Neu im Kino/Filmkritik: Die Gitarrendoku „Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett“

Das Problem bei „Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett“ sind nicht die oft kurzen Musikschnipsel. Das ist zwar schade und ärgerlich, wenn man von bekannten Liedern und Live-Auftritten bekannter Musiker nur einige Sekunden hört, aber durchaus verständlich, weil die Musikrechte manchmal extraordinär teuer sind und die Musik nicht im Mittelpunkt der Doku steht. Wobei die Konzertausschnitte mit der Unbekanntheit der Musiker länger werden, bis wir auf der Couch von Session-Gitarrist Tom Bukovac landen, der auf fünfhundert Nashville-Alben mitspielte. Aber wer kennt schon einen Session-Gitarristen?
Das Problem ist auch nicht, dass die meisten Gitarristen eher unbekannt und auch die Stars nicht unbedingt allgemein bekannte Weltstars sind. Als Filmemacher mit überschaubarem Budget freut man sich, wenn bekannte Gesichter wie Marius Müller-Westernhagen, Wolfgang Niedecken, Peter Maffay und Dave Stewart sich Zeit nehmen. Und oft haben unbekanntere Gitarristen und Session-Musiker etwas interessantes zu erzählen. Man fragt sie halt viel zu selten.
Das Problem bei „Love Supreme“ (wobei Jazzfans da nur an John Coltranes „A Love Supreme“ denken können) ist, dass die Regisseure Steffen König und Olaf Neumann nicht wussten, was sie erzählen wollten. Sie sagen zwar, dass sie herausfinden wollten, warum immer mehr Musiker Duesenberg-Gitarren benutzen und wer sie baut. Dieses vollkommen unkritische Firmenporträt ist ein Teil der spielfilmlangen Dokumentation. Wir dürfen zusehen, wie eine E-Gitarre gebaut wird (Erklärungen gibt es keine) und zuhören, wie Dieter Gölsdorf, der Entwickler der Duesenberg-Gitarren, über sich und seine Gitarren spricht. Aber außer Jugenderinnerungen und Allgemeinplätzen erfährt man nichts; – und dabei wäre gegen ein ordentliches Firmenporträt nichts einzuwenden.
Aber die meiste Zeit reden die Gitarristen in der Dokumentation über Gott und die Welt. Das ist durchaus interessant, aber es sind beliebige Zitate, ohne größeren Zusammenhang und Überbau. Manchmal wird auch die Duesenberg-Gitarre lobend erwähnt. Sie liege gut in der Hand. Sie klinge gut. Manchmal wird sie in den Konzertausschnitten auch erkennbar gespielt. Manchmal eine andere E-Gitarre oder eine Akustik-Gitarre.
Und irgendwann fragt man sich, ob die Duesenberg-Gitarre nur von Rockmusikern, meistens der gut abgehangenen Mainstream-Sorte, und einigen Blues-Musikern (die hier die Feigenblatt-Rolle übernehmen dürfen) gespielt wird. Es gibt keine Jazzer, keine Heavy-Metal-Gitarristen, keine Punker, keine Experimentalmusiker.
Ärgerlich ist während der gesamten Musik-Dokumentation der erbärmliche Sound. Die Konzerte sind meistens ein einziger Lärmmatsch, das den Charme eines Bootlegs hat. Die Interviews klingen teils übersteuert, teils gibt es nervige Nebengeräusche, weil König und Neumann sich mit dem Musiker in einer Wirtschaft unterhielten und das Klirren der Gläser und die Gespräche der anderen Gäste immer wieder stören. Schon mit einem besseren Mikrofon (und das muss kein extrem teures Mikrofon sein) oder einer gescheiten Raumwahl hätte hier das Schlimmste verhindert werden können.

Love Supreme - Plakat

Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett (Deutschland 2014)
Regie: Steffen König, Olaf Neumann
Drehbuch: Steffen König, Olaf Neumann
mit Tom Bukovac, Sarah Buxton, Mike Campbell, Carl Carlton, Nathan Fawley, Vince Gill, Dieter Gölsdorf, Uwe Hassbecker, Dann Huff, Steven Hufsteter, Keb‘ Mo‘, Robert Knight, Helmut Krumminga, Tito Larriva, Anna Loos, Louisiana Red, Peter Maffay, Ryan McGarvey, Grant Mickelson, Marius Müller-Westernhagen, Wolfgang Niedecken, Andy Powell, Ingo Renner, Brad Rice, Dave Stewart, Matt ‚Mojo‘ Tedder
und die Bands der Musiker, wozu auch, wegen Andy Powell, Wishbone Ash gehört
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film
Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Love Supreme“
Moviepilot über „Love Supreme“

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