Wieder erhältlich: Joe R. Lansdale: Wilder Winter

Lansdale - Wilder Winter - Golkonda 2014 - 2

Die Fans von Hap Collins (weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer) und Leonard Pine (schwarz, schwul, Vietnamveteran) dürfen sich über die Wiederveröffentlichung von „Wilder Winter“ freuen. In den USA erschien der Roman bereits 1990. Aber obwohl der Rowohlt-Verlag in den Neunzigern zwei Collins-Pine-Bücher veröffentlichte und die kurzlebige Dumont-Noir-Reihe 2000 mit einem weiteren Band nachlegte, erschien „Wilder Winter“, der erste Collins-Pine-Roman, erst 2006 auf Deutsch, in der kurzlebigen, aber uneingeschränkt empfehlenswerten „Funny Crimes“-Reihe des Shayol-Verlages, einem Vorläufer vom Golkonda Verlag, wo inzwischen die Abenteuer von Hap Collins und Leonard Pine erscheinen.
In „Wilder Winter“ zerdeppern Hap Collins und Leonard Pine, als wir ihnen zum ersten Mal begegnen, gemütlich auf dem großen Feld hinter Haps Haus Tontauben, als seine frühere Freundin Trudy auftaucht und beide um einen Gefallen bittet. Für den bewaffneten Kampf gegen das System (wir reden von 1990) sollen sie ihr und ihren revolutionären Freunden das nötige Startkapital besorgen. Irgendwo im Sabine River bei einer Brücke liegt die Beute aus einem Banküberfall. Eine Million Dollar. Weil die Revolutionäre die Gegend nicht kennen, bitten sie die beiden Tagelöhner Hap Collins und Leonard Pine, mit dem Versprechen auf einen Teil der Beute, um Hilfe. Nachdem sie die Beute gefunden haben, stellen die Revolutionäre fest, dass es erheblich weniger als die erwartete Million ist und jeder die gesamte Beute für seine Pläne benötigt.
Joe R. Lansdale fragte sich in den späten achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, was aus den Idealen von 1968 wurde. Deshalb lässt er seinen Charakteren besonders im ersten Drittel von „Wilder Winter“ viel Zeit in Gesprächen über ihr Leben zu reflektieren. Wir erfahren, wie aus Revolutionären Kriminelle wurden, sich Menschen aus der Politik zurückzogen, was aus Vietnam-Veteranen wurde, warum einige immer noch an die Ideale von 1968 glauben und wie sich die US-amerikanische Gesellschaft zwischen 1968 und 1990 veränderte.
Dieses Thema integriert Joe R. Lansdale mühelos in die spannende Geschichte einer Schatzsuche und eines anschließenden Kampfes ums Überleben im winterlichen Texas.
Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ ist gleichzeitig ein spannender Krimi, eine glänzende schwarzhumorige Komödie und eine illusionslose Abrechnung mit den Idealen von 1968.
Für die Neuausgabe, natürlich mit einem neuen Cover, wurde die Übersetzung durchgesehen.

Joe R. Lansdale: Wilder Winter
(aus dem Englischen von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla)
Golkonda, 2014
204 Seiten
16,90 Euro

Deutsche Erstausgabe
Shayol, 2006
200 Seiten

Originalausgabe
Savage Season
Bantam, 1990

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Mein Interview mt Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)

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