Neu im Kino/Filmkritik: „Die innere Zone“ ist eine Ödnis

Da hat man tolle Locations in der Schweiz und der Ukraine, kann in unterirdischen Bauwerken und an malerischen Seen, drehen, hat einen guten Kameramann und Beleuchter (die im Tunnellabyrinth spielenden Szenen sind immer gut ausgeleuchtet, die Kamera lenkt nicht von der Geschichte ab) und gute Schauspieler, die ihre Texte glaubwürdig aufsagen und sich locker vor der Kamera bewegen.

Aber man hat kein schlüssiges Drehbuch, sondern nur einen Wust unzusammenhängender Ideen, die im Presseheft pseudophilosophisch verbrämt werden („Was passiert, wenn Erinnerung und Imagination von intakter Lebenswelt auf zerstörte Umwelten trifft? Wie verändert der Klimawandel selbst Erinnerung und Imagination? Tritt an ihre Stelle eine kollektive Amnesie, die nur medial, mit Bildern, also künstlich wieder aufgefüllt werden kann?“), aber im Film nicht weiter thematisert werden und mehr Unglaubwürdigkeiten und Idiotien, als es sonst in einem hirnrissigen billigen Science-Fiction-Film gibt.

2023 soll die Psychologin Marta in der Schweiz ein Tal aufsuchen. Dort veränderte sich, nachdem ein unbekanntes Luftgemisch aus einer Tunnelbaustelle austritt, das Binnenklima. Nur noch drei Ingenieure, die sie von früher kennt, sind vor Ort. Und sie sind anscheinend von den Gasen verrückt geworden. Vielleicht sind sie auch schon tot. Denn es gibt keine Verbindung mehr zu ihnen.

Auch Marta hat, seitdem sie vor Jahren an einem Biosphärenprojekt teilgenommen hat, Halluzinationen. Aber inzwischen kann sie, glaubt sie, damit umgehen und gerade dieses Handicap befähigt sie für diesen Auftrag. Die an Wahnvorstellungen leidende Marta soll nämlich herausfinden, was in dem Tal geschah.

Im schicken Business-Kostüm und mit einer Wasserflasche, aber ohne Begleitung, ohne Schutzkleidung (wir reden von irgendetwas, was es in der Luft gibt und das gefährlich ist), ohne ständige Verbindung zur Zentrale und ohne Hilfsmittel (außer einem superduper Analysegerät, das wie ein altmodischer Camcorder aussieht) macht sie sich auf den Weg zur Arbeitsstelle der Ingenieure. Vorher schlendert sie noch entspannt durch das verlassene Dorf, trifft einen Jungen und erfrischt sich am Brunnen (wir reden immer noch von irgendetwas, das unsichtbar und gefährlich ist). Erst dann geht sie zum Arbeitsplatz der Ingenieure und auch hier verhält sie sich wieder seltsam. Denn anstatt so schnell wie möglich die Überlebenden zu suchen, beginnt sie erst einmal die auf dem Boden herumliegenden, gut gefüllten Leitz-Ordner zu studieren. Sie steckt auch ein Blatt ein. Anscheinend steht da etwas wichtiges drauf, aber so wichtig scheint es nicht gewesen zu sein. Denn später wird das Papier nie wieder erwähnt.

Einer der Ingenieure, die sie von früher kennt, taucht auf. Offensichtlich leidet er an starken Halluzinationen. Er versucht sie zu verwaltigen. Sie kann den Angriff abwehren und – gemäß dem Motto „Eile mit Weile“ – will sie so schnell wie möglich in den Stollen. Am nächsten Tag. Nach einem Nickerchen in dem mondänen, aber verlassenem Kurhotel. Dort trifft sie eine Frau, die es manchmal in ihrer Fantasie, manchmal in der Realität gibt.

Am nächsten Tag machen sie sich auf den Weg in den Tunnel und es wird – unglaublich, aber wahr, noch abstruser.

Denn die Macher wissen nie, was sie erzählen wollen. Der potentielle Thriller-Plot (Was tritt aus dem Tunnel aus? Was tut die Regierung?) wird ignoriert. Als Wissenschaftsthriller in der Tradition von „Andromeda“ funktioniert „Die innere Zone“ ebenfalls nicht, weil die Macher, trotz ihrer Prämisse, keinen Wissenschaftsthriller drehen wollten. Stattdessen soll es wohl ein psychologisches Drama um Wahn und Wirklichkeit, um echte und falsche Erinnerungen, sein. Aber die Symbolismen sind entweder platt oder unverständlich und weil Marta sich am Anfang als Wissenschaftlerin so vollkommen irrational verhält, ist sie uns auch vollkommen egal. Wie der gesamte Film.

Die innere Zone - Plakat - 4

 

Die innere Zone (Schweiz/Deutschland 2013)

Regie: Fosco Dubini

Drehbuch: Barbara Marx, Donatello Dubini, Fosco Dubini, Heike Fink

mit Jeanette Hain, Lilli Fichtner, Dietmar Mössmer, Nikolai Kinski, Heinrich Rolfing, Bernard Marsch

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die innere Zone“

Moviepilot über „Die innere Zone“

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