DVD-Kritik: „Still Alice“ – Julianne Moores Oscar-Performance

Dass Julianne Moore zu den besten Schauspielerinnen ihrern Generation gehört, ist kein Geheimnis. Und dass sie in einigen Klassikern mitspielte, ist ebenfalls kein Geheimnis. Immerhin haben wir „The Big Lebowski“, „Short Cuts“, „Cookie’s Fortune – Aufruhr in Holly Springs“, „Boogie Nights“, „Magnolia“, und, letztes Jahr, „Maps to the Stars“ gesehen. Manchmal mehrmals. Aber erst für ihr Spiel in „Still Alice“ erhielt sie, nachdem sie bereits viermal für einen Oscar nominiert war, den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Verdient.
In dem von Richard Glatzer und seinem Lebenspartner Wash Westmoreland inszeniertem Drama spielt Moore Alice Howland, eine anerkannte, an der Columbia University lehrende Sprachforscherin, die gerade ihren fünfzigsten Geburtstag im Kreis ihrer Familie feierte. Kurz darauf bemerkt die Linguistin, dass irgendetwas mit ihrem Gedächtnis nicht stimmt: ihr fällt ein Wort nicht ein, beim Joggen auf einer vertrauten Strecke verliert sie die Orientierung und sie vergisst Kleinigkeiten. Sie geht zu einem Arzt und der diagnostiziert bei ihr Alzheimer. Normalerweise ist Alzheimer eine Alte-Leute-Krankheit, aber manchmal erkranken auch Jüngere daran und „Still Alice“ zeigt genau den Krankheitsverlauf und was er für den Erkrankten (nämlich den langsamen Verlust von seinem Gedächtnis und damit seinem Leben) und seine Umgebung bedeutet. Weil Alice eine Wissenschaftlerin ist, versucht sie auch analytisch mit der Krankheit umzugehen und weil Alice noch eine junge Frau ist, stellen sich für ihren Ehemann und ihre drei Kinder die mit der Krankheit einhergehenden Probleme etwas anders als bei einer Achtzigjährigen. Und das ist auch der Verdienst von diesem klug inszeniertem und gut gespieltem Drama mit einem absehbarem Ende (Hey, wir kennen alle den groben Verlauf von Alzheimer). Er holt die Krankheit von einer Krankheit alter Menschen in die Mitte der Gesellschaft zurück.
Dass Regisseur Richard Glatzer selbst ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) hatte, verleiht dem Film noch eine zusätzliche dramatische und persönliche Note. Im Gegensatz zu Alzheimer zerstört ALS das motorische Nervensystem; kurz gesagt: man kann sich immer schlechter und weniger bewegen. Bei Glatzer wurde es 2011 diagnostiziert. Während der Dreharbeiten konnte er sich kaum noch bewegen und nur mit einem Sprachcomputer mit dem Team reden. Am 10. März 2015, wenige Tage nach dem Oscar-Gewinn von Julianne Moore, starb er an der Krankheit.
Sicher auch aufgrund dieser eigenen Betroffenheit inszenierten er und Wash Westmoreland das Schicksal von Alice nüchtern, unsentimental und einem präzisen Blick auf ein zunehmend eingeschränktes Leben, garniert mit einigen Informationen über die Krankheit.
Davon abgesehen ist „Still Alice“ allein schon wegen dem grandiosen Spiel von Julianne Moore sehenswert. Sie erhielt fast alle der über fünfzig Nominierungen und Preise für den Film.
Das Bonusmaterial ist ziemlich überschaubaur. Es gibt drei B-Rolls (von denen die dritte etwas interessanter ist) und Interviews mit Julianne Moore, Kristen Stewart, Alec Baldwin und Richard Glatzer und Wash Westmoreland. Gerade die Interviews mit Moore, Glatzer und Westmoreland sind interessant. Die beiden anderen erschöpfen sich, auch aufgrund der Fragen, auch wenn es glaubwürdig klingt, in der üblichen Lobhuddelei.

Still Alice - DVD-Cover

Still Alice – Mein Leben ohne Gestern (Still Alice, USA 2014)
Regie: Richard Glatzer, Wash Westmoreland
Drehbuch: Richard Glatzer, Wash Westmoreland
LV: Lisa Genova: Still Alice, 2009 (Mein Leben ohne Gestern)
mit Julianne Moore, Kristen Stewart, Alec Baldwin, Kate Bosworth, Hunter Parrish, Shane McRae, Stephen Kunken

DVD
Polyband
Bild: 16×9 anamorph (1,85:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews, B-Roll, Hörfilm-Fassung
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Still Alice“
Moviepilot über „Still Alice“
Metacritic über „Still Alice“
Rotten Tomatoes über „Still Alice“
Wikipedia über „Still Alice“ (deutsch, englisch)

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