jahr wieder ein angenehm zusammenhangloses Programm. Jedenfalls in punkto Stil und Qualität der Filme. Solange sie nur irgendetwas mit dem jüdischen Leben und der jüdischen Kultur zu tun haben, qualifizieren sie sich für das Jüdische Filmfestival.

Der Vorteil dieser eklektischen Herangehensweise ist offensichtlich: in den vergangenen zwei Jahrzehnten entstand so eine Chronologie des jüdischen Lebens, ihrer Veränderungen und auch ihrer Vielfalt. Denn Judentum ist mehr als Shoah, Israel und Woody Allen; – wobei Woody Allen dieses Jahr dabei ist. Im von John Turturro inszeniertem Eröffnungsfilm „Fading Gigolo“ spielt er einen Ex-Buchhändler mit einer genialen Geschäftsidee, die ihm schnell Ärger mit der orthodoxen jüdischen Gemeinde einbringt. Sharon Stone und Liev Schreiber sind auch dabei und am 6. November soll die in New York spielende Komödie auch im deutschen Kino starten.

Für Genrejunkies – immerhin sind wir in der „Kriminalakte“ – ist „Big Bad Wolves“ (Mi Mefahed Mezeev Hara, Israel 2013) von Aharon Keshales und Navot Papushado, der auch schon letztes Jahr auf dem Fantasy Filmfest lief, einen Blick wert. Quentin Tarantino nannte ihn, in seiner üblichen überschäumenden Begeisterung, den besten Film des letzten Jahres. So weit würde ich nicht gehen, aber das düstere Drama ist verdammt gut, hat etliche gemeine Überraschungen und eine ordentliche Portion schwarzen Humor. Es geht um einen Vater, der aus dem Mörder seiner kleinen Tochter ein Geständnis herauspressen will. Ein suspendierter Polizist, der zufällig in den Folterkeller stolpert, soll ihm dabei helfen. Aber foltert er den Richtigen?

Witzig könnte die Agentenkomödie „Kidon“ von Emmanuel Naccache mit Tomer Sisley sein. In ihr ermorden vier Mossad-Agenten in Dubai einen wichtigen Hamas-Vertreter. Aber der Mossad kennt die Agenten nicht. Aber da gibt es noch die sehr geheime „Kidon“-Gruppe.

Außerdem zeigt das Jüdische Filmfestival Pepe Danquarts „Lauf Junge Lauf“, der jetzt zweimal für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde und der am 17. April im Kino auläuft. Danquart erzählt die Geschichte von Yoram Fridman, der als neunjähriger Junge nach seiner Flucht aus dem Warschauer Ghetto versucht in Polen zu überleben.

Und dann gibt es noch Filme wie „Life as a Rumor“ die man in Deutschland wahrscheinlich nur auf dem Jüdischen Filmfestival sehen kann. „Life as a Rumor“ ist ein autobiographischer Dokumentarfilm mit und über Assi Dayan, einen in Israel bekannten Schauspieler, Autor und Regisseur, der bei uns eigentlich nur für „Life According to Agfa“ bekannt ist, und der hier eine schonungslose Bilanz seines verkorksten Lebens und seiner Beziehung zu seinem Vater Moshe Dayan zieht. Sein Vater war einer der Gründerväter Israels und später auch Verteidigungsminister. Das ist dann, weil wir Dayan nicht kennen, nicht so furchtbar interessant.

Interessanter dürfte dagegen „André Gregory: Before and after Dinner“ sein. Cindy Kleine inszenierte diese Dokumentation über ihren Mann André Gregory, den viele von Louis Malles „My Dinner with André“ kennen dürften. Später spielte der Theatermacher unter anderem den alten Wärter Smithers in „Demolition Man“.

Oder die einstündige Dokumentation „Bureau 06“ über die Sonderermittlergruppe der israelischen Polizei, die 1960 mithalf, die Anklage gegen Adolf Eichmann vorzubereiten.

Genossen werden können die Filme in Berlin und Potsdam bis zum 13. April im Hans Otto Theater und im Thalia Kino Babelsberg (beide Potsdam), im Filmkunst 66, im Kino Eiszeit, Neues Off und meistens Kino Arsenal, oft mit Gästen, wie den Regisseuren.

Das vollständige Programm gibt es hier.

 


TV-Tipp für den 30. März: Celebrity – Schön, reich, berühmt

März 30, 2014

3sat, 22.05

Celebrity (USA 1998, Regie: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Der verheiratete Klatschreporter Lee (Kenneth Branagh als Woody-Allen-Ersatz) ist auf der Suche nach dem Glück in der Welt des Scheins.

Mediensatire, die Woody Allen mal wieder in Schwarzweiß drehte und bei der etliche Stars mitspielten.

mit Kenneth Branagh, Judy Davis, Joe Mantegna, Leonardo DiCaprio, Charlize Theron, Melanie Griffith, Winona Ryder, Hank Azaria, Famke Janssen, Bebe Neuwirth, Michael Lerner, Gretchen Mol, J. K. Simmons, Jeffrey Wright

Wiederholung: Montag, 31. März, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Celebrity“

Wikipedia über „Celebrity“ (deutschenglisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Kriminalakte über Woody Allen


Neu im Kino/Filmkritik: „Antboy“ – Spider-Man auf Dänisch

März 29, 2014

Es wurde auch Zeit, dass wir Europäer im Superheldengenre etwas aufholen. Die Engländer hatten vor einigen Jahren im TV schon die „Misfits“, eine Gruppe straffälliger Jugendlicher mit Superkräften auf die Menschheit losgelassen. Aber die waren ziemlich derb drauf und nicht jede ihrer Superkräfte unbedingt einsetzbar zum Wohl der Menschheit.
Da passt der 12-jährige Pelle schon eher in das aus den USA vertraute Superheldenschema: er ist ein unauffälliger, schüchterner Außenseiter, der von einer genetisch manipulierten Ameise gebissen, die ihr heimatliches Forschungslabor verlassen hat. Pelle entwickelt plötzlich ameisenähnliche Superkräfte, die er auch dringend benötig. Denn in der kleinen Gemeinde ist „Der Floh“ los, der als Superbösewicht tun will, was Superbösewichte eben so tun und nur Antboy (was viel cooler als Ameisenbengel klingt) kann ihn besiegen.
„Antboy“, der Debütfilm von Ask Hasselbalch nach mehreren Kurzfilmen und Musikvideos, basiert auf den erfolgreichen Antboy-Kinderbüchern von Kenneth Bøgh Andersen und die Geschichte des ersten „Antboy“-Films ist eine mit deutlich weniger Geld gedrehte, liebevolle und detailverliebte Kopie von „Spider-Man“, die ihren Reiz gewinnt durch die Sets, die Kameraarbeit, die zahlreichen Zitate, wie die an die Marvel-Comicverfilmungen erinnernde Titelsequenz, in der hier in Comicpanels die Vorgeschichte erzählt wird, und die Kinderschauspieler, die wie Kinder aus der Nachbarschaft aussehen.
Gerade Pelle und seine beiden sehr normal aussehenden Freunde, eine davon weiblich, liefern genug Identifikationspotential, um bei einem gleichaltrigen Publikum zu punkten.
Für ein älteres Publikum ist „Antboy“ dann aber, auch als liebevolle Hommage, zu überraschungsarm in den bekannten Pfaden der Ursprungsgeschichten der Superhelden, vor allem natürlich den jeweils ersten „Spider-Man“-Filmen. Die Tricks sind anfangs charmant, beim Schlußkampf im Wald in ihrer Dürftigkeit ärgerlich.
Derzeit dreht Ask Hasselbalch, auch in Hamburg, den zweiten „Antboy“-Film.

Antboy - Plakat - 4

Antboy (Antboy, Dänemark 2013)
Regie: Ask Hasselbalch
Drehbuch: Anders Ølholm (nach einer Geschichte von Torbjørn Rafn und Nikolaj Arcel)
LV: Kenneth Bøgh Andersen: Antboy 1 – Tissemyrens bid, 2007 (Antboy – Der Biss der Ameise)
mit Oscar Dietz, Nicolas Bro, Samuel Ting Graf, Amalie Kruse Jensen
Länge: 80 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Antboy“
Moviepilot über „Antboy“
Homepage von Kenneth Bøgh Andersen

Homepage von Antboy (weil jeder Held eine hat)


TV-Tipp für den 29. März: Eine Leiche zum Dessert

März 29, 2014

Servus TV, 20.15

Eine Leiche zum Dessert (USA 1976, R.: Robert Moore)

Drehbuch: Neil Simon

Ein Millionär lädt die berühmtesten Detektive der Welt ein. Er behauptet, sie könnten einen Mord nicht aufklären, der um Mitternacht stattfinden wird. Die Detektive sehen das anders.

Neil Simon zieht in seiner Krimikomödie die Images der bekanntesten, literarischen Detektive der Welt (hier: Miss Marple, Hercule Poirot, Sam Spade, Nick Charles aka Der dünne Mann mit Gattin Nora, Charlie Chan) und die Prinzipien des Whodunits durch den Kakao. Ein köstlicher Spaß – nicht nur für Genre-Fans.

Verkörpert werden die Meisterdetektive und Tatverdächtige u. a. von Truman Capote, Peter Falk, Alec Guiness, David Niven, Peter Sellers

Wiederholung: Sonntag, 30. März, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Thrilling Detective über „Murder by Death“ (Eine Leiche zum Dessert)

Turner Classic Movies über “Murder by Death”

Wikipedia über Neil Simon

Rotten Tomatoes über „Eine Leiche zum Dessert“


Neu im Kino/Filmkritik: „Banklady“ – Bonnie and Clyde, German Style

März 28, 2014

Wer kennt Gisela Werler? Wahrscheinlich kaum jemand, aber Bonnie Parker, Clyde Barrow, Ma Barker, John Dillinger, Al Capone, Meyer Lansky, Bugsy Siegel, undsoweiter kennt jeder, meistens aus zahllosen Filmen, die es nicht immer besonders genau mit der Wirklichkeit nehmen, aber verdammt unterhaltsam sind. Einige wurden sogar zu Klassikern.
Dabei war Gisela Werler Deutschlands erste Bankräuberin, die von 1965 bis 1967 in Norddeutschland 19 Banken ausraubte, damals rekordverdächtige 400.000 Mark erbeutete und deren Taten in der Presse auch abgefeiert wurden.
Sie war eine über dreißigjährige, unverheiratete Frau, die noch bei ihren Eltern lebte und Hilfsarbeiterin in einer Tapetenfabrik war, als sie Hermann Wittdorf kennen lernte, sich in diesen charismatischen Mann mit der schillernden Verbrechervergangenheit verliebte, später erfuhr, dass er verheiratet war und seine Vergangenheit gar nicht so abenteuerlich. Mit ihm raubte sie Banken aus. Dabei verkleidete sie sich mit verschiedenen Perücken und Sonnenbrillen und war modisch up to date, was sich im Film in einer Montage aus Überfällen und Schlagzeilen niederschlägt, die zu den schönsten Pop-Momenten in Christian Alvarts Gangsterfilm „Banklady“ zählt, der ihre Verbrecherkarriere mit einige historische Freiheiten erzählt.
Alvart, der mit dem Thriller „Antikörper“ vor gut zehn Jahren für Aufsehen sorgte und danach mit Hollywood-Geld den Thriller „Fall 39“ (mit Renée Zellweger) und den Science-Fiction-Film „Pandorum“ (gedreht in Babelsberg mit Dennis Quaid) drehen durfte, beweist auch in seinem neuesten Film seinen Blick für eine glänzende Optik, die sich oft in einer Werbefilmästhetik niederschlägt, und huldigt seine Liebe zu bekannten Genremuster. Denn „Banklady“ ist die deutsche Version von Bonnie und Clyde, die als moralbefreites Verbrecherduo mit kindlicher Lust Banken ausrauben und von einem fanatischen Polizisten gejagt werden, der bei seiner Jagd all die neuen Ermittlungsmethoden, die er im Ausland gelernt hat, ausprobieren will.
Da erinnert Ken Duken dann immer wieder an den fanatischen FBI-Agenten Melvin Purvis, gespielt von Christian Bale in Michael Manns „Public Enemies“. Es gibt in „Banklady“, wie in „Public Enemies“ auch eine Szene, in der Werler beziehungsweise John Dillinger, sich im Büro des Polizisten seine Ermittlungen gegen sie ansieht, während er gerade eine kurze Pause macht. In beiden Filmen funktioniert diese allzu konstruiert wirkende Szene nicht.
Wenn er später glaubt, das Verbrecherpaar in einer Ferienwohnanlage gefunden zu haben, verschießen die Polizisten mehr Munition als beim legendären Ende von Arthur Penns „Bonnie und Clyde“. Es ist die falsche Wohnung, aber das Mobiliar geht fotogen zu Bruch.
Alvart erzählt Werlers Geschichte mit einem deutlichen Blick in Richtung der bekannten Hollywood-Vorbilder. Nur dass in diesen Badlands die Verbrecher in einem VW Käfer flüchten und überall noch der Muff der fünfziger Jahre erkennbar ist.
Das ist unbestritten gut gemacht, aber wirklich packend ist die „Banklady“ nie. Sie wirkt immer wie eine Pastiche von Gangsterfilmen wie „Bonnie und Clyde“ mit Nadeshda Brennicke mit kurzen Haaren und einem irritierrendem Höckerchen auf der Nase als die deutsche Bonnie und Charly Hübner mit erkennbarer Lust am großkotzigen Auftritt als Clyde.

Banklady - Plakat

Banklady (Deutschland 2013)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Silber, Kai Hafemeister
mit Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Hein Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt, Heinz Struck
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Film-Zeit über „Banklady“
Moviepilot über „Banklady“
Wikipedia über die echte Banklady Gisela Werler

Eineo Doku über diese Bankräuberin

 


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