Neu im Kino/Filmkritik: „The Unforgiven“, Japan Style

Wer die Originaltitel von Filmen kennt, denkt bei „The Unforgiven“ ziemlich schnell an „Unforgiven“, den Western-Klassiker von und mit Clint Eastwood, der auch den Oscar als bester Film des Jahres erhielt und bei uns als „Erbarmungslos“ in den Kinos lief. Über zwanzig Jahre später inszenierte Lee Sang-Il ein Remake, in dem er die Geschichte vom Wilden Westen nach Japan verlegte und die Revolver oft durch Schwerter ersetzte, aber ansonsten der vertrauten Geschichte fast schon sklavisch, inclusive der legendären Mann-besteigt-Pferd-Szene, aber mit mehr Schnee, folgt: wieder macht sich ein im Ruhestand lebender Kämpfer (im Original ein Revolverheld, im Remake ein Samurai, der auf der falschen Seite kämpfte) auf Bitten eines alten Kampfgefährten und weil Jubei Kamata (Ken Watanabe in der Clint-Eastwood-Rolle) das Geld für seinen kleinen Bauernhof und seine Kinder braucht, auf den Weg zu einer Kleinstadt, in der einige Huren ihr Geld zusammenlegten, um zwei Kunden zu bestrafen, der eine Kollegin von ihnen verunstaltete. Sie setzten das Kopfgeld aus, weil der brutale und selbstherrlich seine Version des Rechts ausübende Ortssheriff nicht daran denkt, die Freier zu bestrafen. Jubei macht sich mit seinem alten Kampfgefährten und einem Möchtegern-Kämpfer auf den Weg und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Lee Sang-Ils Remake ist ein grandioser Samurai-Western, der dem Original treulich folgt und ihm einige neue Facetten hinzufügt. Es ist deshalb auch kein besonders dringendes, aber ein optisch überaus prächtiges Remake, bei dem, wie in einem Sam-Peckinpah-Film, der durchgehend melancholische und resignative Ton auffällt. Die Geschichte spielt 1880, während der die japanische Gesellschaft radikal verändernden Meiji-Zeit, und die müden Kämpfer ziehen fast schon gelangweilt in den Kampf. Denn sie wissen, dass ihre Zeit um ist, dass sie nur noch ein letztes Gefecht austragen, bei dem es nicht mehr um das Gewinnen, sondern nur noch um einen halbwegs ehrenvollen Abgang geht. So sagt Jubei zu seinem sterbendem Freund „Wir sehen uns in der Hölle.“.
Letztes Jahr lief Lee Sang-Il „The Unforgiven“ in Venedig, die Kritiker waren begeistert und jetzt läuft der Samurai-Western mit seinen wunderschönen Breitwand-Bildern in einigen deutschen Kinos. Hier in Berlin läuft er in zwei Kinos: das eine Kino liegt am Stadtrand, das andere zeigt ihn nur um 23.15 Uhr. Und wenn nächste Woche „Der Hobbit“ anläuft, dürfte die Zahl der Spielstätten sich auf Null reduzieren.

The Unforgiven - Plakat

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)
Regie: Lee Sang-Il
Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)
mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“

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