DVD-Kritik: Pierce Brosnan ist „The November Man“

Mit seinem neuesten Film „The November Man“ kehrt Pierce Brosnan zurück in die Welt der Geheimagenten und, auch wenn die Story ziemlich verwickelt ist, steht der Film eher in der James-Bond- als in der „Der Schneider von Panama“-Tradition.
Brosnan spielt Peter Devereaux, einen Ex-CIA-Agenten, der jetzt in Lausanne als Gastwirt eine ruhige Kugel schiebt. Da bittet ihn sein alter Vorgesetzter Hanley um Hilfe. Natalia Ulanova hat Beweise, die dem zukünftigen russischen Präsidenten Arkady Federov die Macht kosten könnten und die sie an den Westen weitergeben möchte. Wenn sie – Schöne Grüse von „Liebesgrüße aus Moskau“ – von Devereaux aus Moskau herausgeholt wird. Devereaux lehnt ab. Er ist dann aber doch im richtigen Moment in Moskau und kann sie vor ihren russischen Verfolgern retten. Auf ihrer Flucht wird sie allerdings von dem US-amerikanischen Rettungsteam, das ebenfalls vor Ort ist, erschossen.
Weil Natalia eine alte Freundin von Devereaux ist, will er sie rächen und die Hintergründe für den ganzen Schlamassel herausfinden. Seine beste Spur ist Alice Fournier (Olga Kurylenko), eine Sozialarbeiterin, die minderjährigen Prostituierten hilft.
In Belgrad beginnt ein leichengesättigtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Devereaux und der CIA und seinem ehemaligen Schüler David Mason (Luke Bracey) und einem russischen Ein-Frau-Killerkommando, bei dem nicht auffällt, dass Roger Donaldsons Film auf einem dreißig Jahre altem Agenten-Thriller basiert.
Bill Granger schrieb zwischen 1979 und 1993 dreizehn Romane mit Devereaux, einem Agenten für die R Sektion, die von Präsident Kennedy gegründet wurde, um die Überwacher zu überwachen. Für den Film wurde – was ja nicht immer der Fall ist – die Geschichte von „There are no spies“ umfassend modernisiert und in die Gegenwart verlegt. Die Konflikte, die politischen Hintergründe und die Technik ebenso. Denn als Granger den siebten „November Man“-Roman schrieb waren Handys und die modernen Überwachungstechniken noch Science-Fiction. Dafür gab es den Ostblock noch.
Roger Donaldson, der bereits mit „No Way Out“, „Der Einsatz“ und „Bank Job“ (wobei hier der Gangsterfilm im Vordergrund steht) gelungene, im Agentenmilieu spielende Thriller inszenierte und Pierce Brosnan vor „Dante’s Peak“ vulkanös in Szene setzte, hat mit seinem neuesten Film wieder gutes Erzählkino abgeliefert. Es ist grundsolide Genreware, für die sich niemand zu schämen braucht und die vor allem auf die Cleverness des Helden setzt.
An „The November Man“ sieht man aber die verheerenden Folgen von „24“ für solche sich mit mittleren Budgetrahmen bewegende Spionagethriller. Denn „24“ und einige andere hochkarätige TV-Serien sehen so gut aus, dass sie sich vor Kinofilmen nicht mehr verstecken müssen. Im Gegenzug sehen die Kinofilme dann zu sehr nach TV aus und irgendwie erwartet man noch ein, zwei Wendungen, gleichzeitig mehr und weniger Handlung und der Protagonist soll noch etwas zwiespältiger sein. Dabei ist Devereaux, wie man es aus den Siebziger-Jahre-Thrillern kennt, ein eiskalter, illusionsloser Killer, der gnadenlos und ohne Gewissensbisse Gewalt einsetzt. Sein schlechtes Gewissen, falls er überhaupt eines hat, bekämpft er mit Alkohol. Jedenfalls trinkt er Schnäpse wie andere Menschen Säfte. Und er würde niemals zu einem Therapeuten gehen oder sich von seinem Land für deren Politik einspannen lassen. Das unterscheidet ihn von einem Jack Bauer oder einem Jason Bourne.
Auch wenn die Kritiken gemischt waren – vor allem wurde bemängelt, dass der Film nicht mehr als ein solider Genrefilm sein will -, haben die Produzenten bereits einen zweiten Film mit Devereaux ankündigt.
Und das ist eigentlich eine gute Nachricht für den Genrejunkie, der natürlich darauf hofft, dass das Potential des Charakters stärker ausgeschöpft wird.

The November Man - DVD-Cover

The November Man (The November Man, USA 2014)
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Michael Finch, Karl Gaydusek
LV: Bill Granger: There are no spies, 1986 (Wiederveröffentlichung mit dem Filmtitel „The November Man“; was dummerweise auch der Titel des ersten Devereaux-Romans ist, der dafür jetzt einen anderen Titel hat)
mit Pierce Brosnan, Olga Kurylenko, Luke Bracey, Bill Smitrovich, Will Patton, Lazar Ristovski, Amila Terzimehic, Mediha Musliovic

DVD
Universum Film
Bild: 1,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Horgeschädigte
Bonusmaterial (27 Minuten): Featurettes „Pierce Brosnan ist zurück!“, „Schauplatz Belgrad“, Making Of, Trailer, Wendecover
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „The November Man“
Metacritic über „The November Man“
Rotten Tomatoes über „The November Man“
Wikipedia über „The November Man“ (deutsch, englisch) und Bill Granger
SpyGuysAndGals über Devereaux

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