Der „Tod im Hafen“ ist ein Fall für Jesse Stone

Parker - Tod im Hafen - 2

Paradise ist eine kleine Hafenstadt in Massachusetts, einen Steinwurf entfernt von Boston. Die Verbrechensrate ist niedrig. Das Leben eher entspannt. Eine mehrwöchige Segelregatta sorgt schon seit Jahren für Abwechslung. Kurz gesagt: Paradise ist ziemlich paradiesisch.
Daran ändert auch die aus dem Hafen gefischte Frauenleiche nichts. Schließlich ist die Todesursache der Unbekannten zunächst unklar und sie lag schon länger im Wasser (Wobei rückblickend das überwältigende Desinteresse der Medien schon beachtlich ist.). Polizeichef Jesse Stone beginnt mit den Ermittlungen. Von einem Bootsverleiher erfährt er, dass vor einem Monat eine Frau ein Boot mietete und nicht wieder zurück brachte. Er hat ihren Pass und danach ist, wie die Polizei schnell feststellt, die Tote Florence E. Horvarth, geboren am 13. Februar 1970, wohnhaft in Fort Lauderdale, Florida.
Drei Boote, die bei der Regatta mehr oder weniger teilnehmen (eher weniger), sind ebenfalls aus Fort Lauderdale. Und von einer Kollegin aus Fort Lauderdale erhält Jesse ein Video mit der Toten und zwei Männern beim Geschlechtsverkehr, bei dem Florence mehrfach erregt in die Kamera blickt. Kurz gesagt: sie und die beiden Männer wusste von der Aufnahme.
Jesse ist überzeugt, dass einer der vermögenden Bootsbesitzer aus Fort Lauderdale, die im Moment in Paradise sind, etwas mit Florences Tod zu tun haben. Vor allem weil das Video auf einem der Boote gemacht wurde.
Allerdings verhalten sich auch die ebenfalls vermögenden Eltern der Toten, deren Leben in einer einzigen cocktailgeschwängerten Seifenblase stattfindet, und die beiden jüngeren Zwillingsschwestern von Florence, Corliss und Claudia Plum, sehr merkwürdig.
Nachdem die letzten beiden Jesse-Stone-Romane „Die Tote im Paradies“ und „Eiskalt“ eher enttäuschende Angelegenheiten waren und es schon zu befürchten war, dass die Stone-Romane wie die Spenser-Romane werden, in denen das schlampige Plotting öfters einfach ärgerlich ist, hat Robert B. Parker sich bei „Tod im Hafen“ wieder zusammengerissen. Der Roman, ein Rätselkrimi, bei dem Jesse Stone schnell zwei Hauptverdächtige hat, liest sich wirklich so, als habe Parker sich vor dem Schreiben einige Gedanken über den Plot gemacht und diesen dann auch logisch entwickelt.
Sprachlich überzeugt der Roman sowieso. Parkers Tonfall ist ja auch der Grund, sich auf den nächsten Spenser-Roman zu stürzen. Einige alte Bekannte, auch aus den Spenser-Romanen, treten in „Tod im Hafen“ auf und Rita Fiore versucht, erfolglos die Plum-Zwillingsschwestern an einen uns sehr bekannten Privatdetektiv zu vermitteln.
Ach ja: Inzwischen trinkt Jesse seit über zehn Monaten keinen Alkohol mehr und er trifft sich häufiger mit seiner Ex-Frau Jenn. Eigentlich sind sie, auch wenn sie getrennte Wohnungen haben, wieder zusammen.
Im April erscheinen bei Pendragon zwei weitere Jesse-Stone-Romane: „Mord im Showbizz“ (High Profile, 2007) und „Der Killer kehrt zurück“ (Stranger in Paradise, 2008).
Ebenfalls für April hat der Europa-Verlag mit „Brimstone“ (2009) den dritten Western mit den Gesetzeshütern Virgil Cole und Everett Hitch angekündigt.
Und, wo wir gerade dabei sind, bei Pendragon erscheinen die alten Spenser-Romane von Robert B. Parker als E-Book only.

Robert B. Parker: Tod im Hafen – Ein Fall für Jesse Stone
(übersetzt von Bernd Gockel)
Pendragon, 2014
328 Seiten
10,99 Euro

Originalausgabe
Sea Change
G. P. Putnam’s Sons, 2006

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Die Tote in Paradise” (Death in Paradise, 2001)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Eiskalt” (Stone Cold, 2003)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte

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