Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Unknown User“ stört

Spoilerwarnung!!!

Vor einem Jahr brachte Laura Barns sich um. Sie konnte nicht mit der Schande – einem entblößendem Video und den hämischen Kommentaren im Netz– leben.
Jetzt hängen einige ihre Schulfreunde vor dem Computer ab und chatten miteinander, bis sie plötzliche „Billie 227“ in ihrem Gespräch haben. Zuerst bemerken Blaire, ihr Freund Mitch und ihre Freunde Jess, Adam, Ken und Val den unbekannten Gast nicht. Dann glauben sie an einen Fehler, den sie mit einem Abbruch und Neuaufnahme ihres Gesprächs beseitigen können. Aber er ist immer noch da und er meldet sich jetzt zu Wort. Er will wissen, wer von ihnen Laura in den Tod trieb. Er weiß Dinge über sie, die er nicht wissen kann. Und er droht jeden, der den Chat vorzeitig verlässt, umzubringen.
Nachdem der Störenfried einen von ihnen vor laufender Kamera tötet, glauben sie ihm. Die noch überlebenden Teenager (Hey, wir wissen doch alle, dass kleine Sünden mit dem Tod bestraft werden!) lassen sich, notgedrungen, auf sein Wahrheitsspielt ein.
Gut, das erinnert etwas ältere Horrorfilmfans an „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (I know what you did last summer, USA 1997). Nur dass dieses Mal die Teenager die ganze Zeit in ihren Zimmern vor ihren Computerbildschirmen verharren müssen. Auf dieser erzählerischen Ebene hat „Unknown User“ auch keine Überraschungen: die Teenager waschen ihre schmutzige Wäsche und sterben dabei der Reihe nach. Meistens schnell und unblutig.
Aber auf der formalen Ebene ist Levan Gabriadzes US-Debüt ist überaus gelungen. Der gesamte Film spielt vor dem Computerbildschirm von Blaire Lily. Wir sehen, wie sie die Maus bewegt. Bilder und Icons vergrößert und verkleinert, zwischen Programmen hin und her switcht und was sie schreibt. Manchmal auch, wie sie etwas geschriebenes vor dem Absenden wieder löscht. In der deutschen Fassung sind dabei alle von ihr benutzten Programme eingedeutsch. Es gibt also keine lästigen Untertitel. Und dieses Beobachten eines Bildschirms ist überhaupt nicht langweilig.
Außerdem gelingen Gabriadze immer wieder köstliche Zuspitzungen, wenn Connie Conways „How you lie, lie, lie“ zu einer Montage der Charaktere, die sich ängstlich anbrüllen und dabei ihrer Lügen überführt werden, als sarkastischer Kommentar abläuft. Da zeigt sich ein inszenatorisches Geschick, das aus „Unknown User“ eine kostengünstig produzierte Talentprobe macht.
Als Film hadert er mit dem üblichen Found-Footage-Overacting, den banalen Teenager-Dialogen (die Schauspieler durften sie improvisieren) und einer letztendlich unbefriedigenden Geschichte. Denn Drehbuchautor Nelson Greaves liefert im Film (es gab verschiedene Fassungen) keine Auflösung. Der Täter, sein Motiv und wie er Teenager umbringt, bleibt vollkommen im Dunkeln. Am Ende sind einfach alle tot. Das ist eine ziemliche Verarschung des Zuschauers. Denn wir müssen annehmen, dass die Teenager in verschiedenen mehr oder weniger weit voneinander entfernt liegenden Häusern leben (Okay, ich dachte mir irgendwann: die Teenies stehen auf, öffnen ihre Zimmertür und treffen sich auf dem Flur des Hauses) und dass der Täter ein Einzeltäter ist. Und da stellt sich die Frage: wie konnte er, solange er kein Geist ist (was im Rahmen eines sich bis zur vorletzten Minute realistisch gebenden Films keine Erklärung ist), seine Taten begehen?

Unknown User - Plakat

Unknown User (Unfriended, USA 2014)
Regie: Levan Gabriadze
Drehbuch: Nelson Greaves
mit Shelley Henning, Moses Storm, Rene Olstead, will Peltz, Jacob Wysocki, Courtney Halverson, Heather Sossaman

Länge: 83 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Unknown User“
Moviepilot über „Unknown User“
Metacritic über „Unknown User“
Rotten Tomatoes über „Unknown User“
Wikipedia über „Unknown User“ (deutsch, englisch)

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