Lincoln Rhyme sucht das „Todeszimmer“

Deaver - Todeszimmer - 2

Auf den Bahamas wird in einem Hotelzimmer ein radikaler US-Kritiker, sein Leibwächter und ein Journalist, der ihn gerade interviewen wollte, erschossen.
Wenige Tage später bittet die New Yorker Bezirksstaatsanwältin Nance Laurel Lincoln Rhyme um Hilfe. Der fast vollständig gelähmte Ermittler, der die Polizei immer wieder in schwierigen Fällen berät und dabei vor allem an Spuren, an kleinste forensische Beweise, glaubt, soll ihr helfen, das Attentat aufzuklären. Sie will vor allem Shreve Metzger anklagen. Dieser ist Chef der New Yorker Niederlassung der NIOS (National Intelligence and Operations Service), einer Mischung aus CIA und NSA. Er gab den Tötungsbefehl auf den US-Bürger Roberto Moreno, der als radikaler politischer Aktivist gegen die Ausbeutung der Dritten Welt durch die USA kämpfte. Für diesen Tötungsbefehl, so Laurel, überschritt Metzer seine Kompetenzen, manipulierte Beweise, machte aus einem friedlichem Aktivisten einen gemeingefährlichen Terroristen und plante die Tat in New York. Er kann deshalb in New York wegen der Verabredung zur Verübung einer Straftat angeklagt werden. Rhyme soll die nötigen Beweise besorgen, die die Anklage wasserdicht machen.
Wenige Seiten später verrät Jeffery Deaver uns in seinem neuem Roman „Todeszimmer“ auch den Namen des Killers. Es ist Jacob Swann, der jetzt beginnt, alle Zeugen und potentiellen Zeugen des Anschlages bestialisch zu ermorden. In diesem Moment – wir sind noch im ersten Zehntel des Romans – ist die weitere Geschichte von „Todeszimmer“ erschreckend eindeutig vorgezeichnet. Denn natürlich wird Metzger Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs ausspionieren und all die freiheitsgefährdenden Kompetenzen nutzen, die die Geheimdienste seit 9/11 haben und die seit den Snowden-Enthüllungen allgemein bekannt sind. Und der sadistische Killer Swann wird versuchen Sachs und Rhyme zu töten. Es wird auf eine große Konfrontation zwischen ihnen hinauslaufen und der Geheimdienst wird dabei viele Informationen nicht oder vollkommen falsch lesen. Auch das ist spätestens seit den mit Drohnen ausgeführten Anschlägen auf Terroristen, vermeintliche Terroristen und Pechvögel bekannt.
Für einen handelsüblichen Polit-Thriller ist dieser Kampf zwischen einem allmächtigen, skrupellosem Geheimdienst und einem Einzelnen, der gegen die übermächtige Regierung kämpt, ein guter Fahrplan.
Aber für einen Jeffery-Deaver-Roman? Immerhin ist er für seine Storytwists, vor allem am Romanende, bekannt und berüchtigt. Und seine Lincoln-Rhyme-Romane sind vor allem hochspannende Rätselkrimis. Whodunits, bei denen die Suche nach dem Mörder im Mittelpunkt steht und der Mörder sich anhand von Spuren, die er am Tatort hinterlässt, verrät.
Nun, diese Überraschungen gibt es auch und sie machen „Todeszimmer“, den zehnten Lincoln-Rhyme-Roman, zu einem echten Deaver; – und mehr zu verraten, würde doch etliche Überraschungen unnötig spoilern.
Trotzdem würde sich eine ausführliche Diskussion über das Ende und die damit mehr oder weniger verbundenen Botschaften lohnen…

Jeffery Deaver: Todeszimmer
(übersetzt von Thomas Haufschild)
Blanvalet, 2014
608 Seiten
19,99 Euro

Originalausgabe
The Kill Room
Grand Central Publishing, 2013

Jeffery Deaver über „Todeszimmer“



Hinweise

Homepage von Jeffery Deaver

Deutsche Homepage von Jeffery Deaver

Wikipedia über Jeffery Deaver (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche Ein James-Bond-Roman” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Angebetete“ (XO, 2012)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte

 

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One Response to Lincoln Rhyme sucht das „Todeszimmer“

  1. Harry sagt:

    Deaver lass ich jetzt längere Zeitl außen vor, da mich die Rhyme-Büchern nicht mehr ansprachen.

    ‚Bei mir ist „Lennox“ von Craig Russell durch, aber vorerst noch bei beyondhollywood.de geparkt, um aufm Blog einen Actionstreifen (Mercenaries) noch an erster Position zu lassen. Bin gerade dabei „Payday“ von Howard Gordon zu lesen. Simple und seicht bisher. Danach ist Olen Steinhauer mit „Die Kairo-Affäre“ dran. Nachdem „Crime Machine“ von Howard Linskey hab ich jetzt noch sein „Gangland“ vorliegen“ , der an den Vorgänger wohl ansetzt.

    Und viele aus kleineren Verlagen wie Luzifer-Verlag, dem nicht ganz so kleinen wie Festa, und auch dem wieder kleineren Atlantis-Verlag sowie Voodoo Press und -mkrug vorliegen. Begeistert bin ich da über die Jeff Strand Bücher.

    Und noch vieles, was ich nachgekauft hab wie John D. MacDonald usw.

    Gruß
    Harry

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