Neu im Kino/Filmkritik: Alex Garlands Regiedebüt „Ex Machina“

So überzeugend „Ex Machina“ visuell ist, so enttäuschend ist das Drehbuch – und das überrascht. Denn das Drehbuch stammt von Alex Garland, dem Romanautor von „The Beach“ und Drehbuchautor von Filmen wie „28 Days Later“, „Sunshine“ und „Dredd“. Er übernahm auch die Regie und mit Domhnall Gleeson, Oscar Isaac und Alicia Vikander hatte er auch gute Schauspieler.
Domhnall Gleeson („Nur eine Frage der Zeit“, etwas Harry Potter und der neue „Star Wars“-Film) spielt den 24-jährigen Informatiker Caleb, der ein absolut unschlagbares Angebot erhält: er darf eine Woche auf dem abgelegen in Alaska liegendem Landsitz seines Chefs verbringen und von ihm persönlich bewirtet werden. Nathan (Oscar Isaac) ist nicht nur der CEO der weltweit größten Internetfirma, sondern auch ein Forscher. Er willl nicht nur herausfinden, ob es künstliche Intelligenz gibt und ob wir eine emotionale Beziehung zu einem Computer aufbauen können, sondern sogar, ob wir einen Computer als menschliches Wesen anerkennen, wenn wir wissen, dass der Computer ein Computer ist. Dafür soll Caleb herausfinden, ob Ava (Alicia Vikander), ein Roboter mit einer Mischung aus Skelett und weiblichen Rundungen, sich wie ein Mensch verhält.
„Ex Machina“ spielt fast nur auf dem rundum überwachten Landsitz von Nathan. Das gesamte Personal besteht aus einer stummen Dienerin. Das Drama entwickelt sich dann zwischen Caleb, Nathan und seiner Schöpfung Ava; was kein Problem wäre, wenn die Ausgangslage nicht so hochgradig hypothetisch und ausgedacht wäre (Ein Anwesen in der Einsamkeit? Ein zurückgezogen lebender Milliardär ohne irgendeinen Kontakt zur restlichen Welt oder irgendwelchen Angestellten und Vertrauten? Ein Pseudo-Turing-Test, der schon durch seinen Versuchsaufbau ad absurdum geführt wird.) und die sich dann entspinnende Geschichte nicht so grausam vorhersehbar wäre. Denn nachdem Nathan Caleb erzählt hat, worum es in dem Experiment geht und wie der avancierte Versuchsaufbau ist, kann man sich den weiteren Verlauf denken. In dem Moment müssen wir noch nicht einmal wissen, dass Caleb ein Waise ist, keine Freundin hat und sich eine Freundin wünscht.
Diese Vorhersehbarkeit wäre verzeihbar, wenn die Frage nach unserer Wahrnahme von Künstlicher Intelligenz mit neuen Einsichten behandelt würde und die Charaktere interessant wären. Aber ich konnte zu keinem Charakter eine emotionale Verbindung aufbauen. Was auch daran liegt, dass Nathan ein an erheblichen Stimmungsschwankungen leidender Alkoholiker ist, dass seine Schöpfung immer seine Puppe ist und dass Caleb ein wahrer Trottel ist, dem man am Liebsten ein „Alleine nicht lebensfähig“-Schild umhängen würde.
„Ex Machina“ ist eine unterkühlt erzählte „The Twilight Zone“-Episode, bei der in die Optik, aber nicht in die Charaktere und ihre plausible Entwicklung investiert wurde. So wird aus einer guten Idee für einen Kurzfilm ein fast zweistündiges, unter seinen Möglichkeiten bleibendes Kammerspiel, das ohne Überraschungen bekanntes Science-Fiction-Terrain abgrast.

Ex Machina - Plakat

Ex Machina (Ex Machina, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
mit Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Alicia Vikander, Sonoya Mizuno
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ex Machina“
Moviepilot über „Ex Machina“
Metacritic über „Ex Machina“
Rotten Tomatoes über „Ex Machina“
Wikipedia über „Ex Machina“ (deutsch, englisch)

DP/30 unterhält sich mit Alex Garland über „Ex Machina“

 

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