Was sie schon immer über „Edmond Hamilton – Autor von Captain Future“ wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten

September 30, 2015

Kettlitz - Edmond Hamilton - 2

Hardy Kettlitz, der Autor von „Edmond Hamilton – Autor von Captain Future“, lernte den Science-Fiction-Autor, wie viele Jugendliche Anfang der achtziger Jahre durch die japanische Zeichentrickserie „Captain Future“ kennen. In ihr kämpfen Curtis Newton, genannt Captain Future und ein echter Alleskönner (für die Jüngeren: „Iron Man“ Tony Stark, aber nicht so arrogant egozentrisch), und seine Vertrauten, das lebende, alles wissende Gehirn Professor Simon Wright, befreit von allen körperlichen Beschränkungen, Android Otho, der seine Gestalt verändern kann, Roboter Grag, der gerne ein Mensch wäre, und die wunderschöne, wunderschöne Joan Randall auf verschiedenen Planeten im Sonnensystem gegen Verbrecher. Durch die Serie erlebte Edmond Hamilton, der bereits 1977 verstorben war, eine Renaissance. Bastei-Lübbe veröffentlichte die „Captain Future“-Romane. Teilweise erstmals. Es gab Comics und etliche andere Merchandise-Artikel.
Dabei schrieb Hamilton (21. Oktober 1904 – 1. Februar 1977) nicht nur die „Captain Future“-Romane, sondern zahlreiche weitere Space Operas und Kurzgeschichten, die fast alle, mit einer weitgehenden Missachtung jeglicher wissenschaftlichen Plausibilität, zum Science-Fiction-Genre gehören. Das war und ist nicht Hohe Literatur, sondern Pulp, der allerdings Spaß macht und Jungs zu Leseratten macht.
In seiner lesenswerten Monographie stellt Kettlitz vor allem die Romane und Erzählungen von Hamilton, die auf Deutsch erschienen, kurz vor. Denn insgesamt schrieb Hamilton fast dreihundert Geschichten, die fast alle zuerst in einem der damals populären Magazine erschienen. Der Schwerpunkt von „Edmond Hamilton – Autor von Captain Future“ liegt dabei mit insgesamt gut achtzig Seiten auf Hamiltons bekanntestem Helden, dem schon genannten Captain Future. Zwischen 1940 und 1944 erschienen siebzehn „Captain Future“-Romane in den gleichnamigen Heften. Hamilton schrieb fünfzehn (zwei als Brett Sterling). 1945 und 1946 erschienen in „Startling Stories“ drei weitere „Captain Future“-Geschichten, von denen Hamilton zwei schrieb. 1950 und 1951 schrieb Hamilton, ebenfalls in „Startling Stories“, sieben kürzere „Captain Future“-Erzählungen. Kettlitz stellt sie alle kurz vor. Es gibt außerdem die ersten beiden Kapitel des ersten „Captain Future“-Romans, die Hamilton auf Wunsch seines Verlegers überarbeitete. Der ursprüngliche Text erschien erstmals 1971 in „Pulp“.
Es gibt ein im Februar 1975 mit Hamilton geführtes Interview, in dem er einige interessante Einblicke in das Geschäftsgebaren der Pulp-Magazine gibt. Es gibt eine ausführliche Bibliographie, die allerdings bei den Golkonda-Ausgaben der „Captain Future“-Geschichten schwächelt. Das liegt auch daran, dass „Edmond Hamilton – Autor von Captain Future“ erstmals 2003 als „Edmond Hamilton – Weltenzerstörer und Autor von Captain Future“ (SF Personality 13) erschien und 2012 für eine erweiterte und ergänzte Neuausgabe im Shayol Verlag (dem Vorläufer von Golkonda) veröffentlicht wurde. Und es gibt ein erstmals im Oktober 2011 in der Frankfurter Allgemeine Zeitung erschienenes Essay von Dietmar Dath über Edmond Hamilton und Captain Future.
„Edmond Hamilton“ ist ein gewohnt liebevoll gestaltetes und sehr informatives Buch, das vor allem zum Blättern einlädt und, wenigstens bei mir, den Wunsch weckte, wieder einen „Captain Future“-Roman, die ja dank Golkonda in schönen Ausgaben wieder erhältlich sind, oder eine andere naive Weltraumoper zu lesen.

Hardy Kettlitz: Edmond Hamilton – Autor von Captain Future
Memoranda/Golkonda, 2015
208 Seiten
16,90 Euro

Hinweise

Golkonda über Hardy Kettlitz

Meine Besprechung von Hardy Kettlitz‘ „Die Hugo-Awards 1953 – 1984“ (2015)

Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons “Captain Future: Die Herausforderung” (Captain Future’s Challenge, 1940)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons „Captain Future: Der Triumph“ (The Triumph of Captain Future, 1940)


TV-Tipp für den 30. September: Hotel Ruanda

September 29, 2015

Arte, 20.15
Hotel Ruanda (Südafrika/Großbritannien/Italien/Kanada 2004, Regie: Terry George)
Drehbuch: Keir Pearson, Terry George
Ruanda, 1994: Mitten während des Völkermordes der Hutu an den Tutsi versucht Paul Rusesabagina, Manager des in der Hauptstadt gelegenen 113-Zimmer Vier-Sterne-Luxushotels Les Milles Collines, den Hotelbetrieb aufrecht zu erhalten. Seine Gäste: Über 1200 Hutu und Tutsi, die um ihr Leben fürchten.
Starkes, auf wahren Ereignissen basierendes Drama.
„Ein überzeugender Film, dem der Balanceakt zwischen historischer Rekonstruktion und bewegender Erzählung souverän gelingt.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Don Cheadle, Sophie Okonedo, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Desmond Dube, David O’Hara
Wiederholung: Freitag, 2. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Hotel Ruanda“
Wikipedia über „Hotel Ruanda“ (deutsch, englisch)


Kurzkritik: Mark Billingham und sein Tom-Thorne-Roman „Der Manipulator“

September 29, 2015

Detective Inspector Tom Thorne von der Londoner Polizei ist zurück mit einem Fall, der für ihn nur aus schlechten Nachrichten besteht: Stuart Nicklin (bekannt aus dem zweiten Tom-Thorne-Roman „Die Tränen des Mörders“ [Scaredy Cat, 2002], der auch verfilmt wurde, und dem achten Tom-Thorne-Roman „Das Blut der Opfer“ [Death Message, 2007]) will der Polizei verraten, wo er eine weitere Leiche versteckt hat. Seine einzige Bedingung: Tom Thorne, der ihn damals verhaftete, soll ihn begleiten. Oh, und sein Mithäftling Jeffrey Batchelor soll ihn als objektiver Beobachter begleiten. Man weiß ja nicht, was Thorne und die anderen Polizisten vielleicht auf dem Weg vom Hochsicherheitsgefängnis zum Tatort und zurück anstellen.
Der Tatort liegt auf der einsam gelegenen Insel Bardsey (oder, auf walisisch: Ynys Enlli). Sie ist, wenn das Wetter gut ist, mit dem Schiff erreichbar. Handyempfang gibt es nur an wenigen Orten und sie hat keine der modernen Errungenschaften, die inzwischen in London auch in der billigsten Mietwohnung normal sind. Es ist noch wie in der guten alten Zeit, als man im Winter Eisblumen am Fenster sah.
Dort, so Nicklin, habe er sein erstes Opfer vergraben. Er war vor fünfundzwanzig Jahren einer der Zöglinge einer kurzlebigen Besserungsanstalt, die kurz nach seinem Verschwinden geschlossen wurde.
Thorne fragt sich, was Nicklin, der es genießt Menschen zu manipulieren, plant und wann er versucht zu fliehen.
Billinghams zwölfter Tom-Thorne-Roman „Der Manipulator“ lebt von dieser Spannung. Damit ähnelt er einem Western, der auf einen finalen Showdown zusteuert. Das ist aber auch das Problem des gut vierhundertfünfzigseitigem Romans. Denn nachdem man sich daran gewöhnt hat, dass die Geschichte auf Bardsey spielt und Nicklin bis zu seiner Flucht vor allem die Polizisten bei der Arbeit beobachtet, wartet man nur auf eben diesen Fluchtversuch. Bis dahin plätschert die Geschichte eher vor sich hin.
Insofern ist „Der Manipulator“, als Landpartie mit überschaubarem Personal, für langjährige Tom-Thorne-Fans eine willkommene Abkehr von dem gewohnten Muster und eine Wiederbegegnung mit einem altbekannten Bösewicht. Für Neueinsteiger wird der Roman, obwohl er problemlos zu verstehen ist und eine ziemlich überraschende Lösung hat, insgesamt zu handlungsarm und zu wenig thrillend sein, um wirklich zu begeistern.

Billingham - Der Manipulator - 2

Mark Billingham: Der Manipulator
(übersetzt von Irene Eisenhut)
Heyne, 2015
464 Seiten
12,99 Euro

Originalausgabe
The Bones beneath
Little, Brown (London), 2014

Hinweise

Upcoming4.me: Mark Billingham erzählt Wissenswertes über „Der Manipulator“ (Mai 2014)

Homepage von Mark Billingham

Wikipedia über Mark Billingham (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stephen Hopkins Tom-Thorne-Verfilmung “Der Kuss des Sandmanns – Tom Thorne ermittelt” (Thorne: Sleepyhead, GB 2010)

Mark Billingham in der Kriminalakte


Cover der Woche

September 29, 2015

Hammett - Nightmare Town

Eine tolle, bislang nicht übersetzte Zusammenstellung von unbekannten Hammett-Kurzgeschichten.


TV-Tipp für den 29. September: The Rum Diary

September 28, 2015

Tele 5, 20.15
Rum Diary (USA 2011, Regie: Bruce Robinson)
Drehbuch: Bruce Robinson
LV: Hunter S. Thompson: The Rum Diary, 1998 (Rum Diary)
Puerto Rico, 1960: der erfolglose US-Journalist Paul Kemp ergattert auf der Insel einen Reporterjob, der ihn schnell in Kontakt mit den schmutzigen Geschäften seiner Landsleute und Drogen, vielen Drogen, sehr vielen Drogen bringt.
Bruce Robinsons „Rum Diary“ ist die sehr brave Version von „Fear and Loathing in Las Vegas“ (Angst und Schrecken in Las Vegas), das ebenfalls auf einem Buch von Thompson basiert. „Rum Diary“, ein lange verschollen geglaubter Roman von Thompson, ist zwar ein Roman, aber man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass er mehr als nur inspiriert von Hunter S. Thompsons Erlebnissen als Journalist auf Puerto Rico ist.
Die dank vieler gelungener Episoden durchaus kurzweilige, aber auch etwas belanglose Verfilmung selbst hat mit einem plätscherndem bis nicht vorhandenem Plot zu kämpfen. Johnny Depp als dreißigjähriger Journalist ist zu alt für die Rolle (was besonders bei seinen Szenen mit Aaron Eckhart, der einen deutlich erfahreneren und “älteren” Mann spielt, auffällt) und der Journalist Kemp ist auch etwas zu naiv für einen Dreißigjährigen gezeichnet. Er wirkt eher wie ein Zwanzigjähriger, also wie ein Alter Ego des 1937 geborenen Hunter S. Thompson, der 1960 auf der Insel arbeitete.
mit Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich

Wiederholung: Mittwoch, 30. September, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Rum Diary“
Wikipedia über „Rum Diary“ (deutsch, englisch)
Heyne-Verlag über Hunter S. Thompson

Der Roman „Rum Diary“ ist bei Heyne als Taschenbuch erschienen. Zum Filmstart gab es auch ein Movie-Tie-In.

Thompson - The Rum Diary

Hunter S. Thompson: The Rum Diary
(übersetzt von Wolfgang Farkas)
Heyne, 2012
288 Seiten
8,95 Euro


DVD-Kritik: „The Reach – In der Schusslinie“ von Michael Douglas

September 28, 2015

In der Mojave-Wüste will der vermögende Geschäftsmann John Madec (Michael Douglas) ein seltenes Dickhornschaf jagen. Der junge Fährtenleser Ben (Jeremy Irvine) soll ihn im einsam gelegenen Jagdgebiet begleiten. Aber dann erschießt Madec zufällig einen Einsiedler und weil er auf Bens Schweigsamkeit letztendlich nicht vertraut, will er jetzt auch ihn töten.
Die Jagd ist eröffnet – und Jean-Baptiste Léonettis „The Reach – In der Schusslinie“ bewegt sich wohltuend im Umfeld der Siebziger-Jahre-Survival-Thriller, in denen man nicht mehr als einen Jäger, einen Gejagten und eine ländliche Landschaft benötigte.
Dieses Mal stammt die Vorlage von Robb White. Sein mit dem Edgar ausgezeichneter Jugendroman „Deathwatch“ wurde bereits 1974 von Lee H. Katzin als TV-Film „Savages“ mit Andy Griffith und Sam Bottoms in den Hauptrollen verfilmt. Auch in dem Remake veränderte man die Geschichte bis auf einige Details und Aktualisierungen (so telefoniert Madec immer wieder mit einem Satellitentelefon) nicht. Es geht nur um eine Jagd in einer Landschaft, in der der Mensch nur als Gast geduldet ist, einen Gejagten und einen Jäger, der vor allem sein Opfer beobachtet, während die Natur den Rest erledigen soll. Allerdings kennt Ben die Landschaft verdammt gut.
Mit seiner Konzentration auf zwei Personen gehört „The Reach“ auch zu den reduziertesten Exemplaren des Genres. Auch die Laufzeit mit knapp neunzig Minuten ist sehr reduziert, was ja nicht schlecht ist. Denn damals benötigte der Regisseur, auch weil auf überflüssige Subplots verzichtet wurde, bei einem B-Picture keine neunzig Minuten, um seine Geschichte zu erzählen.
Und Michael Douglas gefällt sich, wieder einmal, in der Rolle des erschreckend sympathischen und normalen Unsympathen, auf die er während seiner großen Zeit in den Achtzigern und Neunzigern, nach der TV-Serie „Die Straßen von San Francisco“ , abonniert war.

The Reach - DVD-Cover

The Reach – In der Schusslinie (Beyond the Reach, USA 2014)
Regie: Jean-Baptiste Léonetti
Drehbuch: Stephen Susco
LV: Robb White: Deathwatch, 1972
mit Michael Douglas, Jeremy Irvine, Ronny Cox, Hanna Mangan Lawrence, Patricia Bethune, Martin Palmer, David Garver

DVD
Universum Film
Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Trailer, Wendecover
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „The Reach“
Metacritic über „The Reach“
Rotten Tomatoes über „The Reach“
Wikipedia über „The Reach“ und Robb White

Ein Interview mit Jean-Baptiste Léonetti (Regie), Michael Douglas (Hauptrolle, Produzent) und Jeremy Irvine (Hauptrolle) und Tonproblemen

Und noch ein Interview mit den Jungs, kürzer und mit besserem Ton

Und eines mit Jean-Baptiste Léonetti über sein US-Debüt


TV-Tipp für den 28. September: Der dritte Mann

September 27, 2015

Arte, 20.15

Der dritte Mann (Großbritannien 1949, Regie: Carol Reed)

Drehbuch: Graham Greene

LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)

Wien, kurz nach dem Krieg: Holly Martins kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.

Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.

Arte zeigt die in Cannes präsentierte Fassung des Films und anschließend, um 21.55 Uhr, die Doku „Orson Welles – Tragisches Genie“ (Frankreich 2014) über, nun, Orson Welles (6. Mai 1915 – 10. Oktober 1985)

Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger

Wiederholung: Mittwoch, 30. September, 13.45 Uhr

Hinweise

Arte über Orson Welles

Fanseite über Graham Greene

Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)

Wikipedia über „Der dritte Mann“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ und den beiden Verfilmungen

Meine Besprechung von Carol Reeds „Ausgestoßen“ (Odd Man Out, Großbritannien 1947)

Meine Besprechung von Orson Welles’ “Im Zeichen des Bösen” (Touch of Evil, USA 1958)


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