Neu im Kino/Filmkritik: „Ricki – wie Familie so ist“ und wie das Leben so spielt

Der deutsche Titel von dem neuen Film, in dem Mery Streep singt (das tut sie in letzter Zeit ja gerne), ist „Ricki – wie Familie so ist“ und er lässt einen dieser netten Filme erwarten, in der eine Familie sich etwas fetzt und etwas herzt und man am Ende, wenn sich die Familie versöhnt, den Kinosaal mit einem feuchten Taschentuch verlässt. Der US-Titel ist „Ricki and the Flash“ und das ist der Name von Rickis Band.
Denn Ricki Rendazzo (Meryl Streep) ist Rocksängerin. So eine richtig scharfe Rockröhre, die mit ihrer Band jeden Abend das heiße Rock’n’Roll-Leben zelebriert. Dass das in einer kleinen, schummerigen Bar in Los Angeles vor einem überschaubarem Publikum geschieht; – na gut, ein „American Girl“ kann halt nicht alles haben. Auch wenn sie, „Wooly Bully“, „Let’s Work together“ mit ihrer Band „Keep playing that Rock and Roll“ macht, „I still haven’t found what I’m looking for“ schmachtet und schließlich ihren Kindern am Filmende versichert „My Love will not let you down“ (Ihr habt Rickis Songs erkannt?). Aber bis dahin geht es durch drei höchstens lose miteinander verknüpfte Kapitel, die mehr Situationsbeschreibungen und Collagen als ausformulierte Geschichten sind.
Ricki erhält von ihrem Ex-Mann Pete (Kevin Kline), ein äußerst wohlhabender Geschäftsmann, der ihre drei Kinder großzog und inzwischen wieder glücklich verheiratet ist, einen Anruf. Ihre Tochter Julie (Mamie Gummer) will sich nach einer gescheiterten Beziehung umbringen. Ricki, die ihre Kinder seit Jahren nicht gesehen hat, fliegt von L. A. nach Indianapolis, Indiana, und versucht ihre Tochter aus ihrer Depression zu befreien, während Petes Frau und Vorbildmutter Maureen (Audra McDonald) gerade ihren todkranken Vater in einer anderen Stadt pflegen muss.
Diese eher humoristische Episode mit Familienzusammenführung und Rock’n’Roll-freigeistigen Lebensweisheiten (auch wenn Ricki einige sehr konservative Ansichten hat) endet mit der Rückkehr von Maureen.
Dann gibt es eine längere Episode, die Ricki und ihre Band und ihr Leben, vor allem die sich stärker entwickelnde Beziehung zu ihrem Gitarristen Greg (Rick Springfield) beschreibt. Jetzt sind ihre Kinder wieder Teil einer vollkommen anderen Welt. Aber in dem entsprechend humorfreiem Liebesdrama gibt es einige weitere live von Ricki and the Flash gespielte Songs.
Und dann geht es wieder, holterdipolter, zurück ans andere Ende der USA. Denn ihr Sohn heiratet und Ricki, die bis jetzt alle Hochzeiten ihrer Kinder (zu denen sie nicht eingeladen war) und auch alle anderen Familientreffen (zu denen sie ebenfalls chronisch nicht eingeladen wurde) verpasste, will dieses Mal als die Mutter des Bräutigams dabei sein, was immerhin zu einigen schön irritierten Blicken der Ostküsten-High-Society führt. Denn so richtig standesgemäß kann sich die Rockerbraut Ricki nicht anziehen.
Das ist von „Das Schweigen der Lämmer“-Regisseur Jonathan Demme immer wieder schön beobachtet und die meisten Szenen entwickeln sich auch immer etwas anders als erwartet. So wie ein Musiker einem bekannten Song eine kleine persönliche Note beifügt. Ein Ohr für Musik hat er auch, was wir seit dem „Talking Heads“-Konzertfilm „Stop Making Sense“ und diversen Filmen mit und über Neil Young wissen. Entsprechend gelungen sind, auch dank Rickis guter Band, die live eingespielten, gut abgehangenen Rockklassiker. Aber „Ricki – wie Familie so ist“ ist auch ein Film, der ohne Anfang und Ende, einfach so mit einigen banalen Lebensweisheiten bis zum sentimental-verlogenen Ende vor sich hin plätschert. Denn nach der ersten und längsten Episode, in der Ricki versucht, eine Mutter zu sein, geht es weiter als ob es kein Spielfilm, sondern mehrere Episoden einer sympathischen, aber auch etwas belanglosen Serie wären.

Ricki - wie Familie so ist - Plakat

Ricki – wie Familie so ist (Ricki and the Flash, USA 2015)
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Diablo Cody
mit Meryl Streep, Kevin Kline, Mamie Gummer, Audra McDonald, Sebastian Stan, Rick Springfield, Bernie Worrell, Rick Rosas, Joe Vitale (die vier Jungs sind „The Flash“ und über diese Backing-Band kann nicht gemeckert werden)
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ricki – wie Familie so ist“
Moviepilot über „Ricki – wie Familie so ist“
Metacritic über „Ricki – wie Familie so ist“
Rotten Tomatoes über „Ricki – wie Familie so ist“
Wikipedia über „Ricki – wie Familie so ist“ (deutsch, englisch)

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