Neu im Kino/Filmkritik: „Annabelle“ ist keine nette Puppe

In „The Conjuring – Die Heimsuchung“ war Annabelle eine Puppe, die in einem Glasschrank eingesperrt war. Sie war das eindrucksvollste Objekt im Keller der Geisterjäger Ed und Lorraine Warren.
In „Annabelle“ erfahren wir jetzt etwas mehr über die Puppe, die auch ohne Dämonenhokuspokus ziemlich gruselig aussieht. Trotzdem freut sich in den späten Sechzigern, als Charles Manson und seine Familien in der Nachbarschaft wüteten, die hochschwangere Mia Form, als ihr Mann John ihr die Puppe schenkt. Denn die Annabelle-Puppe fehlte noch in ihrer Puppensammlung.
Kurz darauf ermorden Satanisten mitten in der Nacht ihre netten Nachbarn. Anschließend dringen sie in das Haus der Forms ein. Die Polizei erschießt die Täter in ihrer Wohnung. Mia fühlt sich, auch weil es einige rätselhafte Ereignisse gibt, Unwohl in ihrer Vorstadt-Wohnung. Sie glaubt, dass Annabelle etwas damit zu tun hat. Ihr Mann wirft sie weg.
Kurz darauf ziehen sie, als umfassender Neustart, in eine riesige Mietwohnung in einem Hochhaus um. Annabelle ist in einem der Umzugkartons und Mia setzt die Puppe, jetzt hocherfreut, dass sie doch mitgekommen ist, in das Regal zu ihren anderen Puppen, die alle im Kinderzimmer stehen.
Aber auch in ihrer neuen Wohnung in Pasadena geschehen, immer wenn ihr Mann als Arzt in der Klinik arbeitet, unheimliche Dinge. Gegenstände bewegen sich. Elektrogeräte springen von alleine an. Manchmal, so erfährt sie von einer Buchhändlerin und einem Pater, sind nicht Häuser, sondern Gegenstände von Dämonen besessen und der in Annabelle lebende Dämon ist ein sehr böser Dämon, der es auf Frau und Kind abgesehen hat.
Wie schon „The Conjuring“ und die beiden „Insidious“-Filme, die alle von James Wan inszeniert wurden, ist der von ihm produzierte „Annabelle“ ein altmodischer Geisterhorrorfilm. Und während „The Conjuring“ in den Siebzigern spielte, geht es dieses Mal, optisch überzeugend, zurück in die Sechziger an die Westküste in eine WASP-Familie, weshalb auch die innige Freundschaft von Mia zur afroamerikanischen Buchhändlerin unstimmig erscheint.
Weil „Annabelle“ in jeder Beziehung an die damaligen Horrorfilme anknüpft, ist der Film sehr unblutig und es dauert, abgesehen von den Satanistenmorden, schon eine Weile, bis etwas Schreckliches passiert, wobei die Tonspur für die größten Schreckmomente sorgt. Wenn plötzlich Türen von alleine auf und zu gehen, Elektrogeräte ein Eigenleben entwickeln oder auch Geister durch die Wohnung schleichen, toben die Soundleute sich schamlos und überlaut aus.
Die Story ist spätestens seit „Rosemary’s Baby“ (mit Mia Farrow), bis auf einige, wenige Überraschungen altbekannt. Eigentlich gibt es nur zwei Überraschungen: dass bereits nach wenigen Minuten die Nachbarn ermordet werden und dass es am Ende keinen pompösen Exorzismus gibt.
Oh, und wie schlimm eine eigentlich harmlose Nähmaschine sein kann. Jedenfalls wenn man jede Sekunde erwartet, dass Mia sich in den Finger sticht.
„Annabelle“ ist ein vernachlässigbarer Horrorfilm über eine sich nie bewegende, trotzdem Angst und Schrecken verbreitende Puppe, der niemals auch nur halbwegs die Qualität von dem grandiosen „The Conjuring“ erreicht.
Und weil Annabelle am Ende des Films noch nicht bei der Familie Warren gelandet ist, kann es noch viele weitere Filme mit ihr geben, die sich wahrscheinlich im plumpen Wiederkäuen der bekannten Geschichte – Puppe kommt in Familie, schlimme Dinge geschehen, Mensch(en) sterben, Puppe verschwindet – erschöpfen.

Annabelle - Plakat

Annabelle (Annabelle, USA 2014)
Regie: John R. Leonetti
Drehbuch: Gary Dauberman
mit Annabelle Wallis, Ward Horton, Tony Amendola, Alfre Woodard, Kerry O’Malley, Brian Howe, Eric Ladin
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Annabelle“
Moviepilot über „Annabelle“
Metacritic über „Annabelle“
Rotten Tomatoes über „Annabelle“
Wikipedia über „Annabelle“
History vs. Hollywood untersucht den Fall „Annabelle“

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