TV-Tipp für den 31. Mai: Baal

Mai 30, 2015

BR, 22.10
Baal (Deutschland 1970, Regie: Volker Schlöndorff)
Drehbuch: Volker Schlöndorff
LV: Bertolt Brecht: Baal, 1918 (erste Fassung; 1919, 1936 und 1954 folgten weitere Fassungen)
Rainer Werner Fassbinder ist Baal, ein egozentrischer, trunksüchtiger Poet, der alles Bürgerliche ablehnt und rücksichtslos nur seinen eigenen Bedürfnissen folgt.
Volker Schlöndorff modernisierte Brechts Theaterstück, Rainer Werner Fassbinder verkörperte ihn – und die Brecht-Witwe Helene Weigel untersagte, nachdem der Film zweimal im Fernsehen lief (am 7. Januar 1970 in den koproduzierenden Dritten Programmen, die damals nur eine regionale Verbreitung hatten, und am 21. April 1970 in der ARD), jede weitere Vorführung. Es sei keine werkgetreue Interpretation.
Erst 2014 konnte „Baal“ (nachdem man schon glaubte, der Film würde zu den verlorenen Kunstwerken gehören) auf der Berlinale wiederaufgeführt werden. Danach lief er im Kino, kaum auf DVD heraus – und läuft jetzt, nach 45 Jahren, wieder im Fernsehen.
Die Musik ist von Klaus Doldinger. Kameramann war Dietrich Lohmann.
mit Rainer Werner Fassbinder, Sigfried Graue, Margarethe von Trotta, Günther Neutze, Miriam Spoerri, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Walter Sedlmayr

Hinweise

Berlinale über „Baal“

Wikipedia über „Baal“ und Rainer Werner Fassbinder

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels Dokumentarfilm „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

Homepage von Volker Schlöndorff

Deutsches Filminstitut über Volker Schlöndorff und „Baal“ (viel Stoff) und über die Sammlung Volker Schlöndorff

Kriminalakte über Volker Schlönforff

Kriminalakte gratuliert Volker Schlöndorff zum 75. Geburtstag


TV-Tipp für den 30. Mai: Im Auftrag des Drachen

Mai 30, 2015

Weil der am 31. Mai 1930 geborene Clint Eastwood sehr bald einen runden Geburtstag feiert, zeigen alle Sender in den nächsten Tagen viele Clint-Eastwood-Filme; mit einer Konzentration auf sein Spätwerk. Heute beginnen die Bayern um 20.15 Uhr mit „Die Brücken am Fluss“. Um 22.35 Uhr folgt „Im Auftrag des Drachen“ und um 00.30 Uhr „Betrogen“.

BR, 22.35

Im Auftrag des Drachen (USA 1975, Regie: Clint Eastwood)

Drehbuch: Hal Dresner, Warren Murphy (als Warren B. Murphy), Rod Whitaker

LV: Trevanian (Pseudonym von Rod Whitaker): The Eiger Sanction, 1972 (Im Auftrag des Drachen)

Jonathan Hemlock soll im Auftrag einer Geheimorganisation zwei Killer töten. Von einem ist nur bekannt, dass er an einer Besteigung der Eiger-Nordwand teilnimmt. Hemlock schließt sich den Bergsteigern an.

Thriller, bei dem die Landschaftsaufnahmen (Monument Valley, Schweizer Alpen) mehr beeindrucken als die Story. Was auch Clint Eastwood zugibt. Trevanians Debüt mit dem Superspion Hemlock war ein weltweiter Bestseller.

Mit Clint Eastwood, George Kennedy, Heidi Brühl, Reiner Schöne

Hinweise

Homepage von Trevanian

Wikipedia über Trevanian

L. A. Times: Nachruf auf Rod Whitaker (19. Dezember 2005)

Meine Besprechung von Trevanians “Im Auftrag des Drachen” (The Eiger Sanction, 1972)

Meine Besprechung von Trevanians „Der Experte“ (The Loo Sanction, 1973)

Meine Besprechung von Trevanians “Shibumi” (Shibumi, 1979)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Die „Gangs of Wasseypur“ sind jetzt der „Asian Godfather“

Mai 29, 2015

Neues Cover, neuer Titel, ein Zwei in Eins und schon wird aus den „Gangs of Wasseypur“, die ursprünglich in zwei Teilen erschienen, der „Asian Godfather“.
Damals schrieb ich über das Epos:
Ursprünglich sollte „Gangs of Wasseypur“ als ein Film gezeigt werden. Aber dreihundert Minuten war dann, sogar für Bollywood-Verhältnisse, etwas lang. Auch weil „Gangs of Wasseypur“ kein Musical (obwohl es genug Musik gibt), sondern ein Gangsterepos ist, das – anscheinend ziemlich nah an der Realität – die Geschichte des Verbrechertums in der nordostindischen Kohle- und Bergbaustadt Wasseypur erzählt.
Regisseur Anurag Kashyap konzentriert sich dabei auf die miteinander verfeindeten Verbrecherclans von Shahid Khan und Ramadhir Singh und ihren jahrzehntelangen Kampf von den vierziger Jahren, kurz vor dem Ende der Kolonialzeit, bis in die Gegenwart. Allein schon der zeitliche Umfang, sowohl in Erzählzeit als auch in Filmzeit, weckt Erinnerungen an Francis Ford Coppolas „Der Pate“-Saga oder Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“, aber Anurag Kashyap erzählt konventioneller, indem er chronologisch die Geschichte erzählt und mit viel Musik, vor allem im zweiten Teil, garniert. Der zweite Teil, der nach der Jahrtausendwende, nach der Ermordung von Shahid Khan auf offener Straße beginnt, erzählt, wie sein drogensüchtige Enkel Faizal die Macht übernimmt und der Kampf zwischen den beiden Familien zu einem Krieg eskaliert, Dieser Teil ist poppiger geraten, weil sich optisch und erzählerisch an neuen westlichen Gangsterfilmen orientiert und die Geschichte mit viel Bollywood-Musik unterlegt wird, der indischen Variante von Ethno-Euro-Disco, was für meine Ohren eine ziemlich gruselige Musik ist und weshalb ich auch kein Bollywood-Fan bin.
In der zweiten Hälfte fällt auch auf, wie lange Wasseypur von der westlichen Kultur verschont blieb. Bis vor wenigen Jahren schien dort seit den Dreißigern die Zeit stehen geblieben zu sein.
Die Teilung des dreihundert minütigen Films in zwei gleich lange Teile ist sinnvoll, denn jeder Teil erzählt eine durchaus eigenständige, stilistisch klar unterscheidbare Geschichte. Aber seine volle Pracht entfaltet „Gangs of Wasseypur“ nur, wenn man beide Teile sieht, die sich auch gar nicht wie fünf Stunden anfühlen.
Für uns Genrejunkies ist das Epos ein feiner Blick in eine fremde Verbrecherwelt. Denn es muss ja nicht immer die italienische Mafia in God’s own Country sein.
Jetzt also in einer Box zu einem günstigen Preis.

Asian Godfather - DVD-Cover - 4

Asian Godfather
Polyband
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Hindi (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer, Wendecover
Länge: 308 Minuten (2DVDs)
FSK: ab 18 Jahre

enthält:
Gangs of Wasseypur – Teil 1 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)
Regie: Anurag Kashyap
Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri
mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda
Länge: 154 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Gangs of Wasseypur – Teil 2 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)
Regie: Anurag Kashyap
Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri
mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda
Länge: 154 Minuten
FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film 

Moviepilot über „Gangs of Wasseypur“

Rotten Tomatoes über „Gangs of Wasseypur“

Wikipedia über „Gangs of Wasseypur“ (Teil 1, Teil 2)

BFI über “Gangs of Wasseypur” (Film der Woche)

Meine Besprechung von Anurag Kashyaps „Gangs of Wasseypur“ (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Ryan Goslings Regiedebüt „Lost River“

Mai 29, 2015

Eines kann man Ryan Gosling bei seinem Regiedebüt „Lost River“ nicht vorwerfen: dass er den einfachen Weg geht. Stattdessen drehte er einen bildgewältigen surrealen Alptraum irgendwo zwischen David Lynchs „Twin Peaks“ und Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“, mit Terrence-Malick-Referenzen, bei dem die Bilder und die Stimmung bedeutungsschwanger die nicht vorhandene Story übertünchen sollen. Wobei Gosling sich in seinem Regiebdebüt auch überhaupt nicht für eine herkömmliche Narration interessiert.
In der herunterkommenen Ruinenstadt Lost River (gedreht wurde in Detroit), auf der ein Fluch lasten soll, lebt eine Restfamilie, bestehend aus der Mutter Billy (Christina Hendricks) und ihren beiden Söhnen Franky und Bones, in ihrem abbruchreifen Haus und ohne irgendeine ökonomische Perspektive. Ihre Nachbarn haben das Viertel schon lange verlassen.
Bones (Iain De Caestecker) sucht in verlassenen Häusern nach Schrott, den er einem Händler verkaufen kann. Dabei legt er sich mit dem Gang-Leader Bully (Matt Smith) an. Zur gleichen Zeit geht seine Mutter auf ein Angebot ihres Bankmanagers Dave (Ben Mendelsohn) zur Tilgung des Kredits ein. In einem von Miss Kitty Cat (Eva Mendes) geführtem Nachtclub, das seinen Gästen eine spezielle Show bietet (die etwas mit Sex, Blut und Gewalt zu tun hat), könne sie gutes Geld verdienen. Billy nimmt die Arbeit an.
Währenddessen verliebt Bones sich in das Nachbarmädchen Ratte (Saoirse Ronan), deren Großmutter Belladonna (Barbara Steele) dumpf auf den Fernseher und die dort laufenden alten Filme starrt. Weil Bones mit ihr die Stadt verlassen will, begibt er sich auf den Weg zum See, in dem es eine versunkene Stadt gibt.
Bis zum Ende kann man keinen Plot erkennen. Ryan Gosling geht es in seinem dunklem Märchen um ein Gefühl, das Porträt einer verlassenen Gegend und einiger Mythen, die für alles und nichts stehen. Wer will, kann daher „Lost River“ als Allegorie auf den amerikanischen Traum sehen. Oder sich von den Bildern und Stimmungen, wie bei einem Traum, einfach mitreisen lassen. Oder, wie ich, zunehmend gelangweilt und genervt gegen den Schlaf kämpfen.
Denn die einprägsamen Bilder, die Schauspieler, die Idee und was daraus hätte entstehen können, sind so unglaublich vielversprechend. Der Film selbst ist nur noch prätentiös.

Lost River - Plakat

Lost River (Lost River, USA 2014)
Regie: Ryan Gosling
Drehbuch: Ryan Gosling
mit Christina Hendricks, Saoirse Ronan, Iain De Caestecker, Matt Smith, Reda Kateb, Barbara Steele, Eva Mendes, Ben Mendelsohn
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Facebookseite zum Film
Film-Zeit über „Lost River“
Moviepilot über „Lost River“
Metacritic über „Lost River“
Rotten Tomatoes über „Lost River“
Wikipedia über „Lost River“ (deutsch, englisch)

Ein Filmgespräch mit Ryan Gosling über „Lost River“


Neu im Kino/Filmkritik: „Kiss the Cook“ und iss das Essen

Mai 28, 2015

Wer möchte kann „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben“ von Jon Favreau (Regie, Drehbuch, Hauptrolle) als Metapher auf seine Hollywood-Erfahrungen sehen. Er begann mit kleinen Independent-Filmen, wie „Swingers“ und „Made“, stieg dann mit seinen beiden „Iron Man“-Filmen und dem Science-Fiction-Western „Cowboys & Aliens“ in die Blockbuster-Regie auf und dreht jetzt wieder einen kleinen Film, der von der ersten bis zur letzten Sekunde den Geist des unabhängigen Independent-Kinos atmet.
Favreau erzählt die Geschichte von Carl Casper, der vor zehn Jahren zum Chefkoch eines Nobelrestaurants aufstieg. Aber anstatt seine eigenen Mahlzeiten zu kreieren, muss er den konservativen Kochplan seines Chefs ausführen. Immerhin lieben die Gäste seit Jahrzehnten genau diese Gerichte, die immer auf die gleiche Art zubereitet werden. Also bitte keine Experimente.
Nach einer missgünstigen Kritik eines Restaurantkritikers, der Carl vorwirft, dass er seinen Esprit verloren habe, flippt Carl aus. Der Streit zwischen ihnen führt letztendlich zu seiner Entlassung.
Mit etwas Hilfe von seiner Ex-Frau entschließt Carl sich zu einem Zurück-zu-den-Wurzeln-Programm. In Florida organisiert er sich einen Imbisswagen, bringt ihn, mit seinem elfjährigem Sohn Percy und seinem Sous-Chef Martin, wieder in Schuss. Gemeinsam machen sie sich von Miami aus auf den Weg quer durch die USA zurück nach Los Angeles.
Auf dem Weg durch die Südstaaten wird, auch dank der sozialen Medien, aus der Schnapsidee, mit der Carl seinem Sohn die regionale amerikanische Küche näher bringen will, ein Triumphzug. Denn überall stehen die Leute Schlange, um seine Variationen südamerikanischer und kubanischer Leckerbissen zu essen.
„Kiss the Cook“ ist ein sympathisches Feelgood-Movie, in dem etliche Stars kurze, oft prägnante Auftritte haben und man mit den drei Männern im Imbisswagen „El Jefe“ gerne seine Zeit verbringt. Da verzeiht man auch, dass diese Reise gänzliche konfliktfrei abläuft und das präsentierte Essen nicht sonderlich gesund ist.
Beim Tribeca-Filmfestival erhielt „Kiss the Cook“ den Publikumspreis.

Kiss the Cook - Plakat

Kiss the Cook – So schmeckt das Leben (Chef, USA 2014)
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Jon Favreau
mit Jon Favreau, Emjay Anthony, Sofia Vergara, John Leguizamo, Scarlett Johansson, Oliver Platt, Bobby Cannavale, Amy Sedaris, Dustin Hoffman, Robert Downey jr.
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Facebookseite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Kiss the Cook“
Moviepilot über „Kiss the Cook“
Metacritic über „Kiss the Cook“
Rotten Tomatoes über „Kiss the Cook“
Wikipedia über „Kiss the Cook“
Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)


TV-Tipp für den 29. Mai: Cowboys & Aliens

Mai 28, 2015

Vor „Kiss the Cook“ war „Cowboys & Aliens“

Pro 7, 20.15

Cowboys & Aliens (USA 2011, Regie: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Wiederholung: Samstag, 30. Mai, 22.35 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über “Cowboys & Aliens”

Rotten Tomatoes über “Cowboys & Aliens”

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tracers“ – viel Parkour bei mediokrer Geschichte

Mai 28, 2015

Wie sieht das Leben nach einer Hauptrolle in einer erfolgreichen Serie aus? Schwierig. Sehr schwierig, wie auch „Tracers“ mit Taylor Lautner zeigt. Lautner, für alle die um Young-Adult-Hits einen großen Bogen mache, spielte in den „Twilight“-Filmen mit und jetzt versucht er sich wohl als Action-Star zu etablieren. Dabei ist das Drehbuch von Matt Johnson („Into the Blue“) so dünn ist, dass man nichts über seine schauspielererischen Qualitäten sagen kann. Seine Star-Qualitäten, die uns dazu bringen, den Film nur wegen ihm anzusehen und zu mögen, sind jedenfalls deutlich geringer als die seiner „Twilight“-Co-Stars.
Taylor Lautner spielt in „Tracers“ Cam, einen netten, bei den falschen Leuten hoch verschuldeten, New Yorker Fahrradkurier. Bei einer seiner Touren stößt er mit Nikki zusammen. Von seiner Seite ist es Liebe auf den ersten Blick. Außerdem ist er von ihren sportlichen Fähigkeiten fasziniert. Sie hüpft scheinbar schwerelos durch die Stadt.
Nach längerem Suchen findet er sie und sie verschafft ihm Zugang zu ihrer Clique: eine Gruppe junger Menschen, die Parkour, also das sportliche Laufen und Springen durch die Stadt ohne auf Hindernisse zu achten, praktizieren. Ihr Anführer ist Miller. Er plant die Überfälle, in denen sie ihre Parkour-Fähigkeiten als Verbrecher ausnutzen.
Cam will mitmachen. Wegen der Liebe. Wegen dem Sport. Wegen des Geldes. Denn der Geldeintreiber der chinesischen Mafia will unbedingt sein Geld zurückhaben. Mit dem üblichen unverschämten Zinsaufschlag.
Die Story ist die übliche Ansammlung von Klischees, die noch nicht einmal eine halbe Gehirnzelle Aufmerksamkeit beansprucht.
Dafür ist die Action äußerst überzeugend geraten. Für den Dreh wurden auch echte Parkourläufer verpflichtet. Bei den Stunts wird selten geschnitten und oft wird das Geschehen – wenn sie scheinbar schwerelos über ihr Trainingsgelände (ein Schiffswrack) oder über Häuserdächer springen – in der Totale gezeigt, die die große Leinwand rechtfertigt.
Der Film als Ganzes ist nur Direct-to-DVD-Standardware.

Tracers - Plakat

Tracers – It’s not a crime if they can’t catch you (Tracers, USA 2015)
Regie: Daniel Benmayor
Drehbuch: Matt Johnson
mit Taylor Lautner, Marie Avgeropoulos, Adam Rayner, Rafi Gavron, Josh Yadon, Luciano Acuna jr.
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Tracers“
Moviepilot über „Tracers“
Metacritic über „Tracers“
Rotten Tomatoes über „Tracers“
Wikipedia über „Tracers“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Der „Poltergeist“ poltert wieder

Mai 28, 2015

Wenn wir das „Das Original ist besser“-Gerede links liegen lassen, hat „Poltergeist“, Gil Kenans Remake des gleichnamigen Horrorfilms von Tobe Hooper (mit Steven-Spielberg-Vibe), zwei aktuelle Probleme: „Conjuring – Die Heimsuchung“ und „Der Babadook“ – zwei neue Horrorfilme, in denen in einem Haus die Hölle los ist, und die verdammt gut sind. Dagegen ist „Poltergeist“ nur ein laues Lüftchen, das vorhersehbar das Haunted-House-Horrorfilmgenre bedient. Denn die von Steven Spielberg erfundene Geschichte war schon beim 1982er Film altbekannt.
Die Familie Bowen zieht in ein wunderschönes Vorstadthaus, das direkt neben einer Grünanlage liegt. Schon bei der Besichtigung gibt es seltsame Ereignisse, die in den nächsten Tagen immer größere Dimensionen annehmen, bis – als vorläufiger Höhepunkt – die jüngste Tochter Maddy in eine andere Dimension verschwindet. Ihre beiden Geschwister Griffin und Kendra, Vater Eric (Sam Rockwell) und Mutter Amy (Rosemarie DeWitt, beide unterfordert), ein Team von universitären Forschern und ein professioneller Geisterjäger mit einer TV-Sendung versuchen jetzt das Kind zu retten.
Der Kontakt erfolgt dabei – und das war schon im Original der originelle Moment, der für das bekannte Plakatmotiv sorgte – über den Fernseher.
Der originale „Poltergeist“-Film überzeugte als altmodischer Geisterfilm, der die bekannte Geschichte mit guten Tricks noch einmal schlüssig in zwei Stunden erzählte. Er war die düstere Variante von „E. T.“, dem Film, den Steven Spielberg drehte, während er „Poltergeist“ produzierte und Tobe Hooper den Regiestuhl überließ. Schon während des Drehs gab es Diskussionen darüber, wie sehr Spielberg dann doch die Regie und den Schnitt übernahm. Der Film war ein Hit. In zwei Fortsetzungen durfte der Poltergeist weiter poltern.
Bei dem Remake übernahm Gil Kenan die Regie. Sein Regiedebüt war der Oscar-nominierten Animationsfilm „Monster House“ über ein sehr lebendiges Horrorhaus. „Tanz der Teufel“ Sam Raimi produzierte und selbstverständlich wird jetzt in 3D gepoltert. Es wurde – obwohl es eher nach einer Konvertierung aussieht – sogar in 3D gedreht. Trotzdem wirken die räumlichen Dimensionen auf eine ärgerliche Art immer etwas falsch. Denn, im Gegensatz zu einem Film Noir oder einem expressionistischem Horrorfilm, ist eine eindeutige künstlerische Aussage nie erkennbar. Immerhin gibt es keine Wackelkamera, kein Found-Footage-Gedöns und keine Splatter- und Folterorgien. Vor allem letzteres wäre in einem Geisterhausfilm auch etwas unpassend.
Im Gegensatz zu „Der Babadook“ ist „Poltergeist“ nur eine Geisterbahnfahrt: es gibt die erwartbaren Schocks und Überraschungen, aber die Seele, das Thema, das, was den Film zu mehr als einer Horrorshow machen könnte, fehlt. Die bösen Poltergeister sind einfach nur Tote, die stinkig sind, dass jemand ihre Grabsteine versetzt hat.

Poltergeist 2015 - Plakat

Poltergeist (Poltergeist, USA 2015)
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: David Lindsay-Abaire (nach einer Geschichte von Steven Spielberg)
mit Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Saxon Sharbino, Kyle Catlett, Kennedi Clements, Jared Harris, Jane Adams, Susan Heyward, Nicholas Braun
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Poltergeist“
Moviepilot über „Poltergeist“
Metacritic über „Poltergeist“
Rotten Tomatoes über „Poltergeist“
Wikipedia über „Poltergeist“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „San Andreas“ rockt, Dwayne Johnson rettet

Mai 28, 2015

Obwohl dieses Mal gleich die ganze San-Andreas-Verwerfung rockt, ist „San Andreas“ ein fast schon kleiner, intimer Film über eine Familienzusammenführung. Denn während die halbe Westküste von gigantischen Erdbebenstößen heimgesucht wird, will Ray Gaines (Dwayne Johnson) nur seine Tochter Blake (Alexandra Daddario) retten.
Ray ist Rettungspilot der Feuerwehr von Los Angeles und damit, wie wir in den ersten Filmminuten bei einem Einsatz in einer sehr engen Schlucht sehen, prädestiniert für eine solche Rettungsmission. Trotzdem nimmt er seine Ex-Frau Emma (Carla Gugino) mit. Immerhin ist sie die Mutter von Blake und er hat sie gerade in einer selbstmörderischen Rettungsaktion vom Dach eines Hochhauses gerettet. Danach waren das Hochhaus und die Innenstadt von Los Angeles erdbebenbedingt platt. Sein Berufsethos opfert er der geplanten Familienzusammenführung.
Währenddessen kämpft ihre Tochter in San Francisco ums Überleben. Zum Glück hat ihr Vater ihr alles beigebracht, was man zum Überleben während einer Katastrophe benötigt.
Die Katastrophenfilme der vergangenen Jahrzehnte überzeugten nie mit einer besonders komplexen Geschichte oder glaubwürdig-dreidimensionalen Charakteren. Normalerweise, wie in „Erdbeben“ (USA 1974), das ebenfalls in Los Angeles spielt, ein Kassenhit war und in jeder Beziehung wie ein Vorläufer für „San Andreas“ wirkt, darf ein imposantes Staraufgebot in vorhersehbaren Geschichten voller Klischees grenzdebile Sätze sagen, während sich, die unfreiwilligen Helden und die Feiglinge fein säuberlich auseinanderdividieren und die Tricks überzeugen.
Auch „San Andreas“ wäre als weitere Episode in „Erdbeben“ nicht weiter aufgefallen. Denn Dwayne Johnson ist der einzige Star. Paul Giamatti glänzt in einer Nebenrolle als Erdbebenforscher, der mit seinem Modell die nächsten Erdbebenstöße voraussagen kann. Die anderen Schauspieler sind eher unbekannt.
Die Tricks sind gut, aber inzwischen hat man schon viel zu oft im Computer fotogen zusammenfallende Gebäude gesehen. Im Gegensatz zu früher, ist die Qualität der Tricks zwischen einem billigem und einem teuerem Film und einem Computerspiel nicht mehr so groß wie früher. Vor allem wenn man den teueren Film nicht auf einer großen Leinwand sieht. Auffallend bei den zahlreichen Katastrophenszenen in „San Andreas“ ist der fast vollständige Verzicht auf die Zeitlupe, weshalb man die Zerstörung während der Beben kaum genießen kann. Und das alles geschieht äußerst unblutig. Immerhin sterben in dem Film tausende Menschen oder sie taumeln nach den Erdbebenstößen verletzt durch die Stadt.
Für den Film spricht eine insgesamt schlüssige Geschichte (eigentlich wird nur erzählt, wie Ray und Emma von Los Angeles nach San Francisco in wechselnden Fortbewegungsmitteln fahren und wie Blake in San Francisco zum vereinbarten Treffpunkt gehen will – und natürlich geschicht immer wieder etwas Unvorhergesehenes, das alle Pläne über den Haufen wirft), sympathische Schauspieler (Dwayne Johnson ist einfach immer sympathisch und Paul Giamatti ist immer ein Gewinn. Auch in einer vollkommen undankbaren Rolle.) und die durchaus ansehnlichen Zerstörungsorgien.
Es ist allerdings auch ein Katastrophenfilm, der sich nie bemüht mehr als ein weiterer Katastrophenfilm zu sein. Immerhin passiert ständig etwas, das die Handlung vorantreibt, und die Spannungs- und Kitschmomente sind so übersteigert, dass sie auch schon fast die eigene Parodie mitliefern.

San Andreas - Plakat

San Andreas (San Andreas, USA 2015)
Regie: Brad Peyton
Drehbuch: Carlton Cuse (nach einer Geschichte von Andre Fabrizio und Jeremy Passmore)
mit Dwayne Johnson, Carla Gugino, Alexandra Daddario, Ioan Gruffudd, Archie Panjabi, Paul Giamatti, Hugo Johnstone-Burt, Art Parkinson, Will Yun Lee, Kylie Minogue, Colton Haynes, Todd Williams, Matt Gerald
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „San Andreas“
Moviepilot über „San Andreas“
Metacritic über „San Andreas“
Rotten Tomatoes über „San Andreas“
Wikipedia über „San Andreas“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Mai: Night Moves

Mai 28, 2015

WDR, 23.30
Night Moves (Night Moves, USA 2013)
Regie: Kelly Reichardt
Drehbuch: Jon Raymond, Kelly Reichardt
Drei junge Öko-Aktivisten wollen einen Staudamm sprengen.
Insgesamt sehenswerter Arthaus-Thriller, der gelungen die gängigen Thrillerkonventionen unterläuft und ein Nicht-Hollywood-Bild von den USA zeichnet.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard, Alia Shawkat, Logan Miller, Kai Lennox, Katherine Waterston, James Le Gros

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Night Moves“

Moviepilot über „Night Moves“

Metacritic über „Night Moves“

Rotten Tomatoes über „Night Moves“

Wikipedia über „Night Moves“ 

Meine Besprechung von Kelly Reichardts “Night Moves” (Night Moves, USA 2013 – mit zahlreichen O-Tönen von Kelly Reichardt und den Schauspielern)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „Night Moves“ (Night Moves, USA 2013 – zur DVD-Veröffentlichung)


„Point Break“ – der erste Trailer

Mai 27, 2015

Wow, der erste Trailer für „Point Break“ (das Remake von „Point Break“ mit leicht geänderter Story) sieht verdammt gut aus und er hat einen ordentlichen Michael-Mann-Vibe.

Kinostart ist in Richtung Jahresende und selbstverständlich gibt es eine 3D-Version.

Also: viel Spaß:

(via Variety)

Nachtrag (vor einigen Stunden vergessen): Der deutsche Verleih Concorde hat auch schon einige Bilder von Luke Bracey (The Best of Me – Mein Weg zu dir) als Johnny Utah und Édgar Ramirez (Carlos – Der Schakal) als Bodhi veröffentlicht.
Deutscher Kinostart ist der 21. Januar 2016. Also nachdem sich der „Star Wars“-Staub etwas gelegt hat.

Point Break - Concorde PB-05732r_1400

Point Break - Concorde PB-08188_org

Point Break - Concorde PB-24472_org

Point Break - Concorde PB_04222_1400
Die Story ist doch bekannt? Polizist Utah will in einem sportlichen Undercover-Einsatz eine Bande Verbrecher überführen. Dummerweise ist deren Anführer Bodhi ein Charmebolzen und dem Polizisten gefällt das adrenalingesteuerte Verbrecherleben. Ist ja auch spannender als am PC die Tasten zu schlagen.


TV-Tipp für den 27. Mai: Die Ehe der Maria Braun

Mai 27, 2015

Arte, 20.15

Die Ehe der Maria Braun (Deutschland 1978, Regie: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)

Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.

Danach, um 22.10 Uhr, läuft die ziemlich brandneue Doku „Fassbinder“ (hier besprochen).

Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm

Hinweise

Arte über Rainer Werner Fassbinder

Wikipedia über “Die Ehe der Maria Braun” und Rainer Werner Fassbinder

Deutsches Filmhaus über „Die Ehe der Maria Braun“

Filmzentrale: Besprechungen von Ulrich Behrens, Janis El-Bira und Dieter Wenk über “Die Ehe der Maria Braun”

Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte


Cover der Woche

Mai 26, 2015

-ky - Schattenboxen


TV-Tipp für den 26. Mai: Angel Heart

Mai 26, 2015

Tele 5, 22.05

Angel Heart (USA 1987, Regie: Alan Parker)

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Wiederholung: Mittwoch, 27. Mai, 23.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Homepage von William Hjortsberg

Thrilling Detective über Harry Angel

Mordlust über „Angel Heart“


Horror bei ZDFneo

Mai 25, 2015

Das dürfte einige Fans des gesitteten Horrorfilms erfreuen: ZDFneo zeigt ab Samstag, den 27. Juni, bis zum Samstag, den 1. August, jeden Samstagabend von der Tagesschau-Wettervorhersage bis zum Morgengrauen Horrorfilme. Auf dem Programm stehen:

Samstag, 27. Juni 2015

20.15 Uhr            Van Helsing, USA 2004

22.10 Uhr            Der Knochenjäger, USA 1999

0.00 Uhr              From Dusk Till Dawn, USA 1995 (allseits bekannt)

1.35 Uhr              Im Land der Raketenwürmer, USA 1990

03.05 Uhr            From Dusk Till Dawn, USA 1995 (Wiederholung)

4.40 Uhr              Tarantula, USA 1955 (ein Klassiker!!!)

Samstag, 4. Juli 2015

20.15 Uhr            Riddick – Chroniken eines Kriegers, USA 2004

22.00 Uhr            Turistas – Mörderisches Paradies, USA 2006

23.20 Uhr            Eden Lake, GB 2008

00.40 Uhr            Das Dorf der Verdammten, USA 1995 (von John Carpenter)

02.05 Uhr            Eden Lake, GB 2008 (Wiederholung)

03.25 Uhr            Turistas – Mörderisches Paradies

Samstag, 11. Juli 2015

20.15 Uhr            Von allen Geistern besessen, USA 1990

21.35 Uhr            Die Vögel, USA 1963 (das wird ein Hitchcock-Abend)

23.30 Uhr            Topas, USA 1969

1.30 Uhr              Der zerrissene Vorhang, USA 1963

3.30 Uhr              Cocktail für eine Leiche, USA 1948

04.45 Uhr            Von allen Geistern besessen, USA 1990 (Wiederholung)

Samstag, 18. Juli 2015

22.20 Uhr            Der verbotene Schlüssel, USA 2005

23.55 Uhr            In der Tiefe wartet der Tod, USA 2009

01.15 Uhr            Der weiße Hai 2, USA 1978

03.05 Uhr            Der weiße Hai – Die Abrechnung, USA 1987

04.30 Uhr             In der Tiefe wartet der Tod, USA 2009 (Wiederholung)

Samstag, 25. Juli 2015

22.00 Uhr            Let Me In, USA 2010

23.45 Uhr            Rosewood Lane, USA 2011

01.20 Uhr             Rammbock, D 2010 (ein deutscher Zombiefilm – und gut ist das Werk außerdem)

02.20 Uhr             Labyrinth der Monster, USA 1983

04.00 Uhr             Let Me In, USA 2010 (Wiederholung)

Samstag, 1. August 2015

22.05 Uhr            Gothika, USA 2003

23.40 Uhr            The Unborn, USA 2008

00.55 Uhr             Cube, CAN 1997 (Kultfilm?)

02.25 Uhr             Katzenmenschen, USA 1981 (inzwischen auch ein Klassiker, von Paul Schrader)

04.14 Uhr             Gothika, USA 2003 (Wiederholung)

Insgesamt eine mehr als überzeugende Auswahl von eher neueren Horrorfilmen.


DVD-Kritik: Der Südkorea-Thriller „Verjährung“

Mai 25, 2015

Nach den ersten Minuten vermutet der gestandene Thriller-Fan, dass „Verjährung“ eine weitere Variation von Friedrich Dürrematts „Das Versprechen“ (ursprünglich verfilmt als „Es geschah am hellichten Tag“) wird. Immerhin kündigt Kommissar Cheong-ho seinen Job und er nimmt die Ermittlungsakten mit, um weiter an dem nicht aufgeklärten Entführungsfall zu ermitteln. Damals starb bei der Lösegeldübergabe das entführte Kind. Er hatte damals der Mutter Ha-kyung versprochen, den Täter zu finden. Seitdem sind fünfzehn Jahre vergangen und die Verjährungsfrist, die jede Ermittlung beendet, setzt ein.
Das könnte einen spannenden Kriminalfilm geben.
Aber Regisseur und Drehbuchautor Chung Keun-Sup macht nach diesem Auftakt noch einige Schlenker, die die Geschichte in neue und überraschende Bahnen lenkt. Es beginnt mit neuen Ermittlungen, weil jemand an dem der Öffentlichkeit unbekanntem Tatort eine Blume hinterlegte. Das ist die erste vielversprechende Spur, die Cheong-ho seit Ewigkeiten hat. Außerdem gibt es eine zweite Entführung, die an die damalige Entführung erinnert. Cheong-ho wird zu den Ermittlungen hinzugezogen. Außerdem ermittelt die immer noch um ihr Kind trauernde Mutter auf eigene Faust.
Gegen Ende driftet die Geschichte in „Oldboy“-Gefilde. Und wenn sich in den letzten Minuten alle Puzzlestücke zusammenfügen, zieht man anerkennend seinen Hut vor Chung Keun-Sup, der virtuos mit den Erwartungen des Zuschauers spielte.
Nur die zur Auflockerung eingestreuten Comedy-Elemente stören.

Verjährung - DVD-Cover

Verjährung (Mong-tajoo, Südkorea 2013)
Regie: Chung Keun-Sup (DVD-Cover, gebräuchlicher sind Geun-seop Jeong oder umgekehrt Jeong Geun-Seop)
Drehbuch: Chung Keun-Sup
mit Uhm Jung-Hwa, Kim Sang-Kyung, Song Young-Chang, Cho Hee-Bong

DVD
Edel
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Koreanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Trailer
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Moviepilot über „Verjährung“
Rotten Tomatoes über „Verjährung“
Wikipedia über „Verjährung“


TV-Tipp für den 25. Mai: Der Plan

Mai 25, 2015

ZDF, 23.35

Der Plan (USA 2011, Regie: George Nolfi)

Drehbuch: George Nolfi

LV: Philip K. Dick: Adjustment Team, 1954 (Kurzgeschichte)

Politiker David Norris verliebt sich in die Tänzerin Elise. Da tauchen einige seltsame Männer bei ihm auf, die behaupten, von einem Planungsbüro zu kommen und Norris’ Leben nachzujustieren. Denn nach dem Plan gibt es zwischen David und Elise keine Liebesgeschichte.

Bei Kritik und Publikum ziemlich gut angekommenes Spielfilmdebüt von George Nolfi, dem Drehbuchautor von „Das Bourne Ultimatum“, „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“ und „Ocean’s Twelve“, über die Frage, ob wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.

„Der Plan“ reiht sich mit seiner guten Story, den guten Schauspielern, der gelungenen Inszenierung und den gelungenen Tricks (es gibt wenige Tricks und die fügen sich organisch in die Geschichte ein) in die Reihe der gelungenen Philip-K.-Dick-Verfilmungen ein.

mit Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie, John Slattery, Michael Kelly, Terence Stamp

Wiederholung: Mittwoch, 27. Mai, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Der Plan“

Metacritic über „Der Plan“

Rotten Tomatoes über „Der Plan“

Wikipedia über „Der Plan“ (deutsch, englisch)

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Mein Hinweis auf die Neuauflage der Philip-K.-Dick-Romane „Marsianischer Zeitsturz“, „Ubik“ und „Der dunkle Schirm“

Philip K. Dick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Mai: Blitz

Mai 24, 2015

Pro7, 23.00

Blitz (Großbritannien 2011, Regie: Elliott Lester)

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Seine sieben „Inspector Brant“-Romane sind bis jetzt noch nicht übersetzt, aber das ändert sich ungefähr jetzt. Denn der Polar-Verlag veröffentlicht ungefähr jetzt „Kaliber“ mit dem Herrn Brant auf Mörderjagd.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Montag, 25. Mai, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Mein Herz tanzt“ zwischen den Kulturen

Mai 23, 2015

1982: Eyad wächst in einem arabischen Dorf in Israel auf. Seine Familie ist lebhaft. Niemand hat viel, aber insgesamt Ist das Klima in der Gemeinde gut. Wenn nicht die Israelis wären, die einen ständig unterdrückten.
Sechs Jahre später erhält der intelligente Junge als bislang erster Palästinenser ein Stipendium an einem jüdischen Elite-Internat in Jerusalem. Er nimmt, begleitet von den besten Wünschen und der Unterstützung seiner Eltern, das Stipendium an und taucht, ganz auf sich allein gestellt, in das ihm fremde universitäre und jüdische Leben in der Großstadt ein. Er verliebt sich in seine Klassenkameradin Naomi. Ihre jüdischen Eltern dürfen nichts von ihrer Beziehung erfahren. Und er kümmert sich, im Rahmen des Sozialprojekts der Schule, um den gleichaltrigen jüdischen Yonatan, der an einer unheilbaren Muskellähmung erkrankt ist. Nach anfänglichen Problemen befreunden sie sich. Eyad wird praktisch zu einem Teil der Familie.
Drei Jahre später steht er vor einer schwierigen Entscheidung zwischen seinen muslimischen Wurzeln und einer Zukunft in Israel.
Eran Riklis‘ neuer Film „Mein Herz tanzt“ beginnt wie eine schrullige Komödie aus dem israelisch-palästinensischem Grenzland mit all ihren Absurditäten und wird zunehmend ernster. Das könnte funktionieren, wenn Riklis darauf vorbereiten würde, die Geschichte nicht zunehmend zwischen ihren Plots zerflettern würde (was man wohlwollend als ein tanzen zwischen Kulturen und Ansprüchen interpretieren könnte) und das Ende nicht so absurd wäre. Es ist „überraschend“ (was ja jeder Schreibratgeber fordert) im negativen Sinn. Nichts bereitet einen während des Films darauf vor. Es ist aus der Luft gegriffen, eigentlich gegen den Charakter von Eyad und man fragt sich, ob Riklis das wirklich als eine Antwort auf die Identitätskonflikte junger Menschen geben möchte.
Diese Uneinheitlichkeit im Erzählton und auch der Erzählhaltung führt dazu, dass man glaubt, drei verschiedene Filme zu sehen und die Dramaturgie zunehmend episodisch wird. Die Geschichte zerfasert, was durch die Zeitsprünge (Juni 1988, November 1990 und April 1991) noch verstärkt wird und es wird immer unklarer, an welchem Punkt Riklis die Filmgeschichte beenden will. Wenn es in der Liebesgeschichte eine entscheidende Wendung gibt? Wenn sein Freund stirbt? Wenn er sein Studium abschließt und ein neues Kapitel seines Lebens aufschlägt? Oder wenn er sein Studium abbricht, um, wie sein Vater, Terrorist zu werden? Nun, ein Terrorist wird Eyad nicht.
Diese während des Films verstärkende Unklarheit über das angepeilte Ende (also das Ziel der Reise) führt auch dazu, dass man das Interesse an der Filmgeschichte verliert.
Ein sprachgewaltiger Autor – „Mein Herz tanz“ basiert auf einem halb-autobiographischem Roman – kann mit seiner Sprache über diese episodenhafte Struktur hinwegtäuschen. In einem Film, der einer anderen Dramaturgie gehorcht, ist das allerdings zu wenig.
Das ist schade, weil „Mein Herz tanzt“, nach dem fast schon burlesken ersten Teil, feinfühlig von den Ängsten, Nöten und Hoffnungen eines Studenten in einer fremden Stadt und einer ihm feindlich gesonnenen Gesellschaft, in der er versucht seinen Weg zwischen den Kulturen zu finden, erzählt.

Mein Herz tanzt - Plakat

Mein Herz tanzt (Dancing Arabs, Israel/Frankreich/Deutschland 2014)
Regie: Eran Riklis
Drehbuch: Sayed Kashua
LV: Sayed Kashua: Dancing Arabs, 2002 (Tanzende Araber)
mit Tawfeek Barhom, Razi Gabareen, Yael Abecassis, Michael Moshonov, Ali Suliman, Danielle Kitzis, Marlene Bajali, Laetitia Eido, Norman Issa
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mein Herz tanzt“
Moviepilot über „Mein Herz tanzt“
Rotten Tomatoes über „Mein Herz tanzt“
Meine Besprechung von Eran Riklis‘ „Die Reise des Personalmanagers“ (שליחותו של הממונה על משאבי אנוש‎/Shliḥuto shel Ha’Memuneh al Mash’abey Enosh, Israel/Deutschland/Frankreich/Rumänien 2010)


TV-Tipp für den 23. Mai: Tatort: Schattenboxen

Mai 22, 2015

HR, 21.40
Tatort: Schattenboxen (Deutschland 1981, Regie: Fritz Umgelter)
Drehbuch: Hans Kelch (nach der Kurzgeschichte „Ein Mord zur rechten Zeit“ von -ky, erschienen in „Mitunter mörderisch“, 1976)
Erster von zwei Auftritten von Lutz Moik als Hauptkommissar Bergmann: ein Fabrikant wird entführt. Kommissar Bergmann glaubt, dass ein Boxtrainer und sein Schützling etwas mit der Entführung zu tun haben. Und er fragt sich, warum es, trotz einer hohen Lösegeldforderung, kein Lebenszeichen von dem Entführtem gibt.
Ein alter „Tatort“, der allein schon wegen seinem Alter sehenswert ist. Außerdem laufen diese alten „Tatorte“ fast nie im Fernsehen.
mit Lutz Moik, Ingmar Zeisberg, Günter Strack, Günter Lamprecht, Matthias Dittmer, Karl Michael Vogler, Richy Müller
Hinweise
Das Erste über „Tatort: Schattenboxen“
Wikipedia über „Tatort: Schattenboxen“
Tatort-Fundus über Kommissar Bergmann


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