Kurzkritik: Mark Billingham und sein Tom-Thorne-Roman „Der Manipulator“

Detective Inspector Tom Thorne von der Londoner Polizei ist zurück mit einem Fall, der für ihn nur aus schlechten Nachrichten besteht: Stuart Nicklin (bekannt aus dem zweiten Tom-Thorne-Roman „Die Tränen des Mörders“ [Scaredy Cat, 2002], der auch verfilmt wurde, und dem achten Tom-Thorne-Roman „Das Blut der Opfer“ [Death Message, 2007]) will der Polizei verraten, wo er eine weitere Leiche versteckt hat. Seine einzige Bedingung: Tom Thorne, der ihn damals verhaftete, soll ihn begleiten. Oh, und sein Mithäftling Jeffrey Batchelor soll ihn als objektiver Beobachter begleiten. Man weiß ja nicht, was Thorne und die anderen Polizisten vielleicht auf dem Weg vom Hochsicherheitsgefängnis zum Tatort und zurück anstellen.
Der Tatort liegt auf der einsam gelegenen Insel Bardsey (oder, auf walisisch: Ynys Enlli). Sie ist, wenn das Wetter gut ist, mit dem Schiff erreichbar. Handyempfang gibt es nur an wenigen Orten und sie hat keine der modernen Errungenschaften, die inzwischen in London auch in der billigsten Mietwohnung normal sind. Es ist noch wie in der guten alten Zeit, als man im Winter Eisblumen am Fenster sah.
Dort, so Nicklin, habe er sein erstes Opfer vergraben. Er war vor fünfundzwanzig Jahren einer der Zöglinge einer kurzlebigen Besserungsanstalt, die kurz nach seinem Verschwinden geschlossen wurde.
Thorne fragt sich, was Nicklin, der es genießt Menschen zu manipulieren, plant und wann er versucht zu fliehen.
Billinghams zwölfter Tom-Thorne-Roman „Der Manipulator“ lebt von dieser Spannung. Damit ähnelt er einem Western, der auf einen finalen Showdown zusteuert. Das ist aber auch das Problem des gut vierhundertfünfzigseitigem Romans. Denn nachdem man sich daran gewöhnt hat, dass die Geschichte auf Bardsey spielt und Nicklin bis zu seiner Flucht vor allem die Polizisten bei der Arbeit beobachtet, wartet man nur auf eben diesen Fluchtversuch. Bis dahin plätschert die Geschichte eher vor sich hin.
Insofern ist „Der Manipulator“, als Landpartie mit überschaubarem Personal, für langjährige Tom-Thorne-Fans eine willkommene Abkehr von dem gewohnten Muster und eine Wiederbegegnung mit einem altbekannten Bösewicht. Für Neueinsteiger wird der Roman, obwohl er problemlos zu verstehen ist und eine ziemlich überraschende Lösung hat, insgesamt zu handlungsarm und zu wenig thrillend sein, um wirklich zu begeistern.

Billingham - Der Manipulator - 2

Mark Billingham: Der Manipulator
(übersetzt von Irene Eisenhut)
Heyne, 2015
464 Seiten
12,99 Euro

Originalausgabe
The Bones beneath
Little, Brown (London), 2014

Hinweise

Upcoming4.me: Mark Billingham erzählt Wissenswertes über „Der Manipulator“ (Mai 2014)

Homepage von Mark Billingham

Wikipedia über Mark Billingham (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stephen Hopkins Tom-Thorne-Verfilmung “Der Kuss des Sandmanns – Tom Thorne ermittelt” (Thorne: Sleepyhead, GB 2010)

Mark Billingham in der Kriminalakte

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