TV-Tipp für den 31. Januar: A History of Violence

Januar 31, 2015

Pro7, 23.00

A History of Violence (USA/Kanada 2005, Regie: David Cronenberg)

Drehbuch: Josh Olson

LV: John Wagner/Vince Locke: A History of Violence, 1997 (Graphic Novel)

Tom Stall ist ein gewöhnlicher Schnellrestaurantbesitzer irgendwo in Indiana. Als zwei Killer sein Restaurant ausrauben wollen, tötet er sie im Affekt. Danach ist er der Held des Tages und zwei Mafiosi aus Philadelphia tauchen auf. Sie behaupten, Tom von früher zu kennen. Damals war er ein Mafiakiller und der Philly-Mob habe noch eine Rechnung mit ihm offen.

Ein eiskaltes, klar strukturiertes Noir-Drama von Cronenberg, der hier eine altbekannte Genregeschichte und gleichzeitig viel mehr erzählt.

Das Drehbuch von Josh Olson war für den Edgar-Allan-Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert. „Syriana“ erhielt die Trophäe.

David Cronenbergs neuester Film „Maps to the Stars“ erscheint am 23. Februar (Verleih) und am 3. März (Kauf) auf DVD und Blu-ray mit, unter anderem, etlichen Interviews mit den Hauptdarstellern, Autor Bruce Wagner und David Cronenberg .

Mit Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt

Wiederholung: Sonntag, 1. Februar, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A History of Violence“

Wikipedia über „A History of Violence“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über “A History of Violence”

About.com: Interview mit David Cronenberg über “A History of Violence”

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)

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Neu im Kino/Filmkritik: Ein junger Mexikaner will nach „Los Ángeles“

Januar 30, 2015

Zuerst einige Fakten:
„Los Ángeles“ ist das Spielfilmdebüt des in Boulder, Colorado, geborenen Damian John Harper. Vorher drehte er einige Dokumentar- und Kurzfilme. Vor seinem Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen München (HFF) studierte er Anthropologie. Nach seinem Studienabschluss im Jahr 2000 ging er als Ethnologe für ein Jahr nach Santa Ana Del Valle, einem Dorf in der Provinz Oaxaca im Süden Mexikos. Für „Los Ángeles“ kehrte er nach Santa Ana Del Valle zurück und drehte, mit Dorfbewohnern, einen Film, dessen Geschichte mit dem Ort und seinen Bewohnern verwurzelt ist.
„Los Ángeles“ wurde vom ZDF Das kleine Fernsehspiel coproduziert. Auch die anderen Geldgeber haben deutsche Anschriften. Das erklärt, warum ein Film eines US-Amerikaners, der in Mexiko gedreht wurde und in dem Spanisch und Zapotekisch, der Dorfdialekt, gesprochen werden, als deutsche Produktion firmiert. Und wenn sie demnächst im Fernsehen gezeigt wird, wird sie im Rahmen des Kleinen Fernsehspiels ausgestrahlt werden. Also an einem Montagabend nach Mitternacht.
„Los Ángeles“ erzählt die Geschichte des siebzehnjährigen Mateo, der aus seinem Dorf nach Los Angeles, der Chiffre für ein besseres Leben, aufbrechen will. Von dort aus will er seine Familie unterstützen. Der Weg dorthin ist gefährlich und lang und in Los Angeles kann man nur als Mitglied einer Gang überleben.
Der Film erzählt nicht die Geschichte der Reise, sondern was vor der Reise geschieht. Und diese Geschichte wurde schon oft erzählt. Oft auch besser. Denn um in Los Angeles überleben zu können, muss Mateo sich schon im Dorf einer Verbrecherbande anschließen, die ihn dann in der Großstadt beschützen kann. Um ein vollwertiges Mitglied der Bande zu werden, muss er drei Mutproben absolvieren. Die erste ist noch einfach. Als er ein Mitglied einer gegnerischen Bande töten soll, zweifelt Mateo.
Diese Initiationsgeschichte mit den sich betont wie US-Ghettogangster gebenden mexikanischen Verbrechern ist nie glaubwürdig. Die Kleinstadtgangster wirken immer wie eine Gruppe großmäuliger Raudis. Dass Mateo schon im Dorf ein Mitglied dieser Verbrecherbande werden muss, um in Los Angeles überleben zu können, wirkt immer wie eine Drehbuchanweisung, um die angedachte Migrationsgeschichte (immerhin spielt der gesamte Film in dem Dorf) und Gangsterdrama zusammenzufügen. Vor allem angesichts der letzten Minuten wird diese Konstruktion noch offensichtlicher. Und natürlich stellt sich von der ersten Minute an die Frage, was das für ein Paradies ist, in dem man nur als Gangmitglied überleben kann.
Diese Geschichte stört auch immer wieder den quasi dokumentarischen Blick auf die Bewohner und die Sozialstrukturen in Santa Ana Del Valle, einem noch stark den Traditionen verhaftetes Dorf mit ärmlich lebenden Bewohnern. Aber sie werden immer wieder in eine Geschichte gepresst, die eher Genreanforderungen genügt, die Harper dann doch nicht erfüllen will.
So ist „Los Ángeles“ ein Zwitter, der Erwartungen weckt, die er dann nicht erfüllt. Für einen Genrefilm ist Mateos Geschichte zu langatmig und zu klischeetriefend. Für einen Arthouse-Film schielt Regisseur Harper zu sehr in Richtung Gangsterfilm. Für eine ethnographische Studie eines Dorfes ist der Film dann zu sehr auf fehlgeleitete Thrills bedacht.
Wobei ich auch kein Freund dieser Geschichten bin, in denen der Protagonist während des gesamten Film in seinem Heimatort darüber räsoniert, dass er das Dorf unbedingt verlassen muss und es am Ende, nach einem zufälligem Ereignis (meist ein Unfall), dann auch tut. Wenn er nicht bei diesem Unfall stirbt.

Los Angeles - Plakat neu

Los Ángeles (Deutschland 2014)
Regie: Damian John Harper
Drehbuch: Damian John Harper
mit Mateo Bautista Matias, Marcos Rodriguez Ruiz, Lidia Garcia, Daniel Bautista, Donaciano Bautista Matias, Valentina Ojeda
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Los Ángeles“
Film-Zeit über „Los Ángeles“
Moviepilot über „Los Ángeles“
Rotten Tomatoes über „Los Ángeles“ (derzeit noch keine Kritiken)
Berlinale über „Los Ángeles“
Homepage von Damian John Harper

Ein kurzes Gespräch mit Damian John Harper

Das ist wohl das Berlinale-Plakat, das definitiv ein anderes Publikum anspricht

Los Angeles - Plakat


Neu im Kino/Filmkritik: „Black Sea“, ein U-Boot und ganz viel Nazi-Gold

Januar 30, 2015

Man stecke ein gutes Dutzend Männer in ein U-Boot, lege einen Goldschatz zwischen sie – und man hat die Ausgangslage für einen spannenden Abenteuerfilm in der Tradition von „Der Schatz der Sierra Madre“.
Auch in Kevin Macdonalds „Black Sea“ treibt die Gier die Männer zu mörderischen Taten und wir können uns, im trockenen Kinosaal, über einen spannenden Abenteuerfilm freuen. Jude Law, das berühmteste Besatzungsmitglied, spielt Robinson. Der U-Boot-Kapitän wurde kürzlich mit einer Minimalabfindung entlassen. Seine Frau und sein Kind haben ihn schon vor Längerem wegen seiner Arbeit verlassen. Jetzt steht er vor dem Nichts. Denn so gut er fast dreißig Jahre als Seemann war, so lebensunfähig ist er auf dem Land. Und seine Fähigkeiten als U-Boot-Kapitän sind ebenso überflüssig.
Da erfährt er von einem Nazi-Goldschatz, der in einem U-Boot im Schwarzen Meer vor der georgischen Küste liegen soll. Die Lage des Nazi-U-Bootes ist bekannt, aber wegen Grenzstreitigkeiten mit Russland wird der Schatz in absehbarer Zukunft nicht gehoben werden. Wenn er, so denkt er sich, mit einigen anderen Seeleuten, die auf dem dysfunktionale Trinker sind, ein U-Boot findet, könnten sie unter Wasser zu dem gesunkenen U-Boot fahren, das Gold bergen und wieder verschwinden. Eine einfache Sache, vor allem nachdem sie einen Finanzier gefunden haben und ein altes sowjetisches U-Boot gekauft haben. Die britisch-russische Besatzung macht sich, begleitet von einem Aufpasser ihres Geldgebers, auf den Weg – und natürlich gibt es schnell Ärger an Bord. Die Engländer und die Russen, die sich nicht miteinander verständigen könne, hassen sich immer noch so abgrundtief wie zu den Zeiten des Kalten Krieges. Und wenn einige Besatzungsmitglieder die Fahrt nicht überleben, bekommen die anderen mehr von dem Gold.
Der hochgelobte und Oscar-geehrte Dokumentarfilmer und Spielfilm-Regisseur Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland“, „State of Play – Stand der Dinge“) bedient sich auch in „Black Sea“ einem dokumentarischem Ansatz, wozu auch der britisch-russische Cast gehört, um über die Folgen von Gier und Dummheit zu erzählen. Denn die Männer im U-Boot sind oft ihr eigener schlimmster Feind. Macdonald erzählt das sehr straff, mit einigen überraschenden Wendungen und ein, zwei fraglichen Drehbuchentscheidungen, die aber die Spannung nicht beeinträchtigen und die Qualität des Unterwasser-Thrillers nicht mindern.
Und natürlich erinnert „Black Sea“, positiv gemeint, an ältere Filme, die mehr oder weniger das gleiche Thema behandelten, wie „Der Schatz der Sierra Madre“, „Lohn der Angst“, „Atemlos vor Angst“ (die im Presseheft auch alle als Inspiration genannt werden) und auch „Alien“. Denn es ist wirklich einerlei, ob man im Weltraum oder im Wasser gegen ein scheinbar unbesiegbares Monster kämpft. Fraglich ist nur, ob Robinson oder Ripley gegen das schlimmere Monster kämpft.
„Black Sea“ ist ein sehenswerter Unterwasser-Abenteuerthriller mit einem für heutige Verhältnisse pessimistischem Ende.

Black Sea - Plakat

Black Sea (Black Sea, USA/Großbritannien/Russland 2014)
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: Dennis Kelly
mit Jude Law, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, David Threlfall, Konstantin Khabenskiy, Sergey Puskepalis, Michael Smiley, Grigory Dobrygin, Sergey Veksler, Sergey Kolesnikov, Bobby Schofield, Michael Smiley, Jodie Whittaker
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Black Sea“
Moviepilot über „Black Sea“
Metacritic über „Black Sea“
Rotten Tomatoes über „Black Sea“
Wikipedia über „Black Sea“

Ein kurzes Gespräch mit Kevin Macdonald


TV-Tipp für den 30. Januar: Bound – Gefesselt

Januar 30, 2015

3Sat, 22.35
Bound – Gefesselt (USA 1996, Regie: Larry Wachowski, Andy Wachowski)
Drehbuch: Larry Wachowski, Andy Wachowski
Violet ist die Geliebte des Mafiakillers Caesar. Corky ist frisch aus dem Knast entlassen, arbeitet als Handwerkerin und hat immer noch exzellent funktionierende kriminelle Reflexe. Dennoch (oder gerade deswegen) funkt es gewaltig zwischen Corky und Violet. Sie beschließen Caesar, der auf zwei Millionen Dollar aufpassen soll, zu bestehlen.
Das Debüt der Wachowski-Brüder ist ein toller Noir voller Spannung, Erotik und Witz. Mit einigen überraschenden Wendungen.


Danach drehten die Wachowskis „Matrix“ und der Rest ist Geschichte. Wenn auch keine ungebrochene Erfolgsgeschichte. Immerhin war „Cloud Atlas“ interessant. Ihr neuester Film „Jupiter Ascending“ startet, nachdem er im Sommer kurzfristig verschoben wurde, am 5. Februar.
mit Jennifer Tilly, Gina Gershon, Joe Pantoliano, John P. Ryan, Christopher Meloni, Richard C. Sarafian
Wiederholung: 1.Februar, 02.55 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Bound – Gefesselt“
Wikipedia über „Bound – Gefesselt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowski/Tom Tykwers „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ oder die unverschämte Freude an einem guten Film

Januar 29, 2015

Ich glaube, bei „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ kann ich es kurz machen.
Obwohl – als ich das das letzte Mal sagte, hatte ich danach eine Seite geschrieben und hatte noch lange nicht alles gesagt.
Aber wer die vergangenen Monate nicht nur mit dem Ansehen von Marvel-Trailern verbrachte, hat von „Birdman“ gehört. Seit einigen Wochen sammelt die Komödie verdient einen Preis nach dem nächsten ein. Denn Alejandro González Iñárritu gelingt ein wunderschön schwereloser Film, der ernst und witzig und philosophisch ist und einen Einblick in das Film- und Theatergeschäft liefert, der gerade durch die hochkarätige Besetzung an Würze gewinnt.
Dabei ist der Hauptplot denkbar einfach: Riggan Thomson, ein alternder Hollywood-Star, will mit einem ambitionertem Broadway-Theaterstück, das auf Raymond Carvers Kurzgeschichte „What we talk about, when we talk about love“ basiert, seine darbende Karriere wieder auf die richtige Spur setzen. Iñárritus zweistündige Tour de Force ist eine Chronik der letzten Tage und Stunden vor der Aufführung, wenn die Emotionen hochkochen und die Zweifel groß sind.
Riggan war in Hollywood ein Star, als er vor Jahrzehnten Birdman spielte. Birdman ist ein erfundener Superheld. Noch heute wird Riggan für diese kindische Rolle von seinen Fans verehrt. Und Birdman ist Riggans Alter Ego, das ihm immer wieder, ungefragt, die Leviten liest und die Regieambitionen von Riggan am St. James Theater für ausgemachten Blödsinn hält.
Batman ist dagegen im filmischen Kosmos ein höchst realer Superheld und Riggan-Darsteller Michael Keaton war 1989 und 1992 in den beiden „Batman“-Filmen von Tim Burton als Batman-Darsteller ganz oben in Hollywood. Seitdem konnte er an diese Erfolge nicht mehr anknüpfen. Zuletzt trat er in prägnanten Nebenrollen auf, die den Film bereichterten, aber in der Werbung nicht groß angekündigt wurden und wegen Keaton ging niemand in „RoboCop“ oder „Need for Speed“. Da kann man schon darüber nachdenken, wieviel die Filmrolle mit dem echten Michael Keaton zu tun hat.
Als Hauptdarsteller hat Riggan den als extrem schwierig geltenden Mike Shiner engagiert, der es sich anscheinend zur Lebensaufgabe gemacht hat, als Diva das gesamte Universum um sich herum kreisen zu lassen und dem Regisseur und den Geldgebern mindestens einen Nervenzusammenbruch zu bescheren. Nicht pro Produktion, sondern an jedem Tag. Aber beim Publikum ist er beliebt. Er kann eine Produktion zum Erfolg machen. Beim Publikum und bei der Kritik.
Gespielt wird Mike von Edward Norton, der unbestritten einer der besten Schauspieler seiner Generation ist und der in Hollywood als extrem schwierig gilt. Einige seiner Streitereien mit Produzenten und Regisseuren sind allgemein bekannt. Ich sage nur „American History X“ und „Der unglaubliche Hulk“.
Die anderen Schauspieler, obgleich prominent, sind nicht so sehr auf ein bestimmtes Image und Rolle festgelegt.
Und dann, wenn man es nicht weiß, fällt es einem erst ziemlich spät auf: Alejandro Iñárritu erzählt den Film ohne einen sichtbaren Schnitt. Wenn eine längere Zeitspanne vergeht, gibt es Zeitrafferaufnahmen vom Himmel, aber ansonsten bewegt sich die Kamera scheinbar schwerelos durch den Raum, ohne dass jemals ein Found-Footage-Gefühl entsteht oder die Wackelkamera nervt. Emmanuel Lubezki, unter anderem die Alfonso-Cuarón-Filme „Gravity“ und „Children of Men“ (wo er schon extrem lange, ungeschnittene Action-Szenen drehte) und die Terrence-Malick-Filme „To the Wonder“, „Tree of Life“ und „The new World“, gebührt hier die Ehre, etwas scheinbar unmögliches möglich gemacht zu haben.
Nachdem ich jetzt schon das Drehbuch, die Schauspieler, die Kamera und die Regie abgefeiert habe, muss ich auch etwas zur Musik sagen, die zu den besten Filmmusiken der vergangenen zwölf Monate gehört. Normalerweise soll die Filmmusik ja nur die Handlung unterstützen und sie nicht stören. Die Musik ist von Antonio Sanchez, einem Mitglied verschiedener Gruppen von Jazzgitarrist Pat Metheny. Er spielte am Schlagzeug eine Filmmusik ein, die banal gesagt wie eine Mischung aus der Übungsstunde eines Jazz-Drummers und freien Improvisationen klingt. Sie drängt sich immer wieder in der Vordergrund; vor allem wenn im Kopf von Riggan mal wieder alles drunter und drüber geht. In diesen Momenten verdeutlich das entfesselte, atonale Free-Jazz-Drumming akustisch, was Riggan fühlt: Chaos mit einer darunterliegenden Ordnung. Und, weil Sanchez seine Improvisationen bereits vor dem Dreh einspielte, verwandte Iñárritu sie beim Dreh, um den Schauspielern den Rhythmus der Szene zu verdeutlichen.
Sanchez‘ Soundtrack ist inzwischen für zehn Filmpreise nominiert (unter anderem den Golden Globe) und zehn Preise hat er schon erhalten.
„Birdman“ ist für neun Oscars nominiert (bester Film, bester Hauptdarsteller, bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Kamera, bester Ton und bester Tonschnitt). Für 149 weitere Preise ist er momentan nominiert und bis jetzt erhielt die wundervoll kurzweilige, vor kindlicher Entdeckerfreue und Experimentierfreude sprudelnde Komödie schon 129 Preise.

Birdman - Plakat

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (Birdman, USA 2014)
Regie: Alejandro G. Iñárritu
Drehbuch: Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris Jr., Armando Bo
mit Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan, Merritt Wever, Jeremy Shamos, Bill Camp, Damian Young
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Birdman“
Moviepilot über „Birdman“
Metacritic über „Birdman“
Rotten Tomatoes über „Birdman“
Wikipedia über „Birdman“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritu „Biutuful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)
Homepage von Antonio Sanchez

Das Publikumsgespräch beim NYFF

DP/30 unterhält sich mit Alejandro Iñárritu


Neu im Kino/Filmkritik: „John Wick“ ist stinkig

Januar 29, 2015

John Wick ist ein Rentner. Er lebt in einem großen Haus, hat einen Hund und trauert.
Er war verheiratet – und ein Killer. Nicht im Auftrag einer Regierung, sondern für die andere Seite.
Als Iosef Tarasov, der nichtsnutzige Sproß eines russischen Oligarchen, Johns 1969er Boss Mustang klaut und Johns Beagle Daisy, ein Geschenk seiner verstorbenen Frau, tötet, hat der junge Tarasov die Büchse der Pandora geöffnet. Denn John Wick wird seinen Hund rächen und dabei keine Gefangenen machen, weshalb die Mordrate in New York ungeahnte Höhen erreicht.
Das klingt jetzt nach dem nächsten, billig heruntergekurbeltem B-Actionfilm mit einer sattsam bekannten Rachegeschichte nach Schema F und so ganz falsch ist dieser Verdacht auch nicht. Denn letztendlich ist „John Wick“ ein wortkarger Actionfilm, der nie mehr als ein schlanker Actionfilm sein will. Nach hundert Minuten hat das Morden ein Ende. Allerdings ist der Film mit Keanu Reeves als John Wick und Michael Nyqvist, Willem Dafoe, John Leguizamo, Ian McShane, Adrianne Palicki und Bridget Moynahan verdammt gut besetzt und von Regiedebütant Chad Stahelski stilbewusst inszeniert.
Dabei ist Stahelski schon lange im Geschäft. Mit David Leitch, der auch mitproduzierte und der der nicht genannte Co-Regisseur ist (halt wie bei den Coen-Brüdern), gründete er die Stuntmen-Firma 87Eleven und sie übernahmen Stunts und die Second-Unit-Regie bei Filmen wie „Safe – Todsicher“, „Escape Plan“, „Das Bourne Vermächtnis“, „Wolverine: Weg des Kriegers“, „Teenage Mutant Ninja Turtles“ und den „Expendables“-Filmen. Mit Keanu Reeves arbeitete Stahelski, oft auch als sein Stunt-Double, unter anderem bei den „Matrix“-Filmen, „Constantine“ und Reeves‘ Regiedebüt „Man of Tai Chi“ zusammen.
Da wundert es nicht, dass die Macher sich vor allem auf die Stunts und Actionszenen konzentrierten. Es ist eine Leistungsschau der Stuntmänner, die sie endlich wieder einmal so bei der Arbeit zeigt, dass man die Actionszenen wirklich nachverfolgen kann und man einen Eindruck von den körperlichen Leistungen der Stuntmänner erhält. Deshalb wird bei den zahlreichen Stunts angenehm selten geschnitten wird. Das war auch möglich, weil Keanu Reeves die meisten Stunts selbst ausführte.
Der Film selbst spielt in einer überhöhten „Sin City“-Welt, die stilistisch deutlich vom Film Noir und modernen Noir-Graphic-Novels beeinflusst ist, was zu einer eleganten, wenn auch etwas monochromen Optik beiträgt und gut für einige mythologische Überhöhungen und Einzeiler ist. So ist das Hotel Continental, eine Nobelherberge, in der Killer in Manhattan absteigen und sich nicht gegenseitig umbringen (naja, normalerweise), eine reine Comic-Fantasie, die aber durch das allwissende und immer zurückhaltende Hotelpersonal eine besondere humoristische Note erhält.
„John Wick“ ist ein feiner Actionfilm für den Genrejunkie, der sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist und der als Leistungsschau der Stuntmänner rundum überzeugt.

John Wick - Plakat

John Wick (John Wick, USA 2014)
Regie: Chad Stahelski, David Leitch (ungenannt)
Drehbuch: Derek Kolstad
mit Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Toby Leonard Moore, Daniel Bernhardt, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „John Wick“
Moviepilot über „John Wick“
Metacritic über „John Wick“
Rotten Tomatoes über „John Wick“
Wikipedia über „John Wick“ (deutsch, englisch)

Ein Publikumsgespräch mit Keanu Reeves, Alfie Allen, Chad Stahelski, David Leitch und Basil Iwanyk (Produzent) über „John Wick“


TV-Tipp für den 29. Januar: The Sixth Sense

Januar 29, 2015

Kabel 1, 22.20
The Sixth Sense (USA 1999, Regie: M. Night Shyamalan)
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Ein Psychologe will einem Kind, das tote Menschen sieht, helfen.
Ein gewaltiger Publikumserfolg, inzwischen schon ein Klassiker und M. Night Shyamalans bester Film. Mit „The Sixth Sense“ erlebten wir ein grandioses Twist-Ende (mit schönen Grüßen von der „Twilight Zone“), das seitdem unzählige, schlechtere Nachahmer inspirierte.
Davor, um 20.15 Uhr, und danach läuft „Unbreakable – Unzerbrechlich“, die zweite, deutlich schlechtere Zusammenarbeit von M. Night Shyamalan und Bruce Willis.
mit Bruce Willis, Toni Collette, Oliva Williams, Haley Joel Osment, Donnie Wahlberg, Mischa Barton
auch bekannt als „Der sechste Sinn“ (Kinotitel, an den sich inzwischen wohl niemand mehr erinnert)
Wiederholung: Freitag, 30. Januar, 02.35 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Sixth Sense“
Wikipedia über „The Sixth Sense“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)


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