Das „Mountain Home“ und „Die Farm“ sind unter Beschuss

MacLeod - Mountain HomeAnnas - Die Farm

Zwei Debüts, zwei kurze Thriller und zweimal die gleiche Prämisse: in einem Haus kämpfen mehrere Menschen gegen einen Schützen, der sie umbringen will. Einmal ist es ein Restaurant in den Bergen von Idaho, einmal eine Farm in Südafrika. Und beide Male verschwendet der Autor nicht viel Zeit mit Vorgeplänkel.
Abgesehen davon sind die beiden Romane sehr unterschiedlich geraten. Bracken MacLeods Geschichte „Mountain Home“ spielt in einem einsam gelegenem Diner in den Wäldern von Idaho, das vor allem damit wirbt, dass man im „Mountain Home Kitchen“ sein Essen ungestört von Handy-Telefonaten führen kann, weil es hier keinen Empfang gibt. Das Restaurant liegt an einem Abhang und versperrt Joanie Myer, einer Ex-Soldatin (12 Jahre United States Air Force, mit Kampfeinsätzen) und Scharfschützin, die Sicht auf die wunderschönen, unberührten Berge und Wälder. In dem Diner, gegen das sie erfolglos klagte, wird sie von dem aasigen Chef nicht bedient. Immerhin hat sie ein Hausverbot. Nur Lyn Lowry, eine junge Bedienung, die eigentlich Zeichnerin werden will, bedient sie. Joanie findet Lyn daher auch ganz sympathisch und eigentlich hoffte sie, dass Lyn bereits auf dem Heimweg ist, wenn sie ihren Racheplan in die Tat umsetzt und alle Menschen, die im „Mountain Home Kitchen“ sind, umbringt. Mit ihren ersten Schüssen tötet sie zwei geizige Gäste. Danach beginnen die Menschen im Diner um ihr Überleben zu kämpfen und Lyn wird ihre mal mehr, mal weniger akzeptierte Anführerin.
Schnell wissen die Eingeschlossenen, dass Joanie sie alle töten will. Sie will eine Botschaft senden. Erst später entdecken sie eine Bombe am neben dem Restaurant stehendem Gastank. Außerdem gibt es, um das Gebäude herum, Sprengfallen, die eine Flucht aus dem Haus in den Wald verhindern sollen.
„Mountain Home“ ist ein echter Pageturner, bei dem die Charaktere zwar sparsam, aber mehr als ausreichend charakterisiert sind, es einige überraschende Wendungen gibt und auch die Kriegseinsätze des US-Militärs und die Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsfirmen werden angesprochen. Das etwas über zweihundersteige Buch ist ein beeindruckendes Debüt, das neugierig auf die nächsten Bücher von Bracken MacLeod macht und sich vorzüglich für eine Verfilmung eignet.
„Die Farm“ von Max Annas liest sich schon wie ein Drehbuch, das mit dem ersten Schuss beginnt. Unbekannte schießen auf Franz Muller und Kobus Prins. Prins wird erschossen. Muller und alle anderen, die sich in dem Moment vor dem Farmhaus aufhalten, flüchten vor den Kugeln in das einsam gelegene Haus und beginnen sich zu wehren. Denn Waffen haben sie mehr als genug im Haus. Schnell gibt es auf beiden Seiten Leichen, die uns alle egal sind, weil wir oft nur ihren Namen kennen.
Denn die dürre Drehbuchprosa verrät uns nichts über die einzelnen Charaktere. Auch der Ort wird nicht näher beschrieben und die vielen Szenenwechsel werden normalerweise ohne Orts- und Namensnennungen (was es beides in einem Drehbuch gibt) eingeleitet. Diese knappe Sprache erschwert oft die Orientierung in der vorhersehbaren Geschichte und sie verhindert jede Identifikation mit den Charakteren.
Auch die Geschichte läuft, im Gegensatz zu „Mountain Home“, ohne Überraschungen ab. Die Schützen sind eine Bande von Verbrechern, die an die von ihnen im Haus vermuteten Wertsachen wollen. Die Eingeschlossenen wehren sich. Irgendwann kommen Nachbarn und auch die Polizei. Dazwischen gibt es einige Anmerkungen zur Situation in Südafrika, die ungefähr so tiefgründig wie eine Kurzmeldung in einer Zeitung sind.
Insgesamt verfolgt man die Geschichte, emotional desinteressiert, wie einen telegraphierten Kriegsbericht, bei dem einem die Namen der Gefallen nichts sagen und daher auch herzlich egal sind.
Dennoch steht „Die Farm“ von Max Annas bereits auf der KrimiZeit-Bestenliste. „Mountain Home“ von Bracken MacLeod sollte dort demnächst gebührend erwähnt werden.

Bracken MacLeod: Mountain Home
(übersetzt von Christian Siege und Felix F. Frey)
Festa, 2014
224 Seiten
13,95 Euro

Originaltitel
Mountain Home
Books of the Dead, 2013

Max Annas: Die Farm
Diaphanes, 2014
192 Seiten
16,95 Euro

Hinweise

Homepage von Bracken MacLeod

Bracken MacLeod twittert

Books of the Dead Press: Interview mit Bracken MacLeod

The Alchemy Press: Brandneues Interview mit Bracken MacLeod

Perlentaucher über Max Annas

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