Neu im Kino/Filmkritik: Melissa McCarthy ist „Spy – Susan Cooper Undercover“

Die Idee ist so einfach, wie genial: wir lassen einfach eine Frau das tun, was normalerweise ein Mann macht. In „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013) durfte Melissa McCarthy, unter der Regie von Paul Feig, als harter Straßenbulle böse Jungs jagen, verkloppen und erschießen. Weil es die feministische Version eines Buddy-Movies war, half ihr eine stocksteife, aktenfressende Sandra Bullock. Der Film war ein Hit.
Jetzt schickt Paul Feig Melissa McCarthy als Geheimagent um die halbe Welt und sie muss das tun, was normalerweise James Bond tut: das Ende der Welt verhindern. Und ein beträchtlicher Teil des Vergnügens von „Spy – Susan Cooper Undercover“ ist eben das liebevolle Spiel mit den sattsam bekannten James-Bond-Klischees, wobei dieses Mal die Frauen die Hosen an haben, während die wenigen Männer nur noch Trottel sind.
Die blasse Büromaus Susan Cooper, die nach ihrer Agentenausbildung in der CIA-Zentrale bislang die Missionen im Hintergrund steuerte, darf, nachdem Bradley Fine (Jude Law) von dem Bösewicht Rayna Boyanov (Rose Byrne) erschossen wird, ihren ersten Außeneinsatz machen. Denn Boyanov kennt alle CIA-Agenten und sie will sie auch alle umzubringen. Aber sie kennt Cooper nicht.
Also schickt die CIA-Chefin Cooper auf ihren ersten Außeneinsatz. Die erste Station ist Paris. Cooper soll Boyanov nur beobachten und so herausfinden, wo sie die in einen Koffer passende Atombombe, die sie an Terroristen verkaufen will, versteckt hat. Natürlich nimmt Cooper gleich Kontakt zu ihr auf und die ungefährliche Beobachtungsmission wird zu einer James-Bond-Aktion mit Schlägereien, liebestollen Schönlingen, taffen Frauen auf beiden Seiten des Gesetzes und abenteuerlichen Aktionen, die ein Minimum an Planung mit einem Maximum an Improvisation vereinigen.
Das ist dann, auch wegen der vielen Referenzen (allein schon die Pre-Title-Sequenz mit Jude Law als ferngesteuertem James Bond auf einem mondänem Anwesen und der mit Maurice-Binder-würdigen Bildern unterlegte Titelsong), die feministische Unterwanderung des James-Bond-Agentenfilmgenres, die daran leidet, dass die Bond-Filme auch immer eine Parodie von sich und dem Agentenfilmgenre sind (weshalb es so schwer ist, eine überzeugende Bond-Parodie zu drehen), dass die Bond-Filme ein wesentlich größeres Budget haben (was man spätestens bei der lustvollen Zerstörung der überdimensionierten Zentrale des Bösewichts sieht) und dass die Idee „eine unscheinbare Frau als taffe Agentin“ schon in der TV-Serie „Agentin mit Herz“ (Scarecrow and Mrs. King, USA 1983 – 1987) verarbeitet wurde.
Deshalb bleibt bei „Spy – Susan Cooper Undercover“ immer das Gefühl vorhanden, dass man das alles schon einmal gesehen hat und Feigs durchaus kurzweiliger und witziger Film, bei all seinen Gags und Anspielungen, dem nichts wesentliches hinzufügt.

Spy - Plakat

Spy – Susan Cooper Undercover (Spy, USA 2015)
Regie: Paul Feig
Drehbuch: Paul Feig
mit Melissa McCarthy, Jason Statham, Jude Law, Rose Byrne, Miranda Hart, Bobby Cannavale, Allison Janney, Peter Serafinowicz, Morena Baccarin, 50 Cent, Ben Falcone
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Spy“
Moviepilot über „Spy“
Metacritic über „Spy“
Rotten Tomatoes über „Spy“
Wikipedia über „Spy“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)
Melissa McCarthy in der Kriminalakte

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