Neu im Kino/Filmkritik: Hüte dich vor „Crimson Peak“! Besuche Allerdale Hall.

„Crimson Peak“, der neue Film von „Hellboy“ Guillermo del Toro, gehört eindeutig in die Kategorie „solche Filme werden heute nicht mehr gemacht“.
Die Geschichte beginnt 1901 in Buffalo, New York. Edith Cushing (Mia Wasikowska) ist eine naßforsche, junge Frau aus vermögendem Haus, die von einer Karriere als Schriftstellerin träumt und ihren Traummann noch nicht gefunden hat. Da begegnet sie Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston), einem verarmten englischen Adligen, der von Ediths Vater und dessen Firma gerne Geld für eine große Investition hätte. Begleitet wird er von seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain).
Als kurz darauf Ediths Vater bei einem Badeunfall stirbt (Okay, es war ein Mord von einem unbekannten Täter.), heiratet sie Thomas und gemeinsam ziehen sie in sein einsam gelegenes Anwesen. Allerdale Hall ist ein auf einem waldlosem Hügel stehendes, verfallenes Schloss. Über dem kathedralenähnlichem Eingang ist das Dach eingestürzt. Es regnet und schneit hinein. Das Haus ist riesig, aber Personal scheint es nicht zu geben. Dafür sieht Edith einen Geist und die Geschwister Sharpe scheinen etwas vor ihr zu verbergen.
Ähnlich wie vor Kurzem Kenneth Branagh in „Cinderella“ mit seinem vollkommen unironischen, traditionellen und durch keinerlei Postmodernismen getrübten Zugang zu dem Märchen von Aschenputtel erstaunte, drehte jetzt Guillermo del Toro mit „Crimson Peak“ einen Romantic Thriller, der so tut, als sei seit Filmen wie Alfred Hitchcocks „Rebecca“ höchstens eine Woche vergangen. Auch wenn „Crimson Peak“ in seiner pompösen Farbigkeit an Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen erinnert, fehlt „Crimson Peak“, neben der kurzen Laufzeit, der in ihnen immer spürbare Humor.
In del Toros sanftem Schauermärchen gibt es gute Schauspieler, eine schöne Ausstattung, eine langsam durch die Räume gleitenden Kamera und eine absolut vorhersehbare Geschichte, die eigentlich nur zwei große Überraschungen enthällt. Die Sharpes sind, obwohl sie anfangs so auftreten, keine Vampire. Das wäre ein zu zeitgenössischer Zugang zu dieser alten Geschichte. Und Edith, die schon in ihrer Heimat vom Geist ihrer Mutter eindringlich vor Crimson Peak gewarnt wird, erfährt erst sehr spät im Film, nachdem sie schon lange in Allerdale Hall friert, von Geistern verfolgt und Lucille traktiert wird, dass Allerdale Hall im Volksmund Crimson Peak genannt wird. Wir haben das schon vermutet, als die Kutsche das Tor von Allerdale Hall passierte.
Am Ende, wenn das Geheimnis der Geschwister Sharpe enthüllt wird, ist „Crimson Peak“ ein Kriminalfilm, ein Romantic Thriller in seiner absolut klassischen und hoffnungslos altmodischen Form, bei dem es noch etwas Geister-Geschwurbel gibt.
Das ist gut gemacht und es ist auch genau der Retro-Film, den Guillermo del Toro machen wollte. Aber es ist auch, als sähe man sich wieder einen dieser alten Gothic Thriller, die höchstens für ein sanftes Gruseln sorgen, an und bei dem man, auch wenn man ihn noch nie gesehen hat, die gesamte Handlung schon nach den ersten Minuten kennt. Farbe und bessere Tricks ändern nichts daran. Eigentlich waren sogar die alten Tricks mit knarrenden Türen und Schatten furchterregender.

Crimson Peak - Plakat

Crimson Peak (Crimson Peak, USA 2015)
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Matthew Robbins, Lucinda Coxon
mit Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston, Charlie Hunnam, Jim Beaver, Burn Gorman, Leslie Hope, Doug Jones
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Crimson Peak“
Moviepilot über „Crimson Peak“
Metacritic über „Crimson Peak“
Rotten Tomatoes über „Crimson Peak“
Wikipedia über „Crimson Peak“
Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Einige Featurettes von den Machern (Universal Pictures)

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