Neu im Kino/Filmkritik: Viel Spaß in „Brick Mansions“

Wo Luc Besson drauf steht, ist auch Luc Besson drin. Für den von ihm produzierten Action-Thriller „Brick Mansions“ schrieb er sogar das Drehbuch, das auf einem älteren Drehbuch von ihm basiert, das er vor zehn Jahren mit Bibi Naceri schrieb und von Frankreich in die USA verlegte.
Die titelgebendne Brick Mansions sind ein Wohnbezirk in Detroit. Ein von Gangstern beherrschtes Ghetto, in dem hauptsächlich Afroamerikaner leben, das Verbrechen regiert und die Ausfahrten von Polizisten bewacht werden. Im Endeffekt sind die Brick Mansions ein riesiger Knast, in dem keine Sträflinge, sondern normale Menschen und Kriminelle eingesperrt sind.
Der König von Brick Mansions ist Tremaine (RZA). Seine Jungs haben bei einem ihrer nächtlichen Überfälle eine Bombe erbeutet. Er droht, die Rakete in Richtung Innenstadt abzufeuern. Stadtsanierung Gangsta Style.
Also beauftragt der Bürgermeister den Polizisten Damien Collier (Paul Walker), der die Brick Mansions von früher kennt, die Bombe zu entschärfen. Dabei helfen soll ihm Lino (David Belle), ein sympathischer Verbrecher (Hey, immerhin gehört er zu den Guten!), der Polizisten hasst wie die Pest.
Das gegensätzliche Duo macht sich auf den Weg in die Ruinenlandschaft, die einmal ein Wohnprojekt war – und wenn jetzt Actionfans glauben, dass sie diesen Film schon mindestens einmal gesehen haben, dann haben sie irgendwie recht. Denn „Brick Mansions“ ist das Remake von „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ (bzw. „Banlieu 13 – Anschlag auf Paris“), in dem David Belle ebenfalls mitspielte und mit seinen Parkour-Künsten begeisterte. Und „Ghettoganz“ ist natürlich eine ziemlich schamlose Kopie von „Die Klapperschlange“ und, beim bescheuerten Bösewicht, von „The Rock – Fels der Entscheidung“.
Das ist sicher nicht das Rezept für einen künftigen Filmklassiker, aber für einen vergnüglichen Kinoabend könnte es reichen, wenn Luc Besson nicht einfach seine alten Drehbücher mit geringsten Variationen wieder aufkochen, dabei auch die Restlogik über Bord werfen und die Actionszenen durch einen Häcksler jagen würde. Warum wird ein Parkour-Künstler genommen, der seine Stunts auch selbst ausführt, diese – soweit erkennbar – auch wirklich beeindruckend sind, aber sie dank der Zehntelsekundenschnitte meistens absolut nicht mehr erkennbar sind.
Durch die Verlagerung der Geschichte von Paris nach Detroit fällt auch der soziale und politische Hintergrund weg, der im Original noch in kleinen Dosen erkennbar war. Es ist der soziale Sprengstoff, der sich in den Banlieus immer wieder in Gewalt entzündet und schon seit Jahren auch in Büchern, Filmen und Songs thematisiert wird. „Ghettogangz“ reflektierte in einer überzogen-pulpig-trashigen Manier dann auch reale Probleme, die sich ein Jahr später, 2005, in gewalttätigen Jugendprotesten äußerten, die in Paris begannen und sich in anderen Städten fortsetzten. Genau dieser reale Hintergrund geht bei der Verlagerung der Geschichte von Paris in die USA, obwohl es auch dort Ghettos und immer wieder Straßenschlachten gibt, verloren. Insofern spielt „Brick Mansions“, das in der sehr nahen Zukunft spielt, in einer luftleeren Parallelwelt. Es ist einfach eine lärmige Actionfantasie, die wegen ihrem hektischen Schnitt, dem immer wieder vollkommen sinnlosen Slow-Motion-Einsatz, den eindimensionalen Charakteren, den Klischees und plumben Kopien aus besseren Filmen langweilt. „Brick Mansions“ ist im Endeffekt neunzig Minuten Leerlauf, der sich deutlich länger anfühlt.
Wo Luc Besson drauf steht, ist auch Luc Besson drin. Allerdings in immer dünneren Aufgüssen. Die Zeiten von „Nikita“ und „Leon, der Profi“ sind schon lange vorbei. Jetzt ist die Zeit der Drittverwendung von Zweitverwendungen angebrochen.

Brick Mansions - Plakat

Brick Mansions (Brick Mansions, Frankreich/Kanada 2014)
Regie: Camille Delamarre
Drehbuch: Luc Besson
mit Paul Walker, David Bele, RZA, Robert Maillet, Catalina Denis, Ayisha Issa, Gouchy Boy
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Brick Mansions“
Moviepilot über „Brick Mansions“
Metacritic über „Brick Mansions“
Rotten Tomatoes über „Brick Mansions“
Wikipedia über „Brick Mansions“

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