Jüdisches Filmfest, die zwanzigste Ausgabe

 

Das heute beginnende „Jüdische Filmfestival Berlin & Potsdam“ hat auch dieses Jahr wieder ein angenehm zusammenhangloses Programm. Jedenfalls in punkto Stil und Qualität der Filme. Solange sie nur irgendetwas mit dem jüdischen Leben und der jüdischen Kultur zu tun haben, qualifizieren sie sich für das Jüdische Filmfestival.

Der Vorteil dieser eklektischen Herangehensweise ist offensichtlich: in den vergangenen zwei Jahrzehnten entstand so eine Chronologie des jüdischen Lebens, ihrer Veränderungen und auch ihrer Vielfalt. Denn Judentum ist mehr als Shoah, Israel und Woody Allen; – wobei Woody Allen dieses Jahr dabei ist. Im von John Turturro inszeniertem Eröffnungsfilm „Fading Gigolo“ spielt er einen Ex-Buchhändler mit einer genialen Geschäftsidee, die ihm schnell Ärger mit der orthodoxen jüdischen Gemeinde einbringt. Sharon Stone und Liev Schreiber sind auch dabei und am 6. November soll die in New York spielende Komödie auch im deutschen Kino starten.

Für Genrejunkies – immerhin sind wir in der „Kriminalakte“ – ist „Big Bad Wolves“ (Mi Mefahed Mezeev Hara, Israel 2013) von Aharon Keshales und Navot Papushado, der auch schon letztes Jahr auf dem Fantasy Filmfest lief, einen Blick wert. Quentin Tarantino nannte ihn, in seiner üblichen überschäumenden Begeisterung, den besten Film des letzten Jahres. So weit würde ich nicht gehen, aber das düstere Drama ist verdammt gut, hat etliche gemeine Überraschungen und eine ordentliche Portion schwarzen Humor. Es geht um einen Vater, der aus dem Mörder seiner kleinen Tochter ein Geständnis herauspressen will. Ein suspendierter Polizist, der zufällig in den Folterkeller stolpert, soll ihm dabei helfen. Aber foltert er den Richtigen?

Witzig könnte die Agentenkomödie „Kidon“ von Emmanuel Naccache mit Tomer Sisley sein. In ihr ermorden vier Mossad-Agenten in Dubai einen wichtigen Hamas-Vertreter. Aber der Mossad kennt die Agenten nicht. Aber da gibt es noch die sehr geheime „Kidon“-Gruppe.

Außerdem zeigt das Jüdische Filmfestival Pepe Danquarts „Lauf Junge Lauf“, der jetzt zweimal für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde und der am 17. April im Kino auläuft. Danquart erzählt die Geschichte von Yoram Fridman, der als neunjähriger Junge nach seiner Flucht aus dem Warschauer Ghetto versucht in Polen zu überleben.

Und dann gibt es noch Filme wie „Life as a Rumor“ die man in Deutschland wahrscheinlich nur auf dem Jüdischen Filmfestival sehen kann. „Life as a Rumor“ ist ein autobiographischer Dokumentarfilm mit und über Assi Dayan, einen in Israel bekannten Schauspieler, Autor und Regisseur, der bei uns eigentlich nur für „Life According to Agfa“ bekannt ist, und der hier eine schonungslose Bilanz seines verkorksten Lebens und seiner Beziehung zu seinem Vater Moshe Dayan zieht. Sein Vater war einer der Gründerväter Israels und später auch Verteidigungsminister. Das ist dann, weil wir Dayan nicht kennen, nicht so furchtbar interessant.

Interessanter dürfte dagegen „André Gregory: Before and after Dinner“ sein. Cindy Kleine inszenierte diese Dokumentation über ihren Mann André Gregory, den viele von Louis Malles „My Dinner with André“ kennen dürften. Später spielte der Theatermacher unter anderem den alten Wärter Smithers in „Demolition Man“.

Oder die einstündige Dokumentation „Bureau 06“ über die Sonderermittlergruppe der israelischen Polizei, die 1960 mithalf, die Anklage gegen Adolf Eichmann vorzubereiten.

Genossen werden können die Filme in Berlin und Potsdam bis zum 13. April im Hans Otto Theater und im Thalia Kino Babelsberg (beide Potsdam), im Filmkunst 66, im Kino Eiszeit, Neues Off und meistens Kino Arsenal, oft mit Gästen, wie den Regisseuren.

Das vollständige Programm gibt es hier.

 

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